Ausbildung zum Gemeindereferenten in der Pfarrei Christkönig Erkelenz Wenn der Beruf auch Berufung ist

Erkelenz · Zum ersten Mal betreut Ulla Rothkranz in der Pfarre Christkönig einen Gemeindeassistenten. Daniel Scherer wird in Erkelenz zum Gemeindereferenten ausgebildet. Der 32-Jährige geht davon aus, dass die Arbeit eines Gemeindereferenten in Zukunft nicht weniger werden wird.

 Gemeindereferentin Ursula Rothkranz bespricht mit Gemeindeassistent Daniel Scherer über Termine und Inhalte, zum Beispiel von Beerdigungen und Trauerreden. Das Foto entstand noch vor der Corona-Kontaktsperre.

Gemeindereferentin Ursula Rothkranz bespricht mit Gemeindeassistent Daniel Scherer über Termine und Inhalte, zum Beispiel von Beerdigungen und Trauerreden. Das Foto entstand noch vor der Corona-Kontaktsperre.

Foto: Ruth Klapproth

Daniel Scherer hat lange nach dem Beruf gesucht, der mehr ist als ein Broterwerb, sondern einen, der auch eine Berufung darstellt. Diese Erfüllung hat er jetzt gefunden: In der Pfarre Christkönig wird er nach seiner Qualifikation zum Gemeindeassistenten in einer dreijährigen Assistenzzeit zum Gemeindereferenten ausgebildet.

Der 32-Jährige, der in Erkelenz geboren wurde und in Rheindalen das Abitur bestand, hat zunächst in Geisenheim Gartenbau und Landschaftspflege studiert. Darauf folgte ein Lehramtsstudium für Agrarwirtschaft und katholische Theologie in Darmstadt. „Das war damals ein Politprojekt des Landes Hessens“, erinnert er sich. Jetzt machte Scherer, der sich gerne als „doppelten Exoten“ bezeichnet, seine dritte ungewöhnliche Ausbildung, bei der ihm sein Studium in Darmstadt zugutekam. „Mein Theologiestudium wurde vom Bistum Aachen anerkannt, so brauchte ich nur noch zwei Semester an der katholischen Fachhochschule in Paderborn zu studieren, um Gemeindeassistent zu werden.“

Nicht zuletzt sein Engagement in der Gemeindearbeit im damaligen Wohnort Hambach hat Scherer geprägt. „Bevor ich in Hambach in der Pfarrgemeinde mitgearbeitet habe, hatte ich gar nicht gewusst, wie vielfältig das Gemeindeleben in einer Pfarre sein kann.“ Der Pfarrer habe ihn geprägt und seinen Blick auf das Leben geschärft. Mit der Hinwendung zu den Menschen sei die Motivation gewachsen, für sie da zu sein. Wie gerufen kam für ihn die Anfrage des Bistums Aachen, ob er eine Dienststelle in der Pfarre Christkönig antreten wolle, um seine praktische Ausbildung zu absolvieren. „Erkelenz ist so etwas wie Heimat für mich“, sagte Scherer, der von seinem jetzigen Wohnort Rheindalen gerne hierhin ziehen will, zumal seine Ehefrau als Grundschullehrerin an der Luise-Hensel-Schule unterrichtet. Insgeheim hofft er schon, nach seiner Abschlussprüfung in eineinhalb Jahren eine Stelle als Gemeindereferent in Erkelenz oder in der näheren Umgebung antreten zu können.

„Daniel ist bestens geeignet für diesen Beruf“, bestätigt Ulla Rothkranz, ihrerseits Gemeindereferentin in der Pfarre Christkönig. Der Vater zweier Kinder stehe mitten im Leben und habe schon sehr viel Erfahrung mit Menschen gesammelt. Ulla Rothkranz ist Anleiterin von Scherer und in dieser Funktion für die praktische Ausbildung ihres Schützlings zuständig. Auch sie betritt damit Neuland. „Ich habe schon viele Praktikanten betreut, aber als Mentorin für einen Gemeindeassistenten bin ich noch nicht tätig gewesen.“ Scherer ist für sie, aber auch für die Pfarre Christkönig, der erste Assistent, der auf dem Weg zum Gemeindereferenten verantwortlich betreut wird. „Daniel wird seinen Weg gehen“, da ist sich die erfahrene Gemeindereferentin sicher.

Aber nicht nur sie kümmert sich um Scherer. Ihre Kollegen, die in verschiedenen Bereichen arbeiten, nehmen ihn mit und lassen ihn nicht nur über die Schulter schauen, wenn sie als Seelsorger, bei Beisetzungen oder etwa bei Wortgottesdiensten im Einsatz sind. Scherer hat selbst schon Kleinkindergottesdienste oder Schulgottesdienste gestaltet. Die Vielfältigkeit seines Berufs lässt keine Routine aufkommen. Er glaubt, dass die Arbeit eines Gemeindereferenten nicht weniger werden wird. In Anbetracht des Priestermangels wird die Bedeutung der hauptamtlichen Laien innerhalb der katholischen Kirche zunehmen. „Leider werden auch die hauptamtlichen Laien immer weniger“, erklärt Scherer mit Bedauern.

Er könne sich gut vorstellen, in der Pfarre Christkönig in Erkelenz zu arbeiten. Es gebe dort, in einer der größten Pfarreien im Bistum Aachen, genug zu tun – und auch Ulla Rothkranz würde sich über den neuen Kollegen Daniel Scherer sehr freuen. Als einen mit beiden Füßen mitten im Leben stehenden Laien in der Kirche, für den der Beruf auch eine Berufung ist.

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