Emmerich: Willkommen im Café International

Emmerich : Willkommen im Café International

Das Café im Aldegundisheim öffnete zum ersten Mal seine Pforten.

Es ist fast wie im Coffeeshop in Mossul an den Ufern des Tigris im Norden des Irak. Dort servierte Omar Suleyman bis zu seiner Flucht Tee und Kaffee. Nun bereitet er im Aldegundisheim frischen Tee stilecht zu für die Gäste des Café International, das jetzt erstmals seine Pforten öffnete und Begegnungen zwischen Emmerichern und Asylsuchenden ermöglichen soll.

Der 33-jährige Omar lebt erst seit drei Monaten in Emmerich und ist froh, dem Krieg entronnen zu sein. Die Teegläser hat Susanne Gerritsen gekauft. Das Zusammenspiel mit Omar in der Küche klappt schon ganz gut. Als der alle Gläschen mit türkischem Tee gefüllt hat, balanciert Gerritsen das Tablett in die Cafeteria. Dort haben sich schon einige Flüchtlinge eingefunden, um mit ehrenamtlichen Helfern und anderen interessierten Emmerichern ins Gespräch zu kommen.

Später füllt sich das Lokal. Scheu, Neugierde, Interesse - es ist von allem etwas vorhanden. Auf jeden Fall sind jede Menge guter Wille und Motivation vorhanden.

Dass das Café montags von 16 bis 18 Uhr geöffnet hat, dürfte sich weiter herumsprechen. Mit Flyern in sechs Sprachen, auf Facebook, WhatsApp und durch Mund-zu-Mund-Propaganda hatte die katholische Kirchengemeinde für ihr neues Angebot geworben. "Die Werbung war fantastisch", sagt Gabriele Debiel. Bis das Café einen einladenden Charakter hatte, musste so einiges gemacht werden. Viel ist noch zu tun. "Der Wasserhahn funktioniert nicht, ist nicht angeschlossen, auch die Deko lässt sich sicher noch verbessern", sagt Debiel. Vielleicht fühlen sich ja einige Emmericher angesprochen. Auch mehrere Familien mit Kindern finden sich im Café ein, Spielzeug ist vorhanden. Der anderthalbjährige Khaled häuft Klötze zu einem Turm an. Waltraud Boss aus Speelberg hat eine dicke Decke mitgebracht, damit es Kleinkindern nicht kalt wird. An einem anderen Tisch unterhalten sich Claudia van Steegen und Kathy Morgan mit einer Familie aus Aserbaidschan.

Es herrscht schon fast so etwas wie eine heimelige Atmosphäre. Geschichten werden erzählt, auch wenn die Verständigung nicht einfach ist. Am Willen vieler Asylbewerber, Deutsch zu lernen, mangelt es nicht. Die 20-jährige Aileen Aladani aus Syrien ist da besonders fleißig. "Ich besuche sämtliche Deutschkurse", sagt sie: "Ich möchte in Deutschland Medizin studieren." In Syrien hat sie drei Semester Pharmazie studiert. "Aber das war nichts für mich." Vor sieben Monaten ist sie mit ihrem Vater geflüchtet. Sie hat einen Umverteilungsantrag bei der Ausländerbehörde gestellt und hofft, bald mit ihrer Mutter und Geschwistern vereint zu sein, die Remscheid zugeteilt wurden. Die Aladanis wollen in Deutschland bleiben, einige andere überlegen, wieder in ihre Heimat zurückzukehren.

(nk)
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