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Erkelenz: Beeindruckendes Zeugnis

Erkelenz : Beeindruckendes Zeugnis

Wie es ist, wenn man vom Alkohol nicht mehr loskommt, erzählten Vertreter der Anonymen Alkoholiker beim Besuch im Cusanus-Gymnasium. Die Achtklässler hatten waren betroffen – und hatten viele Fragen.

„Ich bestand nur aus Terror und Gewalt.“ Jens ist 48 Jahre alt und war Trinker. Vor 28 Jahren erlebte er den negativen Höhepunkt, lebte auf der Straße und war völlig am Ende. Damals erkannte er endlich, dass er Hilfe braucht. Diese Hilfe bekam er – seit diesem Zeitpunkt ist Jens „trocken“.

Er erzählt Achtklässlern des Cusanus-Gymnasiums seine bewegende Geschichte. Zusammen mit ihrer Lehrerin Alexandra Hermann, die auch die Suchtbeauftragte der Schule ist, haben die Schüler zwei Vertreter der Anonymen Alkoholiker (AA) des Kreises Heinsberg eingeladen, um über das brisante Thema zu diskutieren. Neben Jens ist auch Klaus dabei, beide sind für die Öffentlichkeitsarbeit zuständig, klären vor allem Schüler über die Krankheitsform Alkoholismus auf. Und die Schüler hören der Lebensgeschichte von Jens gespannt zu und sind betroffen, wie weit der Alkohol einen Menschen ins Verderben stürzen kann.

Mit 12 der erste Filmriss

Jens hat eine klassische „Karriere“ durchgemacht und wuchs in einer Familie auf, in der Alkohol und Gewalt an der Tagesordnung waren. Mit zwölf Jahren griff schließlich Jens zur Flasche: „Das war bei einem Fußballturnier. Eine Flasche Korn blinzelte mich an. Die Flasche war für mich, dachte ich.“ So ergab sich auch Jens’ erster Filmriss. Schritt für Schritt rutschte er weiter nach unten ab: Keinen Halt in der Familie, die Schule konnte er nur noch mit Alkohol ertragen, und auch im beruflichen Leben lief es nicht rund. Erst als er restlos am Boden lag, fühlte er sich in der Therapie „zum ersten Mal richtig zu Hause“. Er rappelte sich auf und brachte es sogar bis zum Abteilungsleiter.

Dass ihm viele Jahre später eine einfache Erkrankung wie eine Grippe die Sehfähigkeit so gut wie komplett nahm, brachte ihn nicht mehr ins Wanken: „Heute brauche ich den Alkohol nicht mehr.“ Die ständigen Gruppentreffen haben ihn stark gemacht.

Auch die Schüler verloren langsam ihre Zurückhaltung und fingen an, Fragen zu stellen. Besteht der Kontakt zur Familie noch, wie laufen die Gruppentreffen ab, gibt es einen Ersatz für Alkohol – die Schüler sind wissbegierig und lernen, dass es sich nicht lohnt, zur Flasche zu greifen; Klaus und Jens sagen dazu übereinstimmend: „Auch mit Alkohol schwimmen die Probleme stets oben.“

(RP)