Erkelenzer Stadtgeschichte: Als noch Autos vor dem Alten Rathaus tankten

Erkelenzer Stadtgeschichte: Als noch Autos vor dem Alten Rathaus tankten

Vor 40 Jahren ist die Fußgängerzone rund ums Alte Rathaus eingerichtet worden – mit Kunstwerken wie Stadtbrunnen, Glockenspiel, Tanzende Möhn und Äppelsbell. Den Durchgangsverkehr aus der Innenstadt zu verbannen, traf auch in Erkelenz nicht auf vorbehaltlose Zustimmung.

Diese Diskussion wurde fast 15 Jahre lang heftigst, oft mit erkennbarem Widerstand einzelner Geschäftsleute, geführt, ehe es vor 40 Jahren zur Umsetzung kam – nachdem mit dem Ausbau des Dr.-Josef-Hahn-Platzes unterhalb der Burg zum Kirmes- und Parkplatz die Voraussetzungen geschaffen worden waren, um Autos (Dauerparker) anderweitig abstellen zu können. Auf dem Markt wurde ein Kompromiss gefunden, der neben dem Fußgängerbereich auch eine Fläche für Kurzzeitparker zuließ zwischen dem Alten Rathaus und der Westseite (Hausnummern 4 bis 7) – zunächst auf Parkscheibe, später dann gegen Parkuhrgebühr.

War die Zu- und Abfahrt zum Parkplatz ursprünglich vom Markt aus Richtung Aachener Straße möglich, wurde auch dies geändert, erfolgte die Zufahrt von der Brückstraße aus, die Abfahrt im Gegenverkehr gleich nebenan Richtung Johannismarkt. Dazu war es erforderlich, dass die unterirdisch an der Nordseite des Alten Rathauses gelegene Toilette zugeschüttet wurde. Ursprünglich führte dort eine steile Treppe in die Unterwelt des Marktes, wo das Verrichten der Notdurft bei Zahlung von 20 Pfennigen auch hygienisch okay war, weil die für Frauen und Männer geteilten Räume durch eine freundlich ältere Dame saubergehalten wurde. Als diese dann nicht mehr vor Ort war, verkam die "Öffentliche" zusehends zu einem stinkenden Loch. Ein ähnliches Teil gab es auch auf dem Burgparkplatz – und erlitt das gleiche Schicksal. Das Zuschütten war dringend angezeigt, wurde schließlich dann auch von der Stadt vollzogen.

Das Verbannen der Autos aus der Fußgängerzone hatte aber auch Folgen für Bürger, die mit Omnibussen in die City der alten Kreisstadt kamen. Hatten diese Busse bisher ihre Haltestellen auf dem Markt vor dem Alten Rathaus und vor der Kneipe "Zum Alten Rathaus", so wurden sie auf die Südpromenade oder an die Post unter den sogenannten Fellerpropeller verlegt.

Dafür hielt mit dem Aufstellen von Bänken eine gewisse Gemütlichkeit Einzug und wurden dem Ohr verträumte Klänge aus einem Glockenspiel geboten. Es ertönt nun schon seit dem 11. Juli 1981 und wird elektronisch versorgt aus einem Speicherraum des Alten Rathauses. Das aus Spenden finanzierte Glockenspiel wird jahreszeitlich fein abgestimmt. Stets legen sich die 24 Bronzeglocken im knapp acht Meter hohen Glockenspiel mächtig ins Zeug. Die größte Glocke (Durchmesser von 51,7 Zentimeter) wiegt immerhin 88 Kilogramm, die kleinste bei einem Durchmesser von 22,5 Zentimetern 13,5 Kilogramm.

Die sichtbare Kunst auf dem Markt wird "abgedeckt" durch den Stadtbrunnen, geschaffen vom Erkelenzer Künstler Peter Haak. Nicht von ungefähr vor Foto Schmitter (Nummer 15) steht die von Bildhauerin Ursula Klügel geschaffene Bronze Tanzende Möhn. Denn hier spielte sich zu Altweiber das närrische Treiben ab. Am 24. April 1982 wurde schließlich die Bronze Äppelsbell am Haupteingang zum Alten Rathaus enthüllt. Die Erkelenzer Künstlerin Ursula Klügel wollte in dem von Ehrenbürger Eugen Gerards zu seiner Ehrung gestifteten Werk den Bezug zu einem Original herstellen: Äppelsbell hieß mit richtigem Namen Sibilla Küppers und wohnte in Kückhoven. Mit einem Wägelchen fuhr sie einst Obst und Gemüse nach Erkelenz, um die Ware in der Nähe des Alten Rathauses zu verkaufen. Besonders beliebt waren die leckeren Äpfel, die sie oft an Kinder verschenkte.

Hier geht es zur Bilderstrecke: Erkelenzer Markt im Wandel der Zeit