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Willibrord-Gymnasium in Emmerich: Schüler lernen Unternehmertum

Willibrord-Gymnasium in Emmerich : Schüler lernen Unternehmertum

Die Abiturienten des Willibrord-Gymnasiums in Emmerich nehmen an einem Sozialwissenschafts-Projektkurs teil. Sie gründen eine Schülerfirma und verkaufen nachhaltige Produkte aus Epoxidharz.

An Kreativität mangelt es den Schülern des Emmericher Willibrord-Gymnasiums nicht: Sie stellen Schlüsselanhänger mit Buschstaben, Untersetzer, Schmuckschalen, Teelichter und Schnapsgläser aus Epoxidharz her, verziert mit Blattgold und Farbe oder Blumen. Die selbstgemachten Dekorationsartikel stellen die Projektidee der Schülerfirma „Epoxy“ dar, die ihre Produkte an öffentlichen Orten, wie etwa dem Emmericher Lichtermarkt, zum Verkauf anbietet.

Insgesamt 22 Schüler nehmen seit Mitte August an der Initiative teil. „Wir sind durch eine Liste lauter Kriterien auf unsere Produktidee gekommen, da wir etwas Selbstgemachtes, Nachhaltiges und Sicheres schaffen wollten. Das Epoxidharz bricht nicht so schnell wie Glas und halt länger. Die Gegenstände haben dazu Wiedererkennungswert, denn wir können sie auf Wunsch personalisieren“, sagt Schülerin Emilia Schramm.

Die Schülerfirma teilt sich in vier Arbeitsgruppen auf. Begleitet wird das Projekt von dem zuständigen Lehrer Peter Stell. Die Produktionsgruppe besteht aus Schülern, die aus dem Harz wahre Kunstwerke formen und diese verzieren. „Die Arbeit kostet uns viel Zeit, denn die Produkte müssen jeweils zwei Tage trocknen. Aus diesem Grund arbeiten wir jeden zweiten Tag gemeinsam in der Garage einer Freundin“, so Schramm. Die Personalgruppe kümmert sich darum, dass die Schüler je nach Arbeitszeit und Aufwand ihren verdienten Lohn bekommen. Um den Verkauf anzukurbeln und für die Produktidee zu werben, gibt es eine Marketinggruppe. Finanzen, Bankkonten und Protokolle werden von fünf Gymnasiasten in der Finanzgruppe kontrolliert.

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Wichtig ist der Vorstandsvorsitzende von Epoxy, Maximilian Frederik Beckschaefer, der sich um den Fortschritt des Unternehmens bemüht. „Meine Aufgabe ist es, das Team zu motivieren und am Ende einer Woche Ergebnisse präsentieren zu können. Ich halte mich eher aus dem Geschehen heraus, achte jedoch darauf, dass wir den roten Faden nicht verlieren“, sagt der Emmericher.

Bei einer Juniorfirma geht es vor allem darum, wirtschaftliche Zusammenhänge von der Gründung bis zur Abwicklung eines Unternehmens kennenzulernen. „Wir konnten die Schülerfirma über das Juniorprogramm gründen, damit wir in dem Bereich Erfahrungen sammeln und einen Ansprechpartner - neben unserem Lehrer und einem Wirtschaftspaten – bei Fragen haben “, so der Vorstandsvorsitzende. 900 Euro Startkapital ist den Jugendlichen zur Verfügung gestellt worden, um die Projektidee zu verwirklichen. Zudem konnten für zehn Euro Anteilscheine an Verwandte und Freunde verkauft werden. Ein Infoabend sei geplant, um die Personen, die Anteile an der Schülerfirma besitzen, über Aktuelles zu informieren, so Maximilian Frederik Beckschaefer.

Jeder Schüler bekommt pro Stunde 50 Cent für seine Arbeit. „Der Stundenlohn wird derzeit von den 900 Euro gezahlt, da wir bis jetzt noch kein Geld eingenommen haben. Damit symbolisieren wir aber, dass es in einem Unternehmen auch Abzüge gibt“, so der Gymnasiast. Alle Lohneinnahmen zahlen die Schüler in ihre Abiturkasse ein, da Corona weitere Einnahmequellen zurzeit versiegen lässt. Weitere Überschüsse werden an einen guten Zweck gespendet. Epoxy zahlt monatlich auch eine Sozialsteuer in Höhe von 20 Cent sowie Strafen, wenn Protokolle über die vollbrachten Ergebnisse nicht rechtzeitig beim Juniorprogramm hochgeladen werden.

Planmäßig sollten die Werke aus Epoxidharz auf dem Hüthumer Weihnachtsmarkt und auf dem Emmericher Lichtermarkt verkauft werden. Doch die Veranstaltung in Hüthum ist bereits abgesagt. „Es ist unsicher, ob wir überhaupt auf einem Adventsmarkt verkaufen können, was der eigentliche Plan war. Doch wir stehen schon in enger Absprache mit dem PAN und der Schule, wo wir gerne alternativ verkaufen würden“, sagt Natalia Kaniewska, Mitglied der Marketinggruppe. Dennoch sei die Motivation für die unternehmerische Tätigkeit weiter groß. „Es ist eine tolle Erfahrung, Schritt für Schritt ein Miniunternehmen zu führen und mit einer hohen Geldsumme umzugehen“, so Schramm.