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Erkelenz: Borschemicher Fundstücke

Erkelenz : Borschemicher Fundstücke

Archäologen konnten in Borschemich (alt), bevor der Bagger des Tagebaus vorrückte, dem Boden die letzten Zeugnisse der Ortsgeschichte entnehmen. Beim Tag der Archäologie am 24. Juni werden einige Fundstücke erstmals ausgestellt.

/ Titz In den vergangenen zwölf Monaten haben Archäologen viel Zeit in Borschemich verbracht und viel über Haus Paland und eine römische Villa erfahren, die 2013/2014 am Ortsrand entdeckt worden war. Inzwischen sind beide Fundstellen im Tagebau Garzweiler verschwunden. Ein Schaufelradbagger von RWE Power steht bereits dort, wo bis Dezember 2015 das Rittergut und bis Februar 2016 die benachbarte Kirche gestanden hatten. Archäologen konnten, bevor der Bagger vorrückte, die letzten Zeugnisse der Ortsgeschichte dem Boden entnehmen. Beim Tag der Archäologie am Samstag, 24. Juni, stellen sie einige davon erstmals in Titz aus.

Bereits in der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts hatte es einen Urbau von Haus Paland gegeben. Das steht jetzt fest. "Ofenkacheln und Keramik, die wir unter Haus Paland finden konnten, belegen uns diesen frühen Holzbau", erklärt Dr. Alfred Schuler vom LVR-Amt für Bodendenkmalpflege im Rheinland, der für die Außenstelle in Titz tätig ist. Belegen könne die neue Forschung außerdem, dass das später steinerne Haus Paland durch zwei Gräben gesichert war, von denen einer ständig Wasser führte: "Im Erdreich haben wir zudem Fundamente eines Torhauses sowie einer Vorburg entdeckt, die wiederum vom Hauptgebäude mit einem Wassergraben getrennt war. Beide waren mit einer Brücke aus Eichenholz verbunden. Was wir von dieser bergen konnten, belegt uns, dass sie aus den 1330er Jahren stammt."

In der zweiten Hälfte des 14. Jahrhunderts bestand Haus Paland aus einem Wohnturm, der "zu den frühesten Steinbauten im Rheinland" gehörte, was Alfred Schuler als Beleg eines Adelsbesitzes wertet: "Profanbauten wurden seinerzeit nicht aus Ziegeln gebaut." Einige von denen werden am Samstag in Titz zu sehen sein.

Neu ist die Erkenntnis der Archäologen, dass Haus Paland 1586 im Truchsessischen Krieg zweimal angegriffen wurde. Während ein Angriff urkundlich belegt ist, gehen Alfred Schuler und seine Kollegen nunmehr von zwei Kampfhandlungen in Borschemich aus. Eine am 12. April und eine im Juni 1586, einmal durch die Spanier und einmal durch Kölner Truppen: "Davon haben wir in Schuttschichten unter dem späteren Rittergut eindrückliche Funde entdeckt. Dazu gehören drei Siegburger Schellen aus den Jahren 1573 und 1575, was mit flachen Reliefs kunstvoll verzierte große Trinkgefäße sind. Auch einen Krug von 1583 haben wir gefunden. Ein ganz besonderes Stück ist aber eine Silberdose, auf welcher der Name derer von Paland, deren Wappen und deren Wahlspruch sowie die Jahreszahl 1573 gut zu erkennen sind - das ist ganz klar aus dem persönlichen Besitz eines von Paland und ist bei einem der Überfälle verloren und im Schutt verschollen gegangen." Gefunden haben die Archäologen in einem zugeschütteten Gang zwischen zwei Gebäudeteilen, der bei den Überfällen zerstört wurde, ferner eine Schiefertafel mit fünf eingeritzten Pentagrammen. Schuler: "Möglicherweise hat jemand diese Zeichen aus der Volkssymbolik in den Stein geritzt, um während der Kämpfe Hilfe zu erflehen." Als Beweis dieser Überfälle entdeckten die Archäologen zudem zwei Kanonenkugeln, die ebenfalls in Titz zu sehen sein werden.

Als eine "der" Sensationen der vergangenen Wochen bezeichnet Grabungstechniker Josef Franzen, was kürzlich auf dem Areal der einstigen römischen Villa bei Borschemich zutage gefördert wurde: "Wir haben dort zehn Brunnen erforscht und sind derzeit beim elften und letzten. Dabei haben wir ein 60-Liter-Brunnenfass mit zwölf bis 15 Kilogramm Eigengewicht entdeckt, das über eine Kippvorrichtung verfügt. Mit diesen Ausmaßen konnten wir bislang noch keines freilegen. Damit konnte Wasser industriell befördert werden. Benötigt wurde es für das Haupthaus, die Badeanlagen und Viehtränken." Immer klarer zeichne sich dadurch ab, wie groß und bedeutend das Villenareal gewesen sein muss. "Es war sieben bis neun Hektar groß, eine Riesenanlage", sagt Franzen, möchte jedoch nicht von einer Kleinstadt sprechen. Auch das Brunnenfass ist am Samstag zu besichtigen.

(spe)