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Wegberg: Bürgermeister hilft Hoot aus der Patsche

Wegberg : Bürgermeister hilft Hoot aus der Patsche

Ungewöhnlicher Spaß im Karneval: Hückelhovens Bürgermeister Bernd Jansen griff gestern in Wegberg zur Schaufel, um einen Flurschaden zu beseitigen, den der Busfahrer der Ratheimer KG "All onger eene Hoot" verursacht hatte.

Zu einer nicht ganz alltäglichen Amtshilfe trat Hückelhovens Bürgermeister Bernd Jansen gestern bei seinem Amtskollegen Michael Stock in Wegberg an. Beherzt griffen die Verwaltungschefs am Wegberger Burgparkplatz zu Schaufel und Spaten, um mit vereinten Kräften und närrischer Unterstützung einen Flurschaden zu beseitigen. Diesen hatte der verzweifelte Busfahrer der Ratheimer Karnevalsgesellschaft "All onger eene Hoot" (RKG) in Wegberg hinterlassen. Die Bürgermeister von Hückelhoven und Wegberg stellten damit nicht nur Tatkraft, sondern mitten in der Karnevalszeit auch gemeinschaftlichen Sinn für Humor unter Beweis.

Sonja Rotter, Präsidentin der Wegberger KG Flöck op und Mitarbeiterin der Stadt Wegberg, erklärte, wie es zu dem Flurschaden kam: "Der Burgparkplatz war während des Biwaks im Forum zugeparkt und der Fahrer der RKG kam mit seinem Bus nicht durch. Darum folgte er den Handlungsanweisungen gemäß Feuerzangenbowle ,Da stelle mer uns ens janz dumm. Dä Bus is so ähnlich wie ene Jeländewaren' und fuhr über den Gehweg in den Grünstreifen." Dumm nur: Der Boden war durch Regenschauer derart aufgeweicht, dass sich der voll besetzte Bus samt Ratheimer Tollitäten im Wegberger Morast festfuhr.

Der Bus der RKG fuhr sich in einem Grünstreifen am Rande des Wegberger Burgparkplatzes fest und hinterließ tiefe Reifenspuren. Foto: Flöck op

Das fahrerische Missgeschick des RKG-Kutschers sollte am Tag des Biwaks noch für reichlich Aufhebens sorgen: Im Einsatz waren nicht nur der ADAC und ein Abschleppdienst samt Mechaniker (dieser musste die Kardanwelle des festgefahrenen Busses ausbauen, um sie wenig später, als der Bus wieder festen Boden unter den Rädern hatte, wieder einzubauen). Angefordert wurden auch diverse Taxis aus Hückelhoven und ein Ersatzbus, dessen Fahrer nach Angaben des Flöck op-Vorsitzenden Gerd Opwis (im echten Leben Polizeioberkommissar) "aber keinen Deut besser war" und wenig später zwei Verkehrszeichen auf Hückelhovener Stadtgebiet umfuhr.

Gestern nahmen die Tollitäten den RKG-Fahrer in Schutz: "Ich stehe zu meinem Kutscher! Er hat es gut gemeint und mir eine zusätzliche vergnügliche Zeit auf Wegbergs Parkplatz beschert", meinte Hoot-Prinz Johannes II. Besonders pikant: Er ist im echten Leben Mitarbeiter des Baubetriebshofes in Hückelhoven und hätte - sozusagen als Mann vom Fach - die Gefahr erkennen und durch den Einsatz aller ihm zur Verfügung stehenden Führungs- und Einsatzmittel wohl abwenden können. Trotz des offenkundigen Versäumnisses konnte Johannes II. in der brisanten Angelegenheit blind auf die Schützenhilfe seines Wegberger Amtskollegen Prinz Kevin I. vertrauen: "Ich stehe zu meinem grünen Amtsbruder und werde ihn gegen den schwarzen und roten Vertreter der Städte Hückelhoven und Wegberg verteidigen und sie nötigenfalls mit Bier besänftigen oder sie mit Kamelle bewerfen." Hoot-Präsidentin Dagmar Fister nahm ihren Prinzen gestern ebenso in Schutz wie Hückelhovens Bürgermeister Bernd Jansen: "Ist doch klar, dass man aus so einem Kaff möglichst schnell raus will", sagte Jansen augenzwinkernd.

Um die Sache zwischen den beiden seit Jahren befreundeten Karnevalsgeslleschaften endgültig aus der Welt zu schaffen, hatte Sonja Rotter in Absprache mit dem Wegberger Bürgermeister Stock das nicht ganz ernst gemeinte Amtshilfeersuchen an den Bürgermeister der Stadt Hückelhoven. Bernd Jansen verstand den Spaß, erklärte die Angelegenheit kurzerhand zur Chefsache und ließ gestern auf bemerkenswerte Art Taten folgen.

(RP)