Erkelenz: Bevor der Maibaum vom Markt umzog

Erkelenz : Bevor der Maibaum vom Markt umzog

In den 1970ern probte die Marktgemeinschaft noch Mailieder ein. Stimmung kam auch aus der Quetschbüll. Heute sind Erkelenzer Funkengardisten die Gastgeber. Und der Maibaum wird auf dem Franziskanerplatz aufgerichtet.

Die Lippen auf Summton zusammengepresst, gibt Siegfried Ruffert den Ton vor, hält als Freizeitdirigent den zum Taktstock geadelten Bleistift in der rechten Hand, in der linken die Liedtextliste. Schon wird das wohl bekannteste Mailied eingeübt. Es ist der vom Spätromantiker Emanuel Geibel 1841 in Lübeck zu Papier gebrachte Text "Der Mai ist gekommen, die Bäume schlagen aus...", dem im Jahr darauf Komponist Justus Wilhelm Lyra die volksliedhafte Melodie gab.

Siegfried Ruffert (1926-2004), bekannt auch als Mitglied des Kreistages und des Erkelenzer Stadtrates, hatte sich in den 1970er Jahren mit Freunden der Erkelenzer Marktgemeinschaft im Versammlungssälchen in der ersten Etage der Gaststätte "Zum Alten Rathaus" getroffen, um einen 30. April vorzubereiten, an dem traditionell in der Erkelenzer Mitte ein bunt geschmückter Maibaum aufgestellt wurde, unter diesem in den Wonnemonat hineingefeiert, getanzt und natürlich gesungen wurde. Der ursprüngliche Platz des City-Maibaums war vor Foto Schmitter, wo jetzt die Bronzeplastik "Tanzende Möhn" der Erkelenzer Bildhauerin Ursula Klügel steht und zur Vorweihnachtszeit ein geschmückter Weihnachtsbaum leuchtet. Initiatoren des Maifestes waren in der Anfangsphase neben Siegfried Ruffert auch Peter Maaßen (ehemals Drogerie Maaßen) und Laurenz Jansen (Leder Jansen).

Über die Jahre durchlebte das Maifest auf dem Markt Wellen von mehr oder weniger großer Begeisterung. Belebende Initiatoren waren Kurt Lemmen (Fisch Lemmen) und Dieter Dornbusch (Reinigung). Da hatte der Maibaum noch wechselnde Standorte - am von Peter Haak geschaffenen Marktbrunnen oder vor dem Traditionslokal "Zum Alten Rathaus". In dieser Zeit sorgte das Wirtsehepaar Anne und Hans Wagner für Stimmung - da ging richtig die Post ab. Die bei Blumen Schley vorgefertigten bunten Krepppapierröschen für den gekränzten Mai, in der Kneipe von fleißige Frauenhänden fertiggedreht, verschönten den Maibaum, der von Manneskraft mit viel Geschick aufgestellt wurde. Für gemütliche Stimmung sorgten oft der Städtische Gesangverein sowie humorvolle Vorträge von Vermessungsingenieur Erich Maraite, der als kölsche Jong auf seiner Quetschbüll (Schifferklavier) für unvergessene Momente unter dem wohl acht Meter hohen Maibaum sorgte.

Als wieder einmal die Tradition in der City einzuschlafen drohte, da war es die Traditionelle Funkengarde der Erkelenzer Karnevalsgesellschaft von 1832, die groß einstieg: 1988 wuchs der Maibaum auf eine Länge zwischen 22 und 26 Metern. Er wird seitdem auf dem Franziskanerplatz vor der Stadthalle mit großem technischem Aufwand (Kranwagen) ab 17 Uhr unter musikalischer Begleitung des 1. Reitercorps Gerichhausen aufgestellt, "zu Ehren der Bürger unserer Stadt", sagt Marcel Pangels. Der oberste Funkengardist hat für den Vorabend zum Mai nur zwei Wünsche - "dass unser 31. Maibaumsetzen heute bei gutem Wetter und ebenso guter Stimmung abläuft". Die Gastgeber sind auf viel Besuch eingestellt, bieten neben gepflegten Getränken Leckereien vom Schwenkgrill und ein Bühnenprogramm der Band "The Classy Club".

(hg)
Mehr von RP ONLINE