Erkelenz/Hückelhoven: Bedürftigkeit verändert sich

Erkelenz/Hückelhoven: Bedürftigkeit verändert sich

Ungebrochen hoch ist die Nachfrage nach den Paketen, die bedürftigen Menschen an Weihnachten helfen sollen. Verstärkt in den Mittelpunkt gerückt sind alleinerziehende Mütter, sagen die Tafeln in Erkelenz und Hückelhoven.

Inmitten vieler, vieler weihnachtlicher verpackter Päckchen steht Manfred Fröhlich, Vorsitzender der Erkelenzer Tafel, in einem Lagerraum und koordiniert mit seinen Mitarbeitern die Ausgabe eben dieser großen und kleinen Pakete.

Jedes Jahr wiederholt sich dieses Bild nicht nur bei der Erkelenzer Tafel. "Wir sind sehr froh, an Weihnachten die Pakete, die ja allesamt gespendet werden, an unsere Kunden ausgeben zu können", sagt Fröhlich. "Unser Dank richtet sich an die Spender, die das Ergebnis mal wieder getoppt haben", freut er sich, denn er weiß seit vielen Jahren, wie wichtig gerade an Weihnachten die Lebensmittelspenden sind. Vor allem auch deswegen, weil er und sein mehr als 30-köpfiges ehrenamtliches Team in den vergangenen drei Monaten wieder sehr viele sogenannte Neuaufnahmen verzeichnet haben. Fröhlich: "Dabei geht es nicht mehr um einen großen Anteil an Flüchtlingen, denn deren Zahl stagniert. Wir bekommen es wieder mit vielen älteren Menschen zu tun und auch mit alleinerziehenden Müttern, die wegen der Betreuung ihrer Kinder keine Arbeit finden. Sie werden vom Jobcenter zu uns geschickt."

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In letzter Zeit, so hat es Manfred Fröhlich beobachtet, habe sein Team viel Fingerspitzengefühl und eine gute Beobachtungsgabe beweisen müssen. Denn: "Die älteren Menschen, deren Rente kaum reicht, muss man schon konkret ansprechen, dass sie zu uns kommen können und sollen." Auch einen veränderten Bedarf haben die Tafel-Mitarbeiter festgestellt. "Es geht dabei um Dinge wie Schulsachen. Zum Beispiel Hefte - eben das, was Kinder im Unterricht brauchen."

Ähnlich schildert Heinz-Josef Schmitz, der Vorsitzende der Hückelhovener Tafel, die Situation - mit einem Unterschied, der sogar erfreulich ist. "Unsere Kundenzahl ist rückläufig, das ist ein sehr positiver Umstand. Nur: Wir wissen natürlich nicht, wie das in etwa zwei, drei Monaten aussieht." Schmitz, der ehemalige Leiter des Hückelhovener Sozialamtes, blickt noch aus seiner beruflichen Laufbahn auf den Alltag der Tafel. "Mit der großen Flüchtlingswelle haben wir derzeit nicht mehr zu kämpfen, darum werben wir darum, dass bedürftige Menschen wie Grundsicherungsempfänger oder Hartz-IV-Empfänger zu uns kommen", sagt Schmitz. Ebenso wie Manfred Fröhlich in Erkelenz bestätigt er eine großartige Spendenbereitschaft und die massiven Probleme, mit denen alleinerziehende Mütter zurechtkommen müssen. Schmitz: "Das ist ein gesellschaftliches Problem. Die Mütter wollen Arbeit finden, sind aber durch die Kinderbetreuungssituation einfach gebeutelt."

(RP)