Willibrord-Spital setzt pro Jahr 100 Patienten einseitige Knie-Endoprothesen ein

Gesundheit : Schmerzfreies Laufen mit dem neuen „Schlitten“

Wolfgang Hoppe hat sich zu einer Knie-OP entschieden. Im Willibrord-Spital ließ er sich eine einseitige Knie-Endoprothese einsetzen. In der RP schildert er seine Erfahrung.

Beim Spaziergang treffe ich gelegentlich auf Altersgenossen mit sichtbaren Laufproblemen – genau so, wie ich sie habe. Eine typische Frage unter „Kollegen“ lautet dann oft „Hüfte oder Knie?“ und damit wird gerne ein Dialog zu Krankengeschichten eingeleitet, der – je nach Stehvermögen – länger oder kürzer ausfällt.

Als mir vor einigen Wochen ein Bekannter locker zurief: „du läufst wie eine Gazelle, oder wie heißt nochmal das Tier mit dem Rüssel?“ reifte bei mir der Entschluss, den schon vor geraumer Zeit von Haus- und Facharzt erteilten Rat, „warten Sie nicht länger mit der Knie-OP, Sie werden nicht jünger und es wird nicht besser“, zu beherzigen und mich mutig zu einem Gesprächs-Termin ins Willibrord-Spital zu begeben. Pilgern auf dem Jacobsweg oder Flanieren an Stränden und in Bergen waren für mich wegen zunehmender Schmerzen im Knie passé und nach 100 Metern war „Schluss mit lustig“ . Doch auch mit 78 möchte man sich noch nicht auf dem Abschiebegleis befinden, sondern lieber etwas von der Welt sehen .

Chefarzt Dr. Hilgenpahl, der mir schon vor acht Jahren ein bis heute tadellos funktionierendes neues Knie „eingebaut“ hatte, beantwortete meine Frage, ob sich auf meiner altersmäßig gesehen verbleibenden „Zielgraden“ eigentlich noch eine weitere Knieprothese lohne, mit: „Wir haben einer 94-jährige Patientin vor zwei Jahren mit gutem Erfolg ein neues Knie implantiert.“

Von ihm hörte ich zum ersten mal den Ausdruck „unikondyläre (einseitige) Knie-Endoprothese“, die im Willibrord-Spital „der Renner“ sei. „Im abgelaufenen Jahr haben wurden neben dem totalen Kniegelenkersatz 100 der so genannten Schlitten implantiert“, berichtete der Chirurg.

Das komme infrage, wenn nur ein Teil des Gelenkes erkrankt ist. Die Kufe des Schlittens dabei wird in die Gelenkrolle des Oberschenkelknochens und die Gleitfläche in den betroffenen Teil des Schienbeinkopfes eingesetzt. Vorteil für den Patienten sei hierbei gegenüber der Vollprothese eine wesentlich kürzere, und damit auch schonendere Operation, sowie nachfolgend eine schnellere Erlangung der Mobilität des Patienten.

Einige Tage nach diesem Gespräch fand ich mich um acht Uhr zur Erstuntersuchung im Krankenhaus ein und hier erwies sich das Sprichwort „von der Wiege bis zur Bahre, Formulare Formulare“ als noch immer gültig: Alle OP-Aspiranten erhielten bei der Orthopädischen Anmeldung einen „Laufzettel“ mit zahlreichen Fragebögen, die auszufüllen waren und mit denen sie ihre „Wanderung“ durch das Haus aufnahmen: Blutabnahme im Labor, Aufnahmegespräch mit einem Arzt sowie mit der Pflegeleitung. Anschließend Anästhesie-Gespräch und Blutdruck-Prüfung, EKG und Röntgen.

Flure, Treppenhäuser und Warteräume waren gefüllt von Patienten, die ihre Unterlagen-Mappe nach dem vom Haus spendierten Mittagessen bis 16 Uhr abgaben. Als Laie konnte man nur staunen, wie die „Rädchen“ ineinander griffen und letztlich zur Terminierung von OP und stationärer Aufnahme führten. Die fanden drei Tage später mit der Zimmer-Einweisung auf der Station statt.

Auch hier lief alles „wie am Schnürchen“ – perfekte Organisation von früh bis spät, mit bestens geschultem und auffallend freundlichem Pflegepersonal. Der diskrete Hinweis an einer Wand des Stationszimmers „Wir tun, was wir können, alles andere ist Schicksal“ sprach für die humorvolle Grundeinstellung der Helferinnen und Helfer.

Mit Blick auf meine Hände und der Bemerkung „Hier zittern alle“, beruhigte mich die Anästesie-Assistentin etwas später im OP-Bereich und bevor ich in das von gleißendem Licht erfüllte „Allerheiligste“ gefahren wurde, hörte ich zuversichtliche Worte des Chefarztes Prof. Dr. Joachim von Alst zur Nakose-Einleitung : „Gleich werden Ihre Augen ganz schwer...“.

Zurück auf der Station, nach etwa einer Stunde, wurde es direkt „gemütlich“: Es war geschafft, man durfte trinken, essen und schlafen, Dr. Hilgenpahl schaute kurz herein: „Alles prima verlaufen“, lautete seine frohe Botschaft. „Der Schlitten sitzt!“

Schon nach fünf Tagen konnte ich das Krankenhaus verlassen und nach Vermittlung des Sozialdienstes ambulant die Reha in der hervorragenden Einrichtung „Salvea“ am Sportzentrum Kleve beginnen.

Mit meinem neuen „Schlitten“ kann ich jetzt durch die niederrheinische Landschaft „gleiten“ und mich des Lebens freuen. Ich laufe zwar noch nicht wie eine Gazelle (siehe oben), aber immerhin doch fast wie ein – wenn auch etwas in die Jahre gekommener – Hirsch.....

(Wolfgang Hoppe )