Erkelenz: Der Klang, ein Erlebnis

Erkelenz: Der Klang, ein Erlebnis

Die Zagreb Soloist gastierten zum Meisterkonzert in Erkelenz. Das elfköpfige Streichorchester bildete stets eine musikalisch-klangliche Einheit, wofür die Zuhörer mit viel Applaus dankten.

Das ausgewogene, in sich sehr stimmige Klangbild ist das, womit die Zagreb Soloists beim vierten Meisterkonzert der Saison in Erkelenz zu überzeugen wussten. Montagabend hatte das kroatische Ensemble mit einem russischen Programm in der Stadthalle gastiert. Es interpretierte Kompositionen von Glasunow, Rachmaninow, Schostakowitsch und Tschaikowskij, wobei die Werke der letzten beiden besonders in Erinnerung bleiben werden.

1953 ist das Ensemble der Zagreb Soloists von Antonio Janigro, einem Cellisten des Zagreber Rundfunks, gegründet worden. Es versteht sich als musikalischer Botschafter seiner Heimat in der ganzen Welt, wozu die inzwischen mehr als 3500 Konzerte auf allen Kontinenten und in den wichtigsten Konzertsälen beitragen; darunter die Berliner Philharmonie, die Royal Albert Hall in London, der Wiener Musikverein und das Concertgebouw in Amsterdam. Gemein ist allen Mitgliedern, dass sie Absolventen der Zagreber Musikakademie sind. Seit 2012 leitet Sreten Krstic das Ensemble, der auch Konzertmeister der Münchner Philharmoniker ist.

Sanft im Ton, weich im Klang - so führte sich das Kammerorchester bei seinem Gastspiel in Erkelenz mit Alexander Glasunows "Thema und Variationen für Streichorchester g-Moll" ein. Und gleich von Beginn an verdeutlichten die Musiker, dass es das homogene Klangbild ist, für das ihre Interpretationen stehen. Seien es der intensive Ausdruck in der dritten Variation, die präzisen Pizzicatophrasen in der vierten oder das Tiefgründige in der sechsten Variation gewesen, stets wirkten die elf Musiker als harmonische Einheit.

Wie aus fahlem Licht aufsteigen ließen anschließend die Zagreb Soloists im ersten Satz (Largo) die "Kammersinfonie op. 110 a" von Dmitrij Schostakowitsch; hierbei handelt es sich um eine Ausarbeitung von dessen achtem Streichquartett für Streichorchester durch Rudolf Barshai, die vom Komponisten autorisiert und in sein Werksverzeichnis aufgenommen worden ist. Eruptiv brach danach der zweite Satz (Allegro molto) aus, der dritte Satz (Allegretto) überzeugte mit seinen melodiösen Passagen, während die Musiker im abschließenden Satz (Largo) flirrende Akkorde von großer innerer Harmonie in die Stadthalle legten. Interessant zu hören ist diese Kammersinfonie auch, weil Schostakowitsch darin so viele seiner anderen Werke - wie Sinfonien und Cellokonzert - anklingen lässt.

Mit "Romanze und Scherzo" von Sergej Rachmaninow kamen die Zagreb Soloists aus der Konzertpause, woran sie die "Serenade für Streicher op. 48" von Pjotr Iljitsch Tschaikowskij anschlossen. Mit viel Pathos und Hingabe interpretierten sie die Einleitung zum ersten Satz (Andante non troppo), um im folgenden Allegro moderato mit Spielwitz und Akkuratesse die Phrasen und zu großen Bögen ausgearbeiteten Melodien ineinandergreifen zu lassen. Dem zwischen den Stimmen schwingenden Walzer im zweiten Satz folgte ein unter die Haut gehender dritter (Elégie: Larghetto elegiaco). Schwelgend interpretierten die Zagreb Soloist die melancholische Einleitung zum Finalsatz (Andante) und dessen pathetisches Ende, wozwischen präzise artikuliert der von Tschaikowskij aufgenommene russische Volkstanz "Unterm grünen Apfelbaum" erklang.

Viel Applaus gab es vom Erkelenzer Publikum auch für diese in sich geschlossene, stimmige Interpretation, wofür sich die elf Musiker wiederum mit einer Zugabe bedankten.

(spe)