An Realschule und Promenade Experte äußert sich zu Wolfssichtungen in Rees

Rees/Emmerich · Ein Wolf in der Stadt – das ist am Mittwoch in Rees geschehen. Menschen sorgen sich, andere haben keine Angst. Wir haben beim zuständigen Landesamt einen Experten um seine Einschätzung gebeten.

 Das Bild zeigt vermutlich einen Wolf an der Realschule in Rees.

Das Bild zeigt vermutlich einen Wolf an der Realschule in Rees.

Foto: Screenshot/Facebook/Nelladella-Ralf Melles

Die Aufregung ist groß – nicht nur in Emmerich, sondern auch in Rees. Auf Facebook gibt es gleich mehrere Videos, die einen Wolf zeigen. Vermutlich ist es ein Wolf, denn die Experten vom Landesamt für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz (LANUV) in Recklinghausen haben die Sache noch nicht untersuchen können.

Aber die Bilder und Videos dürften tatsächlich einen Wolf zeigen. Das Außergewöhnliche: In Rees wurde das Tier gesichtet – und gefilmt – an der Realschule und an der Rheinpromenade.

Ein Wolf war also vermutlich in der Reeser Innenstadt unterwegs. Müssen die Menschen alarmiert sein und sich fürchten?

Beim Landesamt ist Wilhelm Deitermann um Sachlichkeit bemüht. „Wir haben zwei Sichtungen gemeldet bekommen“, sagt er. Das dürfte vermutlich von der Polizei ausgegangen sein, denn die Beamten wurden am Mittwoch nach Rees gerufen. Einmal um 15.20 Uhr und dann um 15.35 Uhr. Zeugen hatten jeweils den Wolf am Rhein gesehen. Es gibt auch einen kurzen Film bei Facebook, der ein Tier, das einem Wolf ähnelt, am Rhein zeigt.

Die Formulierung mit der Ähnlichkeit ist ungefähr das, was beim Landesamt sprachlich an der Tagesordnung ist. Denn die Experten sind von Amts wegen vorsichtig. „Ein Wolf kann nachgewiesen werden durch DNA oder Filmaufnahmen“, sagt Deitermann. Beides liegt in diesem Fall nicht vor.

Allerdings: Auf dem Film von der Realschule in Rees dürfte es sich tatsächlich um einen Wolf gehandelt haben. Der Sohn einer Lehrerin, so heißt es bei Facebook, habe den Film gemacht. Der Wolf ist nahe dran an dem Jugendlichen. Unklar ist, wo der Jugendliche dabei stand. Vielleicht in einem Raum?

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Foto: dpa/Bernd Thissen

Was bedeutet es nun, dass ein Wolf in der Reeser Innenstadt gesichtet wird. „Wölfe sind scheu und meiden Menschen“, sagt Deitermann. „In diesem Fall könnte sich der Wolf einfach verlaufen haben.“

Vermutlich handle es sich um einen jungen Wolf, der sich von seinem Rudel gelöst habe, oder um ein Tier, das sich auf Wanderschaft befinde. Der Wolf - sollte es einer gewesen sein - sei vermutlich schon längst nicht mehr da. „Wenn sich Wölfe Menschen nähern, dann nur, wenn sie angefüttert worden sind“, so Deitermann. „Und das ist dann das Todesurteil für die Tiere. Ein Wolf, der sich Menschen nähert, wird entnommen.“

Möglicherweise handelt es sich um denselben Wolf, der am Mittwoch in Emmerich gesichtet worden ist. In der Mittagszeit wurde ein Wolf am Ravensackerweg in Klein-Netterden gesehen und gefilmt.

Wenig später gab es eine Wolfsichtung in Hüthum. Hier ist auf einem Film zu sehen, dass sich der Wolf in der Nähe eines Gartens befindet. Dahinter liegen Häuser. Er geht allerdings nicht in den Garten, sondern dreht wieder ab.

Der Wolf in Rees erinnert an ein Problem, dass es im Nationalpark De Hoge Veluwe bei Arnheim gibt. Dort rücken Wölfe dem Menschen immer näher. Nun dürfen sie mit Hilfe von Farbpatronen erschreckt werden. Ein Gericht hat dafür grünes Licht gegeben.

Hintergrund ist, dass ein Gutachter festgestellt hat, dass Wölfe in dem 5400 Hektar großen Naturschutzgebiet „abweichendes Verhalten“ zeigen, das eine ernsthafte Gefahr für die öffentliche Sicherheit darstellen könne.

Es gibt in der Hoge Veluwe mindestens eine Wölfin, die Radfahrer und Spaziergänger aufsucht und sich sogar fotografieren lässt. Dieser Wolf wird Gutachtern zu Folge immer mutiger. Die Tatsache, dass die Wölfin weniger Angst vor Menschen hat, bedeutet aber nicht, dass das Tier nicht aggressiv werden und Menschen beißen könne, so ein Experte der Universität Ljubljana in Slowenien, der von dem Gericht benfalls konsultiert worden war. Unklar ist allerdings, ob es immer der selbe Wolf ist, der für Ärger sorgt.

In der Hoge Veluwe sollen schätzungsweise sieben Rudel leben.

Sie glauben, dass auch Sie einen Wolf gesehen haben? Hier erklären wir, was in so einem Fall zu tun ist.

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