Bildband zum Tagebau Garzweiler Fotograf hält Faszination der Zerstörung fest

Erkelenz · Der Tagebau Garzweiler fasziniert Arne Müseler. 15 Jahre lang hat der Fotograf die Geschehnisse am Rand der Grube fotografisch und in Texten festgehalten.

 Arne Müseler zeigt Ute Meiborg die Seiten mit dem Luftbild des Roitzerhofes und ihrem Interview.

Arne Müseler zeigt Ute Meiborg die Seiten mit dem Luftbild des Roitzerhofes und ihrem Interview.

Foto: Ruth Klapproth

Als Arne Müseler 2006 mit seinem kleinen Bruder den Tagebau Garzweiler besuchte, war er von dem riesigen Loch in der Landschaft beeindruckt. Eher durch Zufall gelangten sie über die für den Abriss vorgesehene Autobahn in den fast völlig verlassenen Ort Otzenrath. Die Mondlandschaft des Tagebaus in unmittelbarer Nähe zu den verlassenen Gebäuden, den zugemauerten Türen und Fenstern, der leeren Autobahn – all das hat ihn so tief berührt, dass er noch einmal mit einer Kamera wiederkommen musste.

Zu dieser Zeit war der heute 40-Jährige noch kein Fotograf. Mit einer kleinen Kompaktkamera ging er dem Drang nach, das alles festzuhalten. Nach einiger Zeit hat sich die Arbeit vom reinen Fotografieren der leeren Gebäude zu einem umfassenderen Ansatz gewandelt. Er wollte herausfinden, was mit der Gegend geschieht, wie sich die Orte verändern und was es mit den Menschen in den Dörfern macht. Also ging er zunächst in die umliegenden Orte, die ebenfalls schon überwiegend verlassen waren, und dann in die Orte, die noch bewohnt, aber für eine Umsiedlung vorgesehen waren.

In den 15 Jahren hat Arne Müseler viele Gespräche geführt, Menschen interviewt, Bilder geschossen und filmisch begleitet. Er war bei vielen Gelegenheiten dabei – wie zum Beispiel der letzten Hochzeit in der Immerather Kirche und ihrem späteren Abriss, wie auch dem letzten Schützenfest von Keyenberg. Und das trotz seines Umzuges nach Salzburg vor zehn Jahren.

Seine Sammlung wuchs mit jedem Jahr, sodass er auf seiner Homepage garzweiler.com die Ereignisse in Wort und multimedialen Bildern veröffentlicht. Arne Müsele will sich auf keine Seite stellen, sondern damit anschaulich zeigen, was der Braunkohletagebau ist, Umsiedlung bedeutet und was es mit den Menschen, die dort leben, macht.

Jetzt hat er alles für einen Bildband aufgearbeitet, der auf über 400 großformatigen Seiten – neben beeindruckenden Bildern – viele weitere Hintergründe schildert. Einige Gebäude hat er besonders hervorgehoben: den Immerather Dom, die Kirche von Keyenberg, die Mühle von Immerath. Ebenso die drei Höfe um Holzweiler, deren Zukunft noch völlig offen und ungeklärt ist: Weyerhof, Roitzerhof und Eggerather Hof.

Mit Ute Meiborg, die heute auf dem Roitzerhof im ehemaligen Herrenhaus des Rittergutes aus dem 17. Jahrhundert ein Seminar- und Tagungshaus betreibt, fand jetzt die Buchvorstellung statt. An den Wänden der Räumlichkeiten waren viele Bilder ausgestellt, und auf einem großen Monitor liefen Filmsequenzen rund um den Abriss des Immerather Doms.

Einige Gäste hatten das Buch druckfrisch zugeschickt bekommen. So auch Bürgermeister Stephan Muckel, der die Arbeit des Wahlsalzburgers faszinierend und traurig zugleich nannte. Zu der Frage, was denn mit den Höfen geschehen wird, sagte er, dass um jeden Quadratmeter gekämpft werde. Jeder erhaltene Quadratmeter sei ein guter für den Erhalt von Flächen und wertvollem Boden.

Arne Müseler hat mit dem Buch das Kapitel Garzweiler abgeschlossen, obwohl er noch Themen sieht, die zum Dokumentieren einladen. Zum Beispiel, was macht man mit den fünf doppelten Dörfern, den alten und den neuen? Ob es ihn noch einmal packt, kann er heute noch nicht sagen.

Das Buch kann über die Homepage des Fotografen unter garzweiler.com vorbestellt werden. Preis: 59 Euro, inklusive Versandkosten.

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