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Erkelenz: Den Römern auf der Spur

Erkelenz : Den Römern auf der Spur

Weil Archäologen an der Tenholter Straße eine Siedlung aus der Jungsteinzeit vermuteten, graben sie seit Oktober großräumig. Gefunden haben sie Relikte aus der Römerzeit und einen Schützengraben aus dem Zweiten Weltkrieg.

Das Buddeln im lehmigen Boden ist für die Grabungshelfer Alltagsgeschäft. Auf einen großen Fund, wie damals den Holzbrunnen aus dem Jahre 5090 vor Christus in Kückhoven, hofft hier niemand. "Aber natürlich sind wir bei jedem neuen Abschnitt gespannt, was wir dort vorfinden", sagt Martha Aeissen. Seit Ende Oktober leitet sie ein Team aus sieben Archäologen, das ein viereinhalb Hektar großes Areal an der Tenholter Straße neben dem Agrarzentrum nach historischen Funden durchkämmt.

Denn bevor sich dort das große Industrieunternehmen Dr. Hahn ansiedeln kann, müssen so genannte Bodendenkmäler gesichert werden. So schreibt es das Denkmalschutzgesetz des Landes vor. "Das ist ein Routinevorgang, der zur Erschließung jedes Baugebietes dazugehört", sagt Ansgar Lurweg, Technischer Beigeordneter der Stadt. Außergewöhnlich ist diesmal nur die Größe des Grabungsgebietes. Grund dafür ist eine Probegrabung im Herbst, die Archäologen auf seltene Funde aus der Jungsteinzeit hoffen ließ.

"Jetzt haben wir Spuren aus der Römerzeit gefunden, aber nichts, was auf eine Siedlung aus der Jungsteinzeit schließen lässt", erklärt Archäologin Martha Aeissen. Stück für Stück hat sich ihr Team von Westen nach Osten vorgearbeitet. Dabei stieß es auch auf Zeugnisse einer viel jüngeren Vergangenheit, einen langen Schützengraben mit Flakstellung und Einschlaglöchern von Bomben aus dem Zweiten Weltkrieg.

Der spannendste Teil der Ausgrabung scheint aber noch vor den Archäologen zu liegen: Verfärbungen im Boden weisen darauf hin, dass es auf der Fläche an der Tenholter Straße ein größeres römisches Landgut gegeben hat. Eventuell stand dort in der Römerzeit sogar ein Brunnen. "Auffällig ist, dass wir wenig Keramikstücke oder Ähnliches finden", sagt die Grabungsleiterin. "Eventuell ist das Gebiet systematisch verlassen worden und die Bewohner haben alles mitgenommen", vermutet sie.

Die Zeit drängt. Während sich das Team weiter in Richtung Osten vorarbeitet, fangen in diesen Tagen im Westen die Bauarbeiten für die Firma Dr. Hahn an. "Bis Mitte Januar müssen wir hier fertig sein", weiß Aeissen. Bezahlt werden sie und ihre Mitarbeiter von der Stadt Erkelenz. "Da trifft man natürlich immer auf zwei Antipole. Die einen finden Archäologie toll, andere halten sie für überflüssig und zu teuer", sagt Martha Aeissen.

Doch mit ihrer Hilfe kann wieder ein Stückchen Landesgeschichte geschrieben werden. "Es ist schon relevant, ob es hier in der Gegend fünf oder 100 römische Siedlungen gab", nennt die Archäologin ein Beispiel. Zudem hat die Stadt Erkelenz Fördermittel vom Land für die Grabungen beantragt. "Die haben wir für die Ausgrabungen vor der Ansiedlung des Gipco auch bekommen", sagt der Technische Beigeordnete Ansgar Lurweg. "Das kommt finanziell schon alles hin."

(RP)