Werke von Bauhaus-Künstler Kurt Kranz in Emmerich

Kultur : Der vergessene Bauhaus-Künstler

Das Bauhaus wurde vor 100 Jahren gegründet. Einer seiner letzten wichtigen Schüler war der Emmericher Kurt Kranz, dessen Werke auch nach seinem Tod weltweit ausgestellt werden. In seiner Geburtstadt erinnert nichts an ihn.

Dass in diesem Jahr das Bauhaus sein 100-jähriges Bestehen feiert, war bis vor kurzem selbst in Emmerich nicht zu übersehen. Am Großen Wall hingen noch vor wenigen Wochen großflächige Werbeplakate der Stiftung Bauhaus, die auf das runde Kunst-Jubiläum aufmerksam machten. Gefeiert wird vorrangig in Dessau, wo die weltberühmte Kunstschule zuhause ist. Aber auch in Emmerich gäbe es einen Grund dazu, denn einer der letzten wichtigen Bauhaus-Künstler kommt gebürtig aus der Rheinstadt.

Kurt Kranz, der 1997 im Alter von 87 Jahren in Wedel starb, gilt als bedeutender Künstler des 20. Jahrhunderts. Er belegte in Dessau Kurse bei Paul Klee und Wassily Kandinsky. Sein Diplom erhielt der Emmericher aus den Händen Mies van der Rohes – in der Kunst- und Architekturszene alles gefeierte Namen, zu denen seiner auch bald gehören sollte.

Der Bauhaus-Künstler Kurt Kranz. Foto: NN/n.n.

Der Multikünstler wurde am 3. Mai 1910 in einem Haus auf der Seufzerallee geboren. Sein Vater Heinrich arbeitete in der traditionsreichen Emmericher Druckerei Romen als „Setzerfaktor“ und Betriebsleiter. Vielleicht auch ein Einfluss für Kurt Kranz. Denn er absolvierte als 15-Jähriger zunächst eine Lithographenlehre, bevor er Abendkurse in der Kunstgewerbeschule belegte. Seine Geburtsstadt Emmerich hatte er zu diesem Zeitpunkt schon hinter sich gelassen.

Über die nordrhein-westfälischen Stationen Moers und Bielefeld kam Kranz schließlich nach Dessau – dem Zentrum der Bauhausbewegung. 1933 erhielt er sein Diplom und siedelte als Gebrauchsgrafiker und freier Maler nach Berlin über. Sein Stern ging dann nach dem Zweiten Weltkrieg auf: 1950 erhielt er einen Ruf an die Hochschule für bildende Künste nach Hamburg, wo er bis 1972 wirkte. Gastprofessuren führten ihn unter anderem an die renommierte Harvard-Universität in den Vereinigten Staaten.

In seinem Werk fühlte sich Kranz immer den Ideen des Bauhaus’ verpflichtet – und das in einer unglaublichen Vielfalt. So hatte er ein Verfahren entwickelt, mit dem sich gerasterte Bilder herstellen ließen. Dafür hatte er sogar ein Reichspatent erhalten. „In dieser Hinsicht könnte man ihn sogar als einen der Väter der Computergrafik bezeichnen, die nach ganz ähnlichen Mustern aufgebaut ist“, erklärt Werner Steinecke, Vorsitzender des Emmericher Kunstvereins.

Der Bauhaus-Künstler Kranz wurde immer wieder weltweit ausgestellt – auch nach seinem Tod. 2009 lieh das berühmte Museum of Modern Art in New York eine 32-teilige Zeichnungs-Collage, ein Projekt für einen abstrakten Farbfilm von 1930, für eine Bauhaus-Schau aus.

Kranz dachte stets in Serien, so dass seine arbeiten den Prozess der Veränderung ausdrückten. Er arbeitete auf dem Gebiet der Fotografie und der Fotomontage, schuf Wandbilder und Experimentalfilme, entwarf Briefmarkenmotive für die Deutsche Post oder Plakate für die Bundesgartenschau. Kulturpreise, etwa den der Hansestadt Hamburg, heimste er zuhauf ein.

Doch in Emmerich ist er kaum bekannt. Nichts erinnert an ihn. Selbst zu seinem 100. Geburtstag vor neun Jahren gab es keine Ausstellung, die den Emmerichern einen ihrer bekannteren Söhne näher zu bringen versucht. „Ich habe es immer wieder versucht anzuregen. Dass es bislang nicht geklappt hat, finde ich sehr schade“, bedauert Werner Steinecke. Immerhin: Bei Rheinmuseums-Leiter Herbert Kleipaß gibt es noch einige wenige Zeitungsartikel im Stadtarchiv, die vom Ruhm des Künstlers berichten. „Dass er hier nicht so bekannt ist, hängt wohl damit zusammen, dass seine Familie schon in frühen Jahren wegzog und es dann keine Verbindungen mehr zu Emmerich gab“, vermutet Kleipaß.