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AA44n : Autobahn-Fehlplanung bei Erkelenz - Schon 25 Windunfälle

Autobahn-Fehlplanung bei Erkelenz : Schon 25 Windunfälle auf der A44n

Erst vor drei Jahren ist die Autobahn am Tagebau Garzweiler fertiggestellt worden – und schon jetzt ist sie die größte Problembahn in ganz NRW. Denn wenn es windig ist, knallt es dort regelmäßig. Was die Behörden jetzt planen, um die A44n sicherer zu machen.

Es war eine beängstigende Szene, die uns ein Leser vom vergangenen Donnerstag und dem Sturmtief „Ignatz“ schildert: Wie jeden Morgen war er auf der A44n auf dem Weg zur Arbeit nach Düren unterwegs, als plötzlich vor ihm ein Lkw von einer Windböe erfasst wurde und mehrere Meter zur Seite ausscherte, den Wagen unseres Lesers nur knapp verfehlte. Was in dieser Szene noch gut ging, ging wenige Minuten später nicht mehr so glimpflich aus. Ein anderer Lkw  kippte um, die Autobahn musste von der Polizei in beide Richtungen gesperrt werden. Es war bereits die fünfte Sperrung seit der Fertigstellung der neuen Tagebau-Autobahn vor drei Jahren. In dieser Zeit hat es 25 Windunfälle gegeben.

„Dass diese Autobahn eine gewisse Windanfälligkeit hat, daran gibt es keine Zweifel“, sagt Roland Nolte, Sprecher der Autobahn GmbH der Bundesregierung. „Wir haben in unserer Region Rheinland noch die A3 bei Isselburg, wo es häufig windig ist. Aber die A44n gilt schon als die anfälligste.“

 Regelmäßig kommt es wegen starker Windböen zu schweren Lkw-Unfällen auf der A44n – wie hier im Juli, als ein Lastwagen die Böschung hinunterstürzte.
Regelmäßig kommt es wegen starker Windböen zu schweren Lkw-Unfällen auf der A44n – wie hier im Juli, als ein Lastwagen die Böschung hinunterstürzte. Foto: Feuerwehr Jüchen

Das Problem: Die neue Autobahn, die das Kreuz Holz mit dem Dreieck Jackerath verbindet, liegt genau am Rand des Tagebaus Garzweiler und damit sozusagen auf dem Präsentierteller: Links und rechts gibt es über viele Kilometer keine Barrieren, auch keine Bepflanzung am Streckenrand. Zudem liegt die Autobahn auch noch einige Meter über dem Bodenniveau. Das führt zu großen Windgeschwindigkeiten, die insbesondere für Lkw, aber auch für Autos gefährlich werden können. Für Lastwagen und Autos mit Anhänger gilt schon jetzt Tempo 60. „Das müsste eigentlich auch ausreichen, wenn man sich denn daran hält“, sagt Roland Nolte. „Wir appellieren aber auch an Autofahrer, sich anzupassen. Das heißt: Hände ans Lenkrad und Geschwindigkeit reduzieren, wenn es windig ist.“

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Die Autobahn GmbH, die seit Jahresbeginn anstelle des Landesbetriebs Straßen NRW für die Planung und den Betrieb der Autobahnen im Land verantwortlich ist, ist dabei, mehrere Optionen auszuloten. Die wohl beste wären Schutzwände am Streckenrand – die wären aber teuer und auch im Bau kompliziert, denn auch sie müssten der enormen Kraft des Windes standhalten. „Schutzwände sind eine Variante, die wir gerade prüfen. Das wäre planerisch ein riesiger Aufwand, das dürfte dann auch nichts in Leichtbauweise sein. Und dafür wären auch noch Grundstücksfragen zu klären. Das ist also nichts, was im nächsten Frühjahr schon fertig wäre“, sagt GmbH-Sprecher Nolte.

„Intensiv“ würde die Behörde gerade eine videogestützte Windwarnanlage prüfen, die automatisch und frühzeitig erkennt, wann die Autobahn gesperrt werden muss. Bislang sei es noch so, dass die Polizei jedes Mal vor Ort entscheiden müsse, ab wann es auf der A44n zu gefährlich sei – so wie am vergangenen Donnerstag. Dort hatte es nicht nur den Lkw umgeweht, sondern auch noch zwei, drei Autos.

Konsequenzen haben die Sperrungen auch für die Erkelenzer Dörfer: Hunderte Lastwagen und Autos haben dann wenig andere Optionen, als über Land zu fahren. Vor allem in Holzweiler führt das regelmäßig zu einem wahren Verkehrschaos. Betroffen sind aber auch die Orte Venrath und Kaulhausen, die nah am Autobahndreieck Wanlo liegen. „Wenn die A44n gesperrt ist, geht hier in den Dörfern gar nichts mehr, dann ist alles vorbei“, sagt Anwohner Michael Königs. Und das Problem könnte noch größer werden: Der erste Abschnitt der Grubenrandstraße L354n wird gebaut und führt den Verkehr dann aus Wanlo auf die Straße zwischen Kuckum und Venrath. „Wenn diese Straße bald in Betrieb geht, dann kommt noch viel mehr Verkehr in unsere kleinen Dörfer“, sagt Jupp Gormanns von der Dorfgemeinschaft Venrath-Kaulhausen. Die Tagebauranddörfer sind mit ihren engen Straßen schließlich alles andere als geeignet für den Umleitungsverkehr.

Eine schnelle Lösung wird es für die Problembahn wohl nicht geben. „Es ist nicht auszuschließen, dass es auch in Zukunft zu Sperrungen kommt“, sagt Roland Nolte.