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Emmerich: Wirtin verletzt – Kneipengast freigesprochen

Emmerich : Wirtin verletzt – Kneipengast freigesprochen

Prozess um eine folgenschwere Auseinandersetzung. Das Gericht entschied: Was wirklich geschah, ist nicht mehr zu klären.

Mit einem Freispruch endete das Verfahren gegen einen 41-jährigen Emmericher, dem vorgeworfen wurde, eine Wirtin im Streit zu Boden gerissen und verletzt zu haben. Sie erlitt ein Schädel-Hirn-Trauma, Prellungen an Rücken und Halswirbelsäule, musste eine Woche stationär im Krankenhaus behandelt werden und war vier Wochen lang krankgeschrieben.

"Was genau passiert ist, ist unklar geblieben", sagte Richterin Mareen Hölker. Da der Tatbeweis nicht zweifelsfrei erbracht werden konnte, müsse man den Angeklagten freisprechen.

Der Vorfall ereignete sich am 27. März gegen 21.45 Uhr. Man habe in der Gaststätte Dart gespielt. "Die Stimmung war etwas merkwürdig und wurde immer schlechter", erzählte der Angeklagte. Im Laufe des Abends habe ein Wort das andere gegeben. Unter anderem habe er zu der Wirtin gesagt, dass er arbeiten müsse und nicht so eine Tätigkeit habe wie nur Bierkästen schleppen. "Da wurde sie sauer, und da ich weiß, dass sie schon mal ausrastet, wenn sie sauer wird, wollte ich gehen, bevor es eskaliert, zumal sie auch unter Alkoholeinfluss stand", erzählte der Familienvater. Er habe schon gesehen, wie sie mit Aschenbechern geworfen habe.

Bei einem Geplänkel, als beide an der Tür zogen, sei die Wirtin zurückgetaumelt. "Dann ist sie mit der ausgestreckten Faust auf mich losgegangen, ich habe meinen Arm zur Abwehr gehoben und einen Schritt nach links gemacht." Dabei sei sie wohl auf den Rücken gefallen. "Ich habe sie nicht angefasst."

Die 39-jährige Gastwirtin wurde als Zeugin gefragt. "Der Angeklagte hatte wohl schlechte Laune, weil ich im Dart gegen ihn gewonnen hatte", sagte sie. Die Sache habe sich aufgeschaukelt, er habe Gäste beleidigt, und so habe sie ihn aufgefordert, nach Hause zu gehen. Sie habe ihm die Tür geöffnet, er sei auch gegangen. Aber plötzlich habe er die Tür von außen wieder aufgerissen und sie gepackt. Wie sie auf dem Boden gelandet sei, daran könne sie sich nicht mehr erinnern.

Ihr Lebensgefährte erzählte, er habe gesehen, wie der Angeklagte sie "im Ringergriff" an beiden Schultern gepackt und zu Boden geschleudert habe. "Vor allem finde ich es schlimm, dass er meine Freundin im Nachhinein über SMS und Facebook verhöhnt hat", sagte der 45-jährige Mann. Die Staatsanwältin sah die Schilderungen kritisch. "Ich glaube, wir haben hier keine unabhängigen Zeugen", sagte sie. Die Wirtin hatte erläutert, dass sie durch den Vorfall einen erheblichen Schaden erlitten hatte, weil sie wochenlang nicht arbeiten konnte. "Deshalb hat sie verständlicherweise Interesse an einer Strafverfolgung, damit sie den Schaden ersetzt bekommt."

Auch die Richterin blieb den Zeugen gegenüber skeptisch und sprach den Angeklagten frei. "Es ist nicht zweifelsfrei nachzuvollziehen, ob die Geschädigte geschubst wurde oder gestolpert ist."

(moha)