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Emmerich: Zweifache Mutter getötet: Wie krank ist der Täter?

Emmerich : Zweifache Mutter getötet: Wie krank ist der Täter?

Der 32-Jährige, der am am Mittwoch eine zweifache Mutter an der Nierenberger Straße tötete, sitzt jetzt in Untersuchungshaft. Ob er möglicherweise geistig verwirrt und damit schuldunfähig ist, müssen nun Gutachter klären.

Der 32-Jährige, der am Donnerstag nach intensiver Suche festgenommen wurde, ist am Freitag dem Haftrichter in Kleve vorgeführt worden. Der Haftbefehl wegen vollendeten und versuchten Totschlags wurde aufrecht erhalten. Der Mann sitzt nun in Untersuchungshaft.

Ob er schuldfähig ist oder nicht, muss nun genau untersucht werden. Wie berichtet, hatte der 32-Jährige bei seiner Vernehmung behauptet, Stimmen hätten ihm befohlen, die Frau, die an der Nierenberger Straße unter ihm wohnte, zu töten. Aufgrund der Faktenlage hält die Polizei seine Darstellung nach dem derzeitigen Ermittlungsstand für glaubhaft. So habe es weder zwischen ihm und der Opferfamilie noch zwischen ihm und dem 23-jährigen Bekannten, den er im Anschluss an die Tat mit einem Bierkrug attackiert hatte, Streit gegeben.

Inwieweit der Mann geistig verwirrt ist, haben nun Gutachter zu klären. Der Emmericher Diplom-Psychologe Harald Heger ist davon überzeugt, dass es ihnen problemlos gelingen wird, herauszufinden, ob der Mann krank ist oder nur eine Geschichte auftischt. "Wenn jemand da etwas vorflunkert, wird das schnell bemerkt", sagt Heger. In seiner Laufbahn hatte er selbst schon mit ähnlichen Fällen zu tun, die allerdings nicht einen so tragischen Ausgang wie den vom Mittwoch an der Nierenberger Straße nahmen. "Die Betroffenen wissen meist nicht, dass sie krank sind. Ihre Hauptmotivation ist Angst", weiß Heger.

Auch Dr. Rudolf Schlabbers, Chefarzt der Forensik II der LVR-Klinik in Bedburg Hau kennt viele solcher Fälle. "Meistens liegt bei den Betroffenen eine schizophrene Erkrankung vor. Was sich in ihren Köpfen abspielt, kann man sich als Gesunder kaum vorstellen", sagt der Mediziner. Der Verlauf solcher Krankheiten, die immerhin ein Prozent der Bevölkerung treffe, sei schleichend. Es könne bis zu fünf Jahren dauern, bis es zum Ausbruch einer Krise komme.

Das Hören von Stimmen sei dabei durchaus typisch. "Die Betroffenen werden von diesen Stimmen entweder beleidigt oder sie erhalten von ihnen Befehle", sagt Dr. Schlabbers. Die Erkrankten fühlten sich real bedroht und sähen dann keine andere Möglichkeit mehr, als sich der Gefahr zu entledigen, der sie sich ausgesetzt sehen. Auch im Selbstmord könnten diese Fälle enden, weil die Menschen ihre Situation nicht mehr aushielten.

Chefarzt Rudolf Schlabbers: "Es ist selten, aber wenn dann etwas passiert, kann es sehr tragisch enden. Und es trifft dabei eher nahestehende Personen als wildfremde."

Ob eine Erkrankung auch im Fall vom Mittwoch eine Rolle spielte, wird sich zeigen. Die eingerichtete Mordkommission "Nierenberger Straße" unter Leitung von Chefermittler Gerhard Hoppmann hat ihre Arbeit noch nicht abgeschlossen. "Es werden weiter Spuren ausgewertet und Vernehmungen vorgenommen", so Heinz Vetter, Sprecher der Polizei im Kreis Kleve.

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(RP)