Brauwerk Aanders in Erkelenz-Granterath: Selbst gebrautes Bier von „El Capitano“

Brauwerk Aanders in Erkelenz-Granterath : Selbst gebrautes Bier von „El Capitano“

Etwas anders sollte sie schon sein, die kleine Brauerei, die Sebastian Anders in Granterath gegründet hat. Das fängt schon bei der Namensgebung an: Brauwerk Aanders nennt der 43-jährige Anders sein kleines Unternehmen, das er als Handwerksbetrieb verstehen will.

Bereits seit neun Jahren beschäftigt sich der Tischlermeister mit der Braukunst. Zunächst war das Bierbrauen für ihn ein Hobby als Ausgleich zum stressigen Beruf, der ihn damals aus der Nähe von Frankfurt nach Erkelenz führte. In Granterath erwarb er Im End einen ehemaligen Bauernhof, vornehmlich gedacht als Wohnsitz für die Familie.

Als Handwerker hat Anders das Anwesen ganz nach seinen Vorstellungen renoviert und erneuert und dabei den früheren Kuhstall als optimale Stätte für sein Hobby entdeckt. An die ehemalige Nutzung erinnert heutzutage nichts mehr. Gekachelte Böden, getünchte Wände, Holzverkleidungen und die Gerätschaften, die fürs Bierbrauen erforderlich sind, sind an die Stelle von Boxen und Melkeinrichtung getreten. Sauberkeit ist oberstes Gebot.

Das galt nicht nur für die hobbymäßige Ausübung der Braukunst, das gilt in besonderem Maße auch für das professionelle Herstellen von Bier. Vor gut einem Jahr hat Anders das Tischlerhandwerk quasi zum Hobby und sein bisheriges Hobby zum Haupterwerb gemacht. „Ich musste mich entscheiden zwischen Tischlern oder Brauen.“

Den Berufswechsel hat Anders nicht bereut. Er genießt die neue Freiheit, die sich auch darin zeigt, dass er immer wieder neue Sorten ausprobiert. Drei obergärige Biere, ein helles, ein dunkles Bier und ein Pale Ale gehören zum dauerhaften Repertoire. Alle sind so genannte Craft-Biere, wobei es Anders lieber ist, man redet von handwerklich gebrautem Bier. „Mein Bier ist 100 Prozent handgemacht.“ Zum Jubiläum bietet Anders als Besonderheit ein spezielles, leichtes Bier an, das er mit Granterather Hopfen braut. Im Garten hinter der Braustube hat er Hopfen angepflanzt. Die Ernte vom letzten Jahr ist jetzt die Grundlage für das Granterather Geburtstagsbier. Üblicherweise erhält Anders seine Bioprodukte aus Süddeutschland.

Unter dem Markennamen „El Capitano“, seinem früheren Spitznamen, bietet Anders seine Biere an. „Die Nachfrage wächst von Woche zu Woche“, freut sich der Brauer, der momentan rund 1000 Liter Bier im Monat braut. Er könnte mehr herstellen, aber er lässt es geruhsam angehen. In einigen Gaststätten in Erkelenz, in einem Getränkemarkt und selbstverständlich im Brauwerk selbst ist das Bier erhältlich. Jetzt kommt noch eine Lebensmittelkette hinzu, die sein Bier als regionales Produkt anbieten möchte. Da wird Anders noch mehr Zeit in seiner Brauerei verbringen und noch weniger Zeit für das Tischlern haben.

Die Herstellung der auffälligen Bierkästen aus Holz hat er schon abgegeben. Die Flaschenträger werden in einer Behindertenwerkstatt hergestellt. Ansonsten ist reine Handarbeit gefragt, nicht nur beim Brauprozess, sondern auch bei der Reinigung und dem Abfüllen der 0,33-Liter-Flaschen aus Glas mit dem markanten Ploppverschluss. „Ich mag keine Kronenkorken. Das ‚Plopp‘ beim Öffnen der Flaschen gehört einfach dazu.“

In den Flaschen halte sich sein Bier ohne Kühlung mindestens drei Monate, meint Anders. Aber niemand, der sich das andere Bier aus dem Brauwerk Aanders gönnt, wird es so lange zu Hause stehen lassen. „Viele, die das Bier aus Granterath probiert haben, sind auf den Geschmack gekommen und wollen immer wieder neues.“

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