Erkelenz: Brunnen-Eimer ist LVR-Fund des Monats

Erkelenz: Brunnen-Eimer ist LVR-Fund des Monats

Das Amt für Bodendenkmalpflege beim Landschaftsverband Rheinland stellte gestern wieder bedeutende Grabungsfunde in der Region vor, darunter den Schöpfeimer eines römischen Brunnens.

Zu den spektakulären Funden, die die Archäologen des Landschaftsverbands Rheinland (LVR) in der vergangenen Zeit gemacht haben, gehören Entdeckungen im Stadtgebiet von Erkelenz. Eine von ihnen wurde sogar zum "Fund des Monats Februar 2018" erklärt wurde: Es ist ein exzellent erhaltener Schöpfeimer aus einem römischen Brunnen, der in Sichtweise des Fundplatzes des bekannten altneolithischen Kückhovener Brunnens im Zuge des Kiesabbaus gefunden wurde. "Das beweist einmal mehr, dass es in dieser Region eine intensive Besiedlung gab", erklärt Uwe Steinkrüger für das Amt für Bodendenkmalpflege im Rheinland am Rande einer Fachtagung, in der gestern die Funde ausgestellt wurden. Durch die Entdeckungen gelang es den rheinischen Archäologen, "wichtige Forschungslücken zu schließen, vor allem das Leben der Menschen in der Bronze und Eisenzeit zu verstehen."

Bereits 2015 waren zwei römische Kastenbrunnen in der Kiesgrube bei Kückhoven aufgespürt worden. Aus einem der Brunnen stammt der fässchenförmige Schöpfeimer, dessen Restaurierung kürzlich in den Werkstätten des LVR-Landesmuseums Bonn abgeschlossen wurde. Die Brunnen, die bis zu 14,50 Meter tief waren, stammen aus dem Zeitraum 209 bis 229 nach Christus. Der Eimer selbst, der auf der Sohle gefunden wurden, ist rund 50 Zentimeter hoch und besteht aus einem runden Boden und zwölf Dauben aus Eichenholz, die von vier Eisenreifen und senkrechten Bandeisen zusammengehalten werden. Auch die Kastenbrunnen bestanden aus Eichenholzbohlen.

Ebenfalls aus der Römerzeit stammt der zweite herausragende Fund: Im Vorfeld des Tagebaus Garzweiler II wurden Brunnen innerhalb eines großen römischen Landgutes ausgegraben. "In einem der Brunnen fand sich eine größere Steinplatte, die wohl als Brandopferaltar im Rahmen blutiger Tieropfer Verwendung fand, bevor sie entweiht und schließlich im Brunnen entsorgt wurde", berichtet Alfred Schuler. Aus einem anderen Brunnen konnte eine Kornschwinge geborgen werden, die zweckentfremdet als Sieb im Brunnen herabrieselnden Sand auffangen sollte.

In diesem freigelegten Brunnen bei Borschemich entdeckten die Archäologen die Opferplatte. Foto: Alfred Schuler, LVR-Landesmuseum Bonn.

Auf der Altarplatte aus Nideggener Sandstein (Foto: Jürgen Vogel, LVR-Landesmuseum Bonn) wurden gezielt kleinere Feuer entzündet. "Derart schlichte und naturbelassene Altäre fanden insbesondere in Mysterienkulturen ländlicher Heiligtümer bei Opferhandlungen unter freiem Himmel Anwendung", erläutert Schuler. Der Stein war offenbar durch das Einbringen durch Beilhieben unbrauchbar gemacht und durch das Einbringen in einen nicht mehr genutzten Brunnen entweiht worden.

Aber nicht nur der Braunkohletagebau Garzweiler II gab einige geschichtliche Geheimnisse preis. Im Tagebau Hambach etwa wurden 50 Blätter und weitere Stücke eines sechs Millionen Jahre alten Gingko-Baumes entdeckt. Die Funde sind so gut erhalten, dass selbst die oberste, wachsähnliche Blattschicht noch sichtbar ist. Im Tagebau Inden legten Grabungsteams des LVR das mit 650 Gräbern bislang größte geschlossene eisenzeitliche Gräberfeld im Rheinland frei mit Urnen aus dem achten bis sechsten Jahrhundert vor Christus.

Professor Jürgen Kunow, Leiter des LVR-Amtes für Bodendenkmalpflege im Rheinland, freut sich über diese Funde, die das Wissen um das Vergangene erweiterten, und über die vielen technischen Möglichkeiten, den verschütteten Geheimnissen auf die Spur zu kommen. Doch auf einen "Kollegen" kann er auch bei modernster Technik nicht verzichten: "Einige Male half uns allerdings auch der Kollege Zufall."

(kule)