Erkelenz: Der Bauxhof leert sich

Erkelenz: Der Bauxhof leert sich

130 Menschen sind im vergangenen halben Jahr aus dem Bauxhof ausgezogen. Bis Jahresende müssen auch die anderen 200 ein neues Zuhause finden. Margret Fügener von der städtischen Beratungsstelle hilft ihnen dabei.

Wer im Bauxhof nach Frau Fügener fragt, erntet vermutlich ein Achselzucken. „Frau Margret“ aber kennen die meisten Bewohner. Seit 15 Jahren arbeitet Margret Fügener in der städtischen Beratungsstelle Bauxhof, steht den Aussiedlern bei den kleinen und großen Fragen des Alltags bei. Und jetzt hilft sie ihnen beim Umzug. Zum Jahresende gibt die Stadt den Bauxhof als Übergangswohnheim für Aussiedler auf.

Wer heute durch die Häuserblocks geht, kann es sehen: Viele Wohnungen stehen bereits leer. 1200 Menschen könnte der Bauxhof aufnehmen, doch seit Jahren leben dort nicht mehr annähernd so viele. Von den 330 Menschen, die zu Jahresbeginn im Bauxhof wohnten, sind 130 ausgezogen. „Erstaunlich viele“, findet Margret Fügener. Sie und ihre Kollegen vom Sozialamt helfen den restlichen Bewohnern bei der Wohnungssuche. Schauen Anzeigen durch, vermitteln bei Vermietern. Denn für viele wirke allein das Wort „Bauxhof“ abschreckend, sagt Frau Fügener. Dabei habe sie in all den Jahren ihrer Beratungstätigkeit die gegenteilige Erfahrung gemacht: Noch nie habe sich ein Vermieter über die ehemaligen Bauxhof-Bewohner beschwert.

Das Problem, das sich laut Fügener zurzeit stellt: „Es gibt relativ viele Wohnungen in Erkelenz, aber nur wenige, die den Maßstäben für Arbeitslosengeld II-Empfänger entsprechen.“ Doch es sind bei weitem nicht nur finanzielle Gründe, die einige der Bewohner bislang vom Auszug aus dem Bauxhof abgehalten haben. Es sind alte Leute darunter, die ungern noch einmal neu anfangen möchten, Familien, die bislang nicht wussten, ob die erwachsenen Kinder mit umziehen, oder kinderreiche Familien, die Schwierigkeiten haben, etwas zu finden.

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Gefühle verletzt

„Vielen Leuten tut es leid, ausziehen zu müssen“, sagt Margret Fügener. Sie erzählt: Als das Vorhaben, den Bauxhof aufzugeben diskutiert und schließlich beschlossen wurde, waren viele der Bewohner verletzt. „Womit haben wir das verdient?“, hätten sie gefragt. „Wir haben uns doch anständig benommen.“ Inzwischen hätten sie die Situation aber akzeptiert. Doch sei es für die anderen jedes Mal ein zwiespältiges Gefühl, wenn ein Bewohner auszieht: „Jeder, der eine Wohnung findet, ist für die anderen eine Ermutigung“, sagt Fügener. So entsteht eine Aufbruchsituation. Andererseits wären viele gerne geblieben, hätten ihre Wohnung auch gekauft.

200 Menschen müssen in den nächsten Monaten noch ein neues Zuhause finden. In einigen Fällen wird es schwierig – aber nicht unmöglich, sagt Margret Fügener mit einem Pragmatismus, der in 15 Jahren Beratung gewachsen ist. Als sie 1992 bei der Stadt anfing, begrüßte sie einmal in der Woche einen Bus voll Aussiedler im Bauxhof. Bald schließt sich der Kreis: „Ich habe den Anfang miterlebt und erlebe jetzt auch das Ende.“

(RP)
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