Tagebau Garzweiler 2000 Menschen demonstrieren friedlich in Lützerath

Erkelenz · Schon in wenigen Wochen könnte das besetzte Braunkohledorf Lützerath Geschichte sein. Am Samstag kamen am Tagebau Garzweiler 2000 Menschen zusammen – sie haben weiterhin Hoffnung.

An der Mahnwache in Lützerath versammelten sich am Samstag acht Organisationen mit zahlreichen Unterstützern. 
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An der Mahnwache in Lützerath versammelten sich am Samstag acht Organisationen mit zahlreichen Unterstützern. foto: dpa

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Nahezu störungsfrei verlief die Demonstration in Lützerath gegen die Erweiterung des Tagebaus Garzweiler II und für die Einhaltung der 1,5 Grad-Grenze des Pariser Klimaabkommen, an der nach Angaben der Organisatoren am Samstag mehr als 2000 Menschen teilgenommen haben sollen. Wie die Polizei Aachen meldet, kam es am Rande der Demonstration zu vereinzelten Straftaten. Eine kleinere Personengruppe drang in den Tagebau ein, um dort ein Banner abzulegen. Die Personen entfernten sich unerkannt – der Tagebaubetreiber RWE stellte Strafantrag wegen Hausfriedensbruchs. An anderer Stelle wurde eine verbotene PKK-Flagge gezeigt.

Zufrieden mit der Demonstration war auch Dirk Jansen, Geschäftsleiter des Landesverbands der Naturschutzorganisation BUND, der die Demonstration im Auftrag von acht Organisationen angemeldet hatte. Er betonte wie alle anderen Redner, es unabdingbar sei, dass die Braunkohle unter Lützerath in der Erde bleiben müsse und die besetzten Gebäude des Dorfs nicht abgerissen und die Bäume in der begonnenen Rodungssaison nicht gefällt werden dürfen.

Ob und wann es überhaupt zu einer Räumung des Restdorfs und einer Rodung kommen wird, blieb bei der Demonstration eine große Frage ohne Antwort. Die Hoffnung wachse, dass es diese Räumung und Rodung in den nächsten Wochen und Monaten nicht geben wird, wie Jansen am Rande der Demonstration meinte. Die vielen Menschen aus Nah und Fern, stellten sich schützend vor das akut von einer Räumung bedrohte Lützerath und forderten unter anderem, den Tagebau auf ein klimaverträgliches Maß zu begrenzen.

Zur Halbzeit der Weltklimakonferenz in Ägypten erinnerten sie an Deutschlands Verantwortung beim Klimaschutz. „Wo Kohleausstieg 2030 draufsteht, muss auch CO2-Einsparung drin sein“, so das Demo-Bündnis, bestehend aus „Alle Dörfer bleiben“, BUND, Campact, Fridays For Future, Greenpeace , Klima-Allianz Deutschland, „Lützerath Lebt“ und derNaturschutzjugend NRW.

Die Argumente und Forderungen sind schon oft vorgetragen worden: Das Land habe RWE nach der Zusage für den Erhalt der anderen Dörfer im Erkelenzer Osten einen „Freifahrtschein“ für die Förderung von 280 Millionen Tonnen Kohle aus dem Tagebau Garzweiler II bis 2030 erteilt. Diese Menge übersteige bei weitem das Restbudget an Braunkohle, das noch mit dem Pariser Klimaabkommen vereinbar sei. Die Landesregierung widerspricht dieser Darstellung seit Langem.

(kl)