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Cusanus-Gymnasium Erkelenz: Auf den Spuren nationalsozialistischer Verbrechen​

Cusanus-Gymnasium Erkelenz : Auf den Spuren nationalsozialistischer Verbrechen

Einige Schülerinnen und Schüler des Cusanus-Gymnasiums Erkelenz brachen kürzlich zu einer nicht ganz einfachen Fahrt nach Österreich auf.

Mit dem neuen Fahrtenkonzept des Cusanus-Gymnasiums können geschichtsinteressierte Schüler aus der Jahrgangsstufe 10 eine Gedenkstättenfahrt absolvieren. 25 von ihnen nahmen an einer Fahrt teil, die sie auf die Spuren nationalsozialistischer Verbrechen in zwei Städte führte: Linz in Österreich und München. Auf dem Programm, das zwei Lehrkräfte mit dem Bistum Aachen entwickelten, standen Mitmachaktionen und Treffen mit Gleichaltrigen in Österreich.

Wer Linz denkt, dem wird eine idyllische barocke Stadt an der Donau einfallen. Weniger bekannt sein dürfte, dass Adolf Hitler hier seine Jugend verbracht hat und später, nach dem Einmarsch der Wehrmacht in Österreich im Jahr 1938, aus der Stadt eine protzige „Kulturhauptstadt“ mit brachialen Monumentalbauten machen wollte, wozu es durch den Zweiten Weltkrieg nicht mehr kam. Stattdessen wurde die Stadt zum Rüstungsstandort ausgebaut sowie in der Nähe das Konzentrationslager Mauthausen.

Im Vordergrund der Studienreise stand die Frage, wie junge Leute heute mit dem Erbe des Nationalsozialismus umgehen sollen. Die beiden Lehrkräfte Kenan Holger Irmak und Christina Krause-Scholte stellten den Kontakt mit einem Geschichtslehrer vom Khevenhüller Gymnasiums in Linz her. Nach einer Videokonferenz vor der Abreise gelang vor Ort das, was Irmak als Verbindung aus dem Gedenken an NS-Verbrechen mit einer länderübergreifenden Form der Verständigung beschreibt. Die deutschen und österreichischen Schüler trafen sich, um die Stadt zu erkunden, sich über bestehende Formen des Gedenkens in Erkelenz und Linz auszutauschen und sich auf Einladung des dortigen Schulleiters, Andreas Pree, Gedanken über weitere Möglichkeiten des Erinnerns auszutauschen.

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Die Cusaner hatten sich schon im Vorfeld mit Themen beschäftigt und in Form von Referaten präsentiert. Dazu gehörte, dass im Dritten Reich das Fach Biologie rassistische Lerninhalte vermittelte. Erst die Auseinandersetzung vor Ort in der ehemaligen Tötungsanstalt Hartheim bei Linz, wo zwischen 1940 und 1944 30.000 Menschen ermordet wurden, führte den Schülern die Konsequenzen dieser Ideologie vor Augen. Mit Blick auf den Rasenplatz vor dem KZ-Gelände in Mauthausen, wo SS-Wärter unter dem Beifall schaulustiger Bewohner Fußball spielten, äußerte der Cusaner Lars Boisten den Wunsch, dass Opfergruppen nie in Vergessenheit geraten, wo doch schon damals Gleichgültigkeit in der Bevölkerung herrschte, während nur wenige Meter weiter hinter hohen Mauern aber auch auf der sogenannten Todesstiege im Steinbruch Menschen gequält und getötet wurden. Und heute? Schülerin Valentina stellte fest, dass das Gebäude bis 2003 von mehreren Mietparteien bewohnt wurde.

„Unterdrückte Völker, Straf- und Arbeitslager, rechte Parteien und kriegsverherrlichende Diktatoren gibt es auch heute“, so Nils Moll und Jan Baets bei ihrer Erkundung des ehemaligen KZ-Dachau in München, „deshalb ist erinnern so wichtig“. In ihrer fiktiven Mail an die künftige Generation fordern die beiden Schüler: „Daher solltet ihr euch Gedanken machen und selbst in eurem Leben eine Gedenkstätte besuchen.“ Oder wie es eine Schülerin in ihrem Gedicht schrieb: „Vergangen, jedoch hoffentlich nie vergessen.“

(RP)