Armin Laschet: NRW-Ministerpräsident trifft Braunkohlegegner in Erkelenz

Dörfer sollen Garzweiler II weichen: Laschet trifft Braunkohlegegner in Erkelenz

Die Dörfer Kuckum und Keyenberg sollen dem Braunkohle-Tagebau weichen. NRW-Ministerpräsident Laschet spricht mit Betroffenen vor Ort - und macht deutlich, dass die Landesregierung deutlich vor 2045 aus der Braunkohle aussteigen will.

Die große Wiese hinter der römisch-katholischen Heilig-Kreuz-Kirche in Erkelenz-Keyenberg ist trotz Regens am Samstagmittag gut gefüllt. Rund 500 Braunkohlegegner sind gekommen, um Ministerpräsident Armin Laschet (CDU) zu sehen und zu hören, was er zu sagen hat. „Herr Laschet, wären Ihre Enkel stolz auf ihre Klimapolitik“, steht auf einem der Plakate, die neben den vielen aufgespannten Regenschirmen von den Menschen hochgehalten werden. Feindselig ist die Stimmung aber nicht. Die Menschen erhoffen sich Klarheit vom Landesoberhaupt. Sie wollen wissen, wann genau endlich aus der Kohle ausgestiegen wird. Und ob sie ihre Heimat doch noch behalten können.

Laschet ist gekommen, um sich in den Erkelenzer Ortsteilen Kuckum und Keyenberg ein Bild von der Situation in den Umsiedlungsgebieten zu machen. Und mit den Menschen zu sprechen. Laschet ist damit der erste Ministerpräsident von Nordrhein-Westfalen, der das direkte Gespräch mit den von Umsiedlungen betroffenen Bürgern im Braunkohlegebiet sucht. Das habe ihn selbst überrascht. „Johannes Rau hat den Menschen mal gesagt: ,Ich komme mal‘. Aber danach war irgendwie nie jemand hier“, sagt der Unionspolitiker. Deshalb sei er gerne der Einladung von Hans Josef Dederichs gefolgt, einem Erkelenzer Ratsherren (Grüne), der sich eine würdevolle Umsiedlung der Bewohner wünscht. „Wir müssen hier erleben, dass Menschen wegen Kinkerlitzchen zerbrechen. Wir müssen sinnlose Vertreibungen auch am Tagebaurand verhindern“, sagt Dederichs.

Keyenberg soll in den nächsten Jahren dem Tagebau Garzweiler weichen, die rund 740 Bewohner müssen deshalb umgesiedelt werden. Ein Schicksal, das schon viele Dörfer in dieser Region getroffen hat. Und noch treffen wird. Der Ministerpräsident ist aber nicht nach Keyenberg gekommen, um den Menschen zu sagen, was sie hören wollen. Laschet sagt, was Sache ist. Er will nichts versprechen, was er später nicht halten kann. Und spekulieren schon gar nicht. Das würde nur Illusionen hervorrufen.

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„Menschen haben hier schon emotional schreckliche Schicksale erlitten. Heimat verlieren, den Friedhof verlieren, die Kirche verlieren. Das wird hier alles nicht mehr da sein, wenn umgesiedelt wird“, stellt Laschet klar. Die Vorgängerregierungen hätten diese Entscheidungen sicher nicht leichtfertig getroffen. Das sei Abwägungssache gewesen: „Wie kann man die Energieversorgung des Landes sichern und was muss man dafür opfern? Das ist die Geschichte der Braunkohle. Und diese Geschichte geht zu Ende“, sagt Laschet. „Die jetzige Rechtslage sieht 2045 als Endpunkt vor. Es geht aber schneller. Und ich will, dass es schneller geht. Das ist unstrittig“, erklärt der Ministerpräsident. Die offenen und deutliche Worte kommen an. Die Menge auf der Wiese hinter der Kirche buht ihn nicht aus, sondern klatscht gelegentlich sogar zustimmend Beifall.

Laschet warnt bei seinem Besuch aber auch noch einmal davor, dass beim geplanten Ausstieg aus der Braunkohle die Wettbewerbsfähigkeit des Industriestandortes erhalten bleiben müsse. Ziel müsse es sein, Industrie-Arbeitsplätze zu erhalten und trotzdem das Klimaziel zu erreichen. Die energie-intensiven Industrien in NRW beschäftigten nach früheren Angaben des Ministerpräsidenten mehr als 250.000 Menschen.

In Kuckum spricht Laschet mit 60 betroffenen Anwohnern im örtlichen Pfarrhaus. Das Dorf am Rande von Erkelenz ist in sich tief zerrissen. Der jahrelange Kampf gegen den Tagebau und den Verlust ihrer Heimat hat viele Dorfbewohner zermürbt. Etwa ein Drittel der Bevölkerung ist schon weggezogen. „Die Menschen flüchten“, sagt Ursula Settels, die seit 51 Jahren einen Friseursalon in Kuckum betreibt. Die 75-Jährige will so lange wie möglich bleiben. „Gerade für uns ältere Menschen ist die Situation besonders schlimm. Wir verlieren doch alles“, sagt sie. „Aber wir Menschen zählen ja nicht.“ Von der Politik ist sie wie auch viele andere in Kuckum enttäuscht. Dass der Ministerpräsident gekommen ist, ist ihr egal. „Der hätte früher kommen müssen. Jetzt bringt das auch nichts mehr“, sagt sie.

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