Bürgermonitor: Erkelenzer Behindertenbeauftragter Andreas Ullmann erfreut über Initiativen der West Verkehr GmbH

Interview mit Andreas Ullmann : Klingel-Projekt in Geschäften wird nicht umgesetzt

Buswartehäuschen werden auf Initiative von Andreas Ullmann für Menschen mit Sehbehinderung entsprechend ausgestattet, das Klingel-Projekt hingegen wird gestoppt.

Andreas Ullmann, Sie bearbeiten als ehrenamtlicher Behindertenbeauftragter der Stadt Erkelenz einige Themen, welche die Menschen auch am Bürgermonitor unserer Redaktion beschäftigen. So haben Sie den Bericht über neue Buswartehäuschen für das Erkelenzer Land aufgegriffen. Wieso das?

Ullmann Mir ist aufgefallen, dass das gezeigte Buswartehäuschen am Ziegelweiherpark in Erkelenz nicht für Menschen mit Sehbehinderung ausgestattet worden ist. Glasscheiben im öffentlichen Verkehrsraum müssen aber sichtbar sein, und für Buswartehäuschen gibt es noch einmal besondere Vorschriften, worauf ich die West Verkehr GmbH aufmerksam gemacht habe. Ich freue mich, dass dort jetzt reagiert wird. Mir wurde mitgeteilt, dass die West Verkehr GmbH eine Marketingagentur beauftragt hat und nun alle Wartehäuschen, die nicht entsprechend ausgestattet sind, nach und nach mit Sichtelementen versehen werden sollen. Diese Reaktion begrüße ich sehr.

Vor gut zwei Jahren waren Buswartehäuschen schon einmal ein Thema. Damals ging es Ihnen darum, dass im Gewerbegebiet Gipco viele Menschen, auch mit einem Handicap, den Linienbus benutzen, es dort aber keinen Unterstand gab. Daraufhin konnten Sie erreichen, dass eine Haltestelle mit einem Wartehäuschen ausgestattet wurde. Was wurde aus der Haltestelle in die Gegenrichtung?

Barrierefreie Eingänge von Geschäften sind ein Thema des Behindertenbeauftragten Andreas Ullmann. Seine Idee war es, Klingeln anbringen zu lassen – das wird sich nicht durchsetzen. Foto: Carina Wernig

Ullmann Auch dazu hat sich die West Verkehr GmbH jetzt noch einmal bei mir gemeldet, und zwar mit der schönen Nachricht, dass demnächst auch in Richtung Maastrichter Straße ein Häuschen aufgestellt werden kann. Der Auftrag soll bereits erteilt worden sein. Gerade für die Mitarbeiter von Prospex, der Werkstatt für Menschen mit psychischer Behinderung, wird das eine Verbesserung ergeben.

Barrierefreiheit ist ein wiederkehrendes Thema für Sie, aber auch für den Bürgermonitor. Zuletzt haben Sie, wie berichtet, mit der Stadt Erkelenz, und unterstützt von Bürgermeister Peter Jansen, einen Brief an Einzelhändler in der Innenstadt verteilt, um dafür zu werben, Klingeln anzubringen, damit Menschen mit Handicap beim Betreten von Geschäften geholfen werden kann. Wie war die Resonanz?

Ullmann Ich bin seit eineinhalb Jahren an diesem Thema, habe zuletzt noch einmal die Briefe verteilt – ich werde das Projekt jetzt auf Eis legen.

Weshalb das?

Ullmann Angeschrieben wurden nur Geschäfte, die nicht barrierefrei sind. Das sind rund 200 Briefe in der Innenstadt gewesen. Antwort erhalten habe ich von neun. Versuchsweise habe ich in Lövenich acht Briefe verteilt und vier Antworten bekommen. Das eine hat mich gefreut, das andere frustriert. Letztlich muss ich aber feststellen, dass die Resonanz zu gering ist, um das Projekt zu realisieren. Die Grundkosten wären einfach zu hoch, dabei wäre das Vorhaben kostenfrei und von der Kreissparkasse Heinsberg, Obi und der Stadt Erkelenz unterstützt worden.

Ihre Idee war es, an den Geschäften Funkklingeln anzubringen, die weder verschraubt noch verkabelt werden müssen. Wer Probleme beim Betreten des Gebäudes hat, könnte damit Hilfe rufen ...

Ullmann ... so ist es, und so wird es in anderen Städten wie Kempen auch schon praktiziert. Für Erkelenz hoffe ich jetzt auf eine Bewusstseinsänderung, denn immerhin haben mehr als 4000 Menschen einen Grad der Behinderung von mehr als 50 Prozent, und außerdem könnten auch Familien mit Kinderwagen profitieren.

Mehr von RP ONLINE