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Corona-Krise in Erkelenz: Angebot der Tafel hat sich normalisiert

Interview mit Manfred Fröhlich, Leiter der Erkelenzer Tafel : „Das Angebot hat sich wieder normalisiert“

Die Tafel in Erkelenz funktioniert auch in der Corona-Krise, wie Leiter Manfred Fröhlich im Interview erklärt. Nach kurzzeitiger Schließung ist nun für Kunden und Warenanlieferung wieder montags und donnerstags geöffnet.

Das Tafel-Prinzip ist ganz einfach: Es besteht darin, Waren, deren Haltbarkeitsdatum (MHD) in Kürze erreicht wird, einzusammeln und kostenlos an Bedürftige zu verteilen. Andere Waren stammen aus Überproduktionen. Die Erkelenzer Tafel kann auf die Unterstützung von örtlichen Lebensmittelketten, Bäckern, Metzgern, Landwirten und Produzenten zählen. Aber auch Schulen, Pfarrgemeinden, Kindergärten und private Sponsoren spenden regelmäßig für die Bedürftigen. So beschreibt die Erkelenzer Tafel auf ihrer Homepage ihre Tätigkeit. Doch gilt das auch in Zeiten von Corona unter erschwerten Bedingungen? Und was ist danach? Der Vorsitzende der Erkelenzer Tafel, Manfred Fröhlich, gibt darauf Antworten.

Wie stellte sich die Situation bei der Erkelenzer Tafel bezüglich Mitarbeiter, Kunden und Waren vor der Coronakrise dar?

Manfred Fröhlich Wir, die Erkelenzer Tafel, mussten wegen der Altersfrage unsere Tafel ab dem 23. März vorübergehend schießen. 90 Prozent der Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen sind zwischen 60 und 80 Jahre alt. Zusätzliche Mithelfende haben Vorerkrankungen, und andere waren mit eigenen Krankheiten beschäftigt. Es gab bei der Tafel keinen Corona-Infizierten. Hinzu kam eine Verängstigung unserer Kunden, weshalb sie auch in geringerer Zahl kamen. Letztlich wurden durch die Hamsterkäufe in den Geschäften und Supermärkten Waren für unsere Tafel immer weniger.

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Was hat die Coronakrise inzwischen bewirkt?

Manfred Fröhlich Die Erkenntnis, dass sich viele Privatpersonen, ähnlich wie bei unserer Weihnachtspäckchen-Aktion, an unsere Tafel erinnerten und für die Aktion der Christkönig-Pfarre „Lebensmittel für die Tafel““ sammelten. Diese Aktion, geleitet von Gemeindereferent Michael Kock, war ein riesiger Erfolg, und wir konnten vor und nach Ostern diese Ware an zwei Sonder-Öffnungstagen an unsere Kunden verteilen. Zusätzlich wurden auch noch Geldspenden an uns getätigt.

Wie hat sich das Warenangebot entwickelt? Wie entwickelt sich die Zahl der Kunden? Wie motiviert sind die Mitarbeiter?

Manfred Fröhlich Nach wenigen offiziellen Öffnungstagen können wir sagen, dass sich das Warenangebot fast schon wieder normalisiert hat, nachdem es anfangs etwas zögerlich zuging. Das gilt auch für die Anzahl unserer Kunden. Die Mitarbeiter sind im Moment noch nicht vollständig anwesend. Durch das veränderte System mit Abstandhalten und Hygienevorschriften bedarf es im Moment nicht so vieler Mitarbeiter. Die sind sehr motiviert und sehr froh, dass sie wieder bei unserer Tafel tätig sein können. Ebenfalls sind unser Kunden sehr erfreut, dass wir wieder geöffnet haben, teilen es uns auch persönlich mit und verhalten sich sehr diszipliniert, halten die vorgeschriebenen Abstände ein, tragen Masken und halten ebenfalls ihre Reihenfolge ein. Deshalb können wir auch die vorhandenen Absperrungen wieder wegstellen.

Wie stellt sich die derzeitige Arbeit der Tafel dar? Kann die Tafel ihre Arbeit fortsetzen?

Manfred Fröhlich Selbstverständlich können wir unsere Tafelarbeit nicht in der gewohnten Weise fortführen. Wie bereits erwähnt, müssen wir sowohl im Fahrdienst mit zwei Personen im Wagen als auch bei der Warenzubereitung und bei der Warenverteilung an unsere Kunden strengste Sicherheitsmaßnahmen und Hygienevorschriften einhalten. Die Maskenpflicht, Handschuhe und der erforderliche Mindestabstand von 1,50 Meter gelten auch bei unseren Mitarbeitern. Die Kunden geben ihre Taschen auf einem Tisch ab, und Mitarbeiter mit dem nötigen Abstand füllen diese Taschen mit unserer Ware. Für unsere Kunden besteht weiterhin Sichtkontakt zu unserer Ware, und sie können ihre Wünsche äußern. Diese werden selbstverständlich nach Möglichkeit erfüllt.

Wie entwickelt sich die Erkelenzer Tafel und wie sieht ihre Zukunft aus bezüglich Kunden, Mitarbeiter und Warenangebot?

Manfred Fröhlich Da die Tafel ja nicht einem Selbstzweck dient, sollte man sich ja eigentlich nicht ein Mehr an Kunden wünschen. Im Gegenteil. Es würde ja ein Anwachsen von Armut ausdrücken. Anderseits werden wir durch den permanenten Kontakt mit unseren Lieferanten dafür sorgen, dass wir für unsere Kunden alles tun werden, ihnen zu helfen. Auch neue Mitarbeiter haben sich bei uns gemeldet und werden demnächst eingearbeitet. Ein ständiger Warenaustausch mit befreundeten Tafeln im Umkreis findet ebenfalls statt, und das Logistikzentrum des Landesverbandes in Köln bietet uns immer wieder neue Ware sogar palettenweise an. Somit werden wir für die Zukunft gut gerüstet sein.

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