Ausstellung in Haus Spiess Werner Pillig malt mit der Kamera

Erkelenz · Noch an den kommenden drei Wochenenden ist die Fotoausstellung „What is real?“ im Erkelenzer Haus Spiess zu sehen. Die Vernissage lockte bereits zahlreiche Besucher an.

 Werner Pillig bei der Vernissage seiner Fotoausstellung" What is real?" in Haus Spiess.

Werner Pillig bei der Vernissage seiner Fotoausstellung" What is real?" in Haus Spiess.

Foto: Renate Resch

An den kommenden drei Wochenenden ist Haus Spiess Schauplatz der Ausstellung „What is real?“ des Düsseldorfer Fotokünstlers Werner Pillig. Schon die Vernissage lockte viele Kunstinteressierte nach Erkelenz – und enthüllte so einige ungeahnte Seiten des Denkmals.

Funkelnde Kronleuchter, Biedermeier-Möbel und sanfte Klaviermusik – wer hätte gedacht, dass das Erkelenzer Haus Spiess solche „Bridgerton“-Vibes versprüht?

Diese Gemeinsamkeiten mit der Netflix-Erfolgsserie hat sich der Künstler durchaus zu Nutzen gemacht. Die Seiten des Klaviers im Trauzimmer hat der Pianist mit einem Brautschleier verhüllt, damit seine Melodie der eleganten, diffusen Stimmung des Hauses entspricht. Allerdings nicht für eine Hochzeit, wie die romantischen Umschreibungen vermuten lassen. „What is real?“ heißt Werner Pilligs Ausstellung, die er selbst als „Malerei mit der Kamera“ beschreibt. Im interessanten Kontrast zum 1806 erbauten Denkmal selbst, schmücken moderne Werke, die teils pink oder metallisch schimmern, die Wände. Sascha Dücker, der Kulturmanager der Stadt Erkelenz, betont, dass den Künstlern, die hier ausstellen, große künstlerische Freiheit gelassen wird. Wer im Gespräch mit seinem Konzept überzeugt, darf im Haus Spiess ausstellen – so lange sich in seinen Werken eine gewisse Kunstfertigkeit zeigt. Eine Grenze gibt es aber: Im Trauzimmer dürfen keine sexuell anmutenden Werke ausgestellt werden, schließlich wird hier der Bund der Ehe geschlossen.

Werner Pillig selbst findet großen Gefallen an seiner Ausstellung am Standort Erkelenz – als jemand, der an der Kunstakademie Düsseldorf studiert hat, mehrere Reisen nach New York unternahm und unter Nam June Paik gelernt hat.

Ursprünglich hat er Bildhauerei und Malerei bei Karl Bobek studiert. Als sein Professor ihm aber sagte, dass die Dokumentationen seiner Bildhauerei viel spannender seien als seine Bildhauerei selbst, entschied er sich, einen anderen Weg einzuschlagen. So widmete er sich bereits zu Beginn der 80er Jahre der Fotografie. Dass diese als Kunst verkauft wird, begann hingegen erst Mitte der 90er. Der Künstler sieht das positiv, damals war sein Metier deutlich weniger kommerziell als heute, wo Kunststudenten schon ab dem zweiten Semester einen Galeristen finden wollen.

Bildhauerei hat er seit der Kritik Bobeks übrigens nicht mehr wirklich betrieben, die Kritik sitze „zu tief“. Seine Bilder, die Namen wie „Metamorphosis“, „Dead Sunflowers“ oder „Planets“ tragen, finden dafür großen Anklang – im Haus Spiess gefallen sie nicht nur den kunst- und kulturbegeisterten Besuchern aus der Region, sondern auch denen, die aus Düsseldorf angereist sind. Erkelenz ist eben „Provinz, aber nicht provinziell“, wie Sascha Dücker treffend beschreibt.

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