Wesel: Kraftwerk am Rhein endgültig vom Tisch

Wesel/Rees : Kraftwerk am Rhein endgültig vom Tisch

Im neuen Regionalplan ist keine Fläche mehr für ein Kraftwerk bei Bislich-Vahnum reserviert. Die SPD Wesel drängt nun darauf, den Deich bis direkt an die Bislicher Straße zu verlegen. Ein weiteres Kiesabbaugebiet solle dort entstehen.

Jahrzehntelang galt es als Drohkulisse für Bislich, Mehr und Haffen: In Bislich-Vahnum war eine Fläche am Rhein für den Bau eines Kraftwerkes reserviert. Bis in die Siebziger Jahre hinein wurde dort die Planung eines Atomkraftwerkes vorangetrieben. Nach der Tschernobyl-Katastrophe 1986 war dieses Szenario zwar zu den Akten gelegt worden, Vahnum galt aber weiter als potenzielle Fläche für ein Kohlekraftwerk. Mit dem neuen Regionalplan des Regionalverbands Ruhr (RVR), zu dem die Kommunen jetzt Stellung nehmen sollen, ist Vahnum erstmals nicht mehr Standort für ein Kraftwerk. Doch der nächste Interessenkonflikt steht schon vor der Tür: Die Weseler SPD will dort jetzt ein Kiesabbaugebiet ermöglichen, die Planer beim Regionalverband Ruhr sehen dort stattdessen ein Naturschutzgebiet vor.

In einer Pressekonferenz zum neuen Entwurf des Regionalplans Ruhr erläuterten SPD-Fraktionschef Ludger Hovest und Ratsherr Norbert Meesters am Freitag ihre konkreten Pläne für den Bereich Vahnum. Die Sozialdemokraten schlagen vor, den Deich von Haffen-Mehr bis Bislich bis an die Kreisstraße (Bislicher Straße) zu verlegen. Auf diese Art könne zusätzlicher Retentionsraum im Bereich Bislich-Vahnum bei Hochwasser geschaffen werden. Der Deich müsse jedenfalls schnellstens erneuert werden. Die SPD schlägt ferner vor, die Flächen innerhalb des Hochwassergebietes für den Kiesabbau bereitzuhalten. Ähnlich wie beim Deichbau in Lohrwardt bei Haffen-Mehr könnte man dann die Kiesfirmen damit beauftragen, den Deich zu bauen. So würde die Bevölkerung ebenso partizipieren wie die niederrheinische Kiesindustrie. „Das ist die größte zusammenhängende Kiesabbaufläche in ganz NRW“, sagt Ludger Hovest. In diesen Gebieten könnten später Flachwasserzonen für den Naturschutz entstehen. In kleinster Variante würden 100 Hektar Abbaugebiet entstehen, potenziell wären auch einige 100 Hektar möglich, so Hovest.

Bisher habe man den Deichbau dort mit dem Hinweis verschoben, dass womöglich ein Hafen für das Kraftwerk gebaut würde, sagt SPD-Fraktionschef Ludger Hovest. Nun, wo es eine neue Faktenlage gebe, müsse der RVR reagieren. „Der Deich dort ist so marode, wenn er bricht, dann läuft Bislich rückwärts und Wesel vorwärts voll.“ Auch Rees sei gefährdet.

Einen konkreten Zeitplan, wann der Deich zwischen dem erneuerten Teil bei Haffen-Mehr und Flüren erneuert werden soll, gibt es derzeit nicht. In Vahnum würde der Bereich zwischen Vissel und Vahnum saniert werden müssen. 2023 stand vor Jahren einmal in Aussicht. Noch später würde demnach der Deich bei Bislich saniert; und zwar erst ab 2024. Zur Begründung hieß es seitens des Deichverbandes, dass dieser Deich nicht die ganz große Bedeutung für Hochwasser habe.

Das Problem: Ein Kiesabbaugebiet sieht der neue Entwurf des Regionalplans für Vahnum nicht vor. Es gebe „planerische Restriktionen“, sagt Meesters. Die bislang als Kraftwerkstandort ausgewiesenen Flächen würden nun als Bereich zum Schutz der Natur und Vogelwelt und als Agrarbereich vorgehalten. Als einen „Affront gegen die Wünsche der Stadt Wesel“ empfindet Meesters die Planung. Seit 2013 schon kämpfe die SPD für diese Deichrückverlegung. Nun gebe es die Chance. Zwar gibt es im Bereich Vahnum noch Wohnbebauung. Einige Häuser seien aber schon leergezogen, sagt Hovest.

Im benachbarten Bereich Vissel-Süd sind Kiesabgrabungen durch die Firma Menting & Bresser vorgesehen. Nur wenige Kilometer entfernt, bei Diesfordt, liegt die geplante Abgrabung Histenbruch. Im bestehenden Regionalplan sind die Gebiete noch als Vorranggebiete für den Abbau von Bodenschätzen vorgesehen – nicht aber im neuen Entwurf. Die SPD will nun sichergehen, dass die Gebiete durch den neuen Regionalplan nicht ausgebremst werden und verlangt auch dahingehend Zusagen des RVR.

(sep)
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