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Ausstellungen zur Geschichte von St. Valentin in Venrath eröffnet

Kirche feiert Jubiläum : Venrath feiert Kirche und Gemeinschaft

Viel Mühe hatte sich der Ortsausschuss gemacht, um den 150. Geburtstag von St. Valentin zu feiern. Und die Mühe hat sich gelohnt.

Nach dem ausverkauften Nostalgie-Kino war auch der Festabend in der Venrather Pfarrkirche gut besucht, bei dem Professor Heinz Dohmen, Kirchenbauexperte aus dem Bistum Essen, über den Bau von Kirchen vor 150 Jahren referierte und bei dem zwei Ausstellungen unter dem Titel „Wir lassen die Kirche im Dorf“ eröffnet wurden.

Der von Friederike Grates und Annelie Hermes federführend zusammengestellte Überblick über das kirchliche Leben in Venrath hatte, wie Pfarrer Werner Rombach in seiner Begrüßung sagte, die Menschen in den Mittelpunkt gestellt, während in der Ausstellung zur Baugeschichte der Kirche die Steine das Thema waren. „Es sind Bildergeschichten aus dem Gemeindeleben“, erläuterte Grates, „Ereignisse, die in einem losen Zusammenhang stehen.“ Oft werde die Ausstellung wohl wie ein Bilderrätsel sein, meinte sie schmunzelnd, wenn sich der Betrachter frage, wer das wohl sei, der da auf den historischen Bildern zu sehen ist.

Ein Rätsel ganz anderer Art hat Rainer Merkens gelöst, der sich auf die Spuren der Baugeschichte von St. Valentin begab: „Wir werden die Chronik von 1968 nicht gerade umschreiben müssen, aber wir werden sie in vielen Dingen ergänzen und korrigieren können.“ Mit Hubert Rütten hatte er im Landesarchiv in Duisburg geforscht und danach in einem Museum in Wien recherchiert, in dem die Dokumente zum Baumeister Friedrich Schmitz gelagert sind. „Allein in Duisburg liegen 700 Seiten, die sich mit dem Bau von St. Valentin vor rund 150 Jahren befassen.“ In Duisburg und in Wien fand Merkens Unterlagen, aus denen hervorgeht, dass der Bauplatz und die Baupläne mehrfach geändert wurden. „Der erste Entwurf von 1857 existiert nur noch im Wien-Museum“, erklärte Merkens, der eine Kopie dieses Entwurfes ebenso wie die anderer Zeichnungen in der Ausstellung zeigt. „Ursprünglich war vorgesehen, den Turm am anderen Ende der Kirche zu bauen, sie selbst wurde um ein Joch gekürzt.“ Auch sollte die Kirche zunächst an anderer Stelle erbaut werden. „Doch haben Erben erfolgreich gegen die Schenkung ihres Erblassers, der der Kirchengemeinde ein Grundstück an der jetzigen Neustraße überlassen wollte, geklagt, so dass man ein anderes Grundstück suchen musste“, sagte Merkens. Am 23. Juli 1866 konnte das jetzige Grundstück dann aus einer Erbmasse gekauft werden.

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Noch bevor am 28. Oktober 1866 das preußische Kultusministerium die Baugenehmigung aussprach, hatten am 18. des Monats die Bauarbeiten begonnen. „Da hat die rheinländische Mentalität der preußischen Ordnungsliebe ein Schnippchen geschlagen“, meinte Merkens. Klären konnte Merkens auch die Umstände einer Hauskollekte zum Bau der Kirche, von der bisher nur das Ergebnis gekannte war: „1862 und 1963 sind Gläubige aus Venrath nach Köln, Düsseldorf, Aachen und sogar in die Eifel gefahren, um dort an Haustüren für den Neubau zu sammeln.“

Die Diskrepanz zwischen der preußischen Regierung und der rheinländischen Denkart machte auch Heinz Dohmen in seinem Referat deutlich. Während überall in Preußen eher der klassizistische Baustil in der nach-napoleonischen Zeit herrschte, bestimmten im Rheinland die Neugotik und Neuromanik den Kirchenbau. „Der Kölner Dom war für das Rheinland das Maß aller Dinge“, sagte Dohmen. Das galt auch für den Kirchenbau von St. Valentin, zumal Baumeister Schmitz beim Weiterbau in Köln nicht unbeteiligt war.