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Erkelenz: Das historisches Rechtsbuch ist zurückgekehrt

Erkelenz : Das historisches Rechtsbuch ist zurückgekehrt

Ein Ausblick auf 2017 und eine Rückkehr: Ein wertvolles historisches Buch wurde beim Neujahrsempfang an Erkelenz zurückgegeben.

Tradition und Fortschritt - dieser Slogan, den die Stadt Erkelenz in ihrem Signe trägt, entfaltete am Samstag beim Neujahrsempfang in der Stadthalle seine vollständige Bedeutung. Zum einen kehrte eine Jahrhunderte alte Schrift des Stadtschreibers und Bürgermeisters Mathias Baux in die Stadt zurück. Und zum anderen wies Bürgermeister Peter Jansen auf jene Entwicklungsfelder hin, die Erkelenz in diesem Jahr zu bearbeiten vorhat.

Beim Neujahrsempfang wurde das "Liber juris patriae" - ein von Mathias Baux im 16. Jahrhundert verfasstes Erkelenzer Rechtsbuch - an die Stadt Erkelenz zurückgegeben (v.l.): Günther Merkens (Heimatverein Erkelenz), Dr. Alice Habersack (Stadtarchiv Erkelenz), Bürgermeister Peter Jansen, Dr. Claudia Kauertz (Archivberatungsstelle Landschaftsverband Rheinland), Dr. René Rohrkamp (Stadtarchiv Aachen), Dr. Michael Habersack (Archivberatungsstelle). Foto: Laaser

In der tagebaubedingten Umsiedlung von Keyenberg, Kuckum, Berverath, Ober- sowie Unterwestrich wird die Stadt Erkelenz in diesem Jahr ein Stück weit ihre Perspektive wechseln, muss sie doch mit RWE Power noch über die Entschädigung und den Neuaufbau der öffentlichen Infrastruktur - wie Mehrzweckhalle und Sporteinrichtungen - verhandeln. Bürgermeister Peter Jansen erklärte in seiner Rede zum Neujahrsempfang: "Ich gehe davon aus, dass wir wie in Borschemich und Immerath zu guten Lösungen kommen werden." Ein weiteres am Tagebau liegendes Themenfeld wird 2017 die Entwicklung jener Dörfer sein, die in Erkelenz künftig an dessen Rand bestehen müssen. Nachdem sich Venrath und Kaulhausen im Vorjahr aufgemacht hatten, von Stadtplanern professionell unterstützt und vom Land Nordrhein-Westfalen gefördert, ihre Zukunft zu planen, soll 2017 Holzweiler in den Fokus rücken. "Pünktlich zum neuen Jahr flatterte der Förderbescheid auf meinen Tisch", kündigte Jansen am Samstag den nun bald möglichen Start des Entwicklungsprozesses für Holzweiler an und verwies darauf, dass auch RWE Power seine Unterstützung zugesagt habe.

Fortentwicklung zeichnet sich in Erkelenz im neuen Jahr ebenfalls in der Arbeitsplatz- und Wohnbauentwicklung an. Nachdem im November erstmals die 46.000-Einwohner-Marke geknackt worden war, peilt die Stadt Erkelenz weiteres Wachstum an. Jansen erinnerte dabei daran, wo Erkelenz vor zehn Jahren gestanden hatte: "In den Gewerbegebieten sind seither 2300 sozialversicherungspflichtige Arbeitsplätze entstanden, die Arbeitslosigkeit wurde um 25 Prozent auf eine Quote von nun 4,4 Prozent gesenkt. Auf den Dörfern wurden rund 400 Baugrundstücke verkauft und weitere 450 im Oerather Mühlenfeld, wo allein sich dadurch 1880 Menschen angesiedelt haben." Erkelenz will an diesen positiven Entwicklungen festhalten, weil dadurch auch Steuereinnahmen generiert, öffentliche Infrastruktur gestärkt und vor Ort das allgemeine Älterwerden der Gesellschaft abgefedert werden können. Bürgermeister Jansen kündigte deshalb für 2017 Baugebietsentwicklungen "quer durchs Stadtgebiet" an, von Kückhoven über Hetzerath bis Katzem und noch einmal im Oerather Mühlenfeld. Aber auch danach soll nicht Schluss sein: "Es werden aktuell Gespräche für Granterath, Gerderath und Schwanenberg geführt."

Weil für die Stadt Erkelenz Wohnen und Arbeiten eng zueinandergehören, "allein schon aus ökologischen Gründen", sollen 2017 auch Industrie, Handel und Gewerbe in ihrem Wachstum unterstützt werden. Wie berichtet wird über eine erneute Ausdehnung des Gewerbegebiets Gipco über die Bundesstraße 57 hinaus verhandelt. Auch laufen laut Jansen konkrete Verhandlungen für Gewerbeflächen an der Tenholter Straße: "Vielleicht klappt es ja bald mit der Umsetzung und einem Baubeginn."

Eine weitere "bedeutende Entscheidung" kündigte der Erkelenzer Bürgermeister beim Neujahrsempfang für das Areal des ehemaligen Amtsgerichtes an. Was sich gegenüber dem Bahnhof am Tor zur Innenstadt entwickelt, dürfte in diesem Jahr deutlich werden: "Mit dem Land NRW - als Zweidrittel-Eigentümer der Fläche - konnte erreicht werden, dass unter Führung der Stadt Erkelenz in Kürze die Ausschreibung des Grundstückes mit rund 7000 Quadratmetern erfolgt." Dort bestünden gute Optionen für Wohnen und Einzelhandel: "Mehrere potenzielle Investoren haben schon Erkundigungen eingeholt."

Traditionell dient die Neujahrsrede von Bürgermeister Peter Jansen auch dazu, kommunalpolitische Entwicklungen der jüngeren Vergangenheit zu skizzieren und Menschen zu danken, die im Vorjahr für Erkelenz wichtig waren. Lob gab es für die gute nachhaltige Zusammenarbeit der Politik, um Erkelenz' finanziellen Spielraum zu erhalten. Dank erhielten besonders jene Erkelenzer, die sich ehren- und hauptamtlich um die derzeit 700 hier lebenden Flüchtlinge kümmern. Und Zwischenapplaus gab es von den mehr als 400 Gästen des Empfangs, als Jansen mit Blick auf die Wahlen in diesem Jahr mahnte, dass "Populisten und Parolenrufer noch nie Positives bewirkt haben. Passen Sie gut auf, wer einfache Lösungen anbietet, will meist nur überrumpeln und nicht die wahren Absichten zeigen."

(spe)