Erkelenz: Amtsgericht-Areal: Planung schreitet fort

Erkelenz: Amtsgericht-Areal: Planung schreitet fort

Schon gegen Jahresende könnte der Verkaufsbeschluss für das 8000-Quadratmeter-Areal des alten Erkelenzer Amtsgerichts gefällt werden.

Stadt Erkelenz und Land Nordrhein-Westfalen, vertreten durch den Bau- und Liegenschaftsbetrieb, schlagen einen dreistufigen Bieterwettbewerb für das Areal des einstigen Amtsgerichts in Erkelenz vor. In der nächsten Woche werden sich die Ausschüsse des Stadtrates mit dem Thema befassen. Dazu gehört auch, dass sie die Eckpunkte der gewünschten städtebaulichen Nutzung beraten. Sollten die Beschlüsse kommen, wie sie die Stadtverwaltung der Politik vorschlägt, könnte der Wettbewerb im Frühjahr ausgeschrieben werden und über den Sommer laufen. Ansgar Lurweg, Technischer Beigeordnete der Stadt, hält es für möglich, dass der Verkaufsbeschluss gegen Jahresende gefällt werden könnte.

Zwei Drittel der rund 8000 Quadratmeter Grundstücksfläche gehören nicht der Stadt Erkelenz, sondern dem Land. Sie liegt zwischen Wilhelm- und Atelierstraße sowie Konrad-Adenauer-Platz, und auf ihr stehen noch drei leergezogene Gebäude, die früher vom Amtsgericht, Gesundheitsamt und von der Polizei genutzt wurden. "Wir sind dankbar, dass sich das Land so in das Finden einer Folgenutzung und in das Verfahren einbringt", betont Ansgar Lurweg, der zurzeit alle Ratsfraktionen besucht, um ihnen die Ideen der Umnutzung des Areals, den Bieterwettbewerb und die vorgeschlagenen Eckpunkte zur städtebaulichen Entwicklung vorzustellen. Er hofft, dass die Politik in Erkelenz das mit dem Bau- und Liegenschaftsbetrieb abgesprochene Vorgehen mitträgt und dem entsprechenden Vertrag mit dem Land am 16. Februar im Hauptausschuss zustimmt. Dies würde dem nächsten Schritt entsprechen, nachdem 2016 für das Areal bereits eine Potenzialanalyse und eine Machbarkeitsstudie gefertigt worden waren. Daran anschließen würde sich der dreistufige Bieterwettbewerb (Interessenbekundungsverfahren und städtebauliches Auswahlverfahren unter Beteiligung der Stadt und Bieterverfahren des Landes). "Geschaut wird zunächst, welche Investoren sich beteiligen wollen. Daraus wird eine Auswahl getroffen. Danach würden die Ausgesuchten um ein Nutzungskonzept und einen städtebaulichen Entwurf gebeten", erklärt Lurweg auf Anfrage unserer Redaktion. Für die Bewertung und Auswahl in den ersten zwei Verfahrensstufen solle eine Auswahlkommission aus Vertretern des Auslobers, Architekten, Stadtplanern sowie Mitgliedern des Stadtrats gebildet werden. "Sie geben für den dritten Schritt im Verfahren dann eine Empfehlung ab, wo letztendlich aber die Höhe des Kaufangebotes das Kriterium sein wird."

Bürger und Politiker dürfte an dem Bieterwettbewerb vor allem eines interessieren: Welche städtebaulichen Vorgaben sollen gemacht werden beziehungsweise was könnte ein Investor mit der Fläche im Herzen von Erkelenz machen? Zu erfahren ist dazu in dem Eckpunktepapier zur städtebaulichen Entwicklung, das der Politik zur Beratung vorliegt, dass eine "besondere Nutzungs- und Betreiberkonzeption" erwartet wird, "die zu einer Aufwertung der Innenstadt beiträgt", und dass "Einzelhandelsnutzungen im mittleren bis gehobenen Angebotsgenre bis zu einer Gesamtverkaufsfläche von 6000 Quadratmetern sowie Flächen für Anbieter aus dem Dienstleitungs- und Gesundheitssektor (auch in Erdgeschossen denkbar)" gewünscht werden. Definiert werden elf unterschiedliche Branchen, zu denen Nahrungs- und Genussmittel gehören, Bekleidung und Textilien, Sport und Freizeit sowie Elektronik. Allerdings soll das Gebiet nicht einseitig dem Handel gewidmet werden, stattdessen sollen in den Obergeschossen Dienstleistungs- und Wohnnutzungen dominieren. Anzustreben ist eine drei- bis maximal fünfgeschossige Bebauung: "Das Solitärgebäude des neuen Amtsgerichts soll künftig als einziger Hochpunkt das Entrée in die Innenstadt prägen."

Klarheit soll der Bieterwettbewerb darüber bringen, ob eine Neuanlage sinnvoller ist als die Sanierung der Bestandsbauten, so wie es derzeit vermutet wird. Bei einem Abriss der Altbauten wird erwartet, dass "eine Strukturierung des Areals in Teilbereiche mit unterschiedlichen Nutzungsschwerpunkten ein konfliktfreies Nebeneinander von Wohnen und Einzelhandel ermöglicht. Es besteht die Möglichkeit, den Einzelhandel verstärkt in Richtung Konrad-Adenauer-Platz und zu der Lauflage der Kölner Straße auszurichten oder auch mit neuen innerstädtischen Wohnangeboten das bestehende Wohnen von der Wilhelmstraße bis zur Atelierstraße zu arrondieren." Vorstellbar könne auch sein, das Areal abschnittsweise zu realisieren.

Optisch erwarten sich Stadt und Land "Offenheit und Transparenz" und das von hoher architektonischer Qualität. Ideen für Parkflächen wie auch zur Warenanlieferung werden ebenso erwartet, denn selbst "unansehnliche Rückseiten (mit ,Hinterhofcharakter')" seien dieser exponierten Lage nicht angemessen.

(spe)