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Anka Zink im Reeser Bürgerhaus: „Wer nackt ist, der hat sich ausgezogen“

Anka Zink im Reeser Bürgerhaus : „Wer nackt ist, der hat sich ausgezogen“

Am Freitagabend tritt die Kabarettistin Anka Zink ab 20 Uhr im Reeser Bürgerhaus auf, dann geht es vor allem um die neuen Medien.

Frau Zink, Sie gastieren Freitag im Bürgerhaus in Rees. Ihr Kabarettprogramm "Sexy ist was anderes" beschäftigt sich mit dem Phänomen der neuen Medien, der computergestützten Apparaturen und den sozialen Netzwerken. Benutzen Sie daheim oft elektronische Medien?

Anka Zink Natürlich, man kommt ja gar nicht daran vorbei! Die digitale Welt ist in alle Lebensbereiche eingedrungen. Es geht nicht nur um den PC, vor dessen Bildschirm man hockt. Fast jedes Haushaltsgerät hat einen Chip! Und wenn wir nicht so spuren, wie der Chip das will, dann piept es! Das Navi piept, das Auto piept, der Akku piept. Nur der Kanarienvogel piept nicht mehr, der imitiert den Nokia Klingelton. Ich nenne das gerne die "Diktatur der Dinge"! Und dagegen protestiere ich!

Wie beurteilen Sie als studierte Soziologin die sozialen Netzwerke?

Zink Soziales Netzwerken kann die Arbeit erleichtern, Verbindungen herstellen, sogar emotionale Kontakte knüpfen und erhalten. Der Mensch gibt auf diesen Plattformen so viel preis, wie er preisgeben will. Niemand wird gezwungen seine intimsten Dinge zu offenbaren. Wenn er es trotzdem macht …. bitteschön, das hat auch etwas mit Freiheit zu tun. Da gilt die alte Regel: "Wer nackt ist, hat sich ausgezogen."

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Was bedeutet für Sie Kommunikation im beruflichen Sinne?

Zink Sie können sich gar nicht vorstellen, was es für mich als Künstlerin, die auch mal jung und unbekannt war, bedeutet, über E-Mail verfügen zu können. Damals, vor E-Mail, da lief man bei Regen und Schnee mit den tonnenschweren, handeingetüteten Korrespondenzen und Werbeschriften im Rucksack persönlich zur Post. Ja, das können sich die jungen Leute heute gar nicht mehr vorstellen, was wir damals rumgeschleppt haben…: Auf E-Mail verzichten können heute nur noch privilegierte ältere Menschen, zum Beispiel unsere Oma: "Ich brauch kein E-Mail, ich habe Enkel."

Sie gelten als Powerfrau, als rheinische Frohnatur. Worüber weint denn Anka Zink, wenn sie alleine und privat sein darf?

Zink Ich habe eine weiche Seite in allen Liebes- und Familiendingen. Es bedrückt mich, wenn da etwas nicht rund läuft. Ja, ich habe Familiensinn, Belastung und Freude zugleich. Darf das genügen?

Für viele Kabarettisten dient die "Dummheit" oder "Naivität" mancher in der Öffentlichkeit handelnden Personen als Steilvorlage. Haben Sie eigentlich Mitleid mit ihren potenziellen Opfern?

Zink Bei jedem, der heute durch den Dreck des öffentlichen Dorfes geschleift wird, regt sich irgendwann das Mitleid, auch wenn der oder die es "selber schuld" sind. Mir tun allerdings ebenso die Menschen leid, die von eben jenen enttäuscht wurden. Wenn vermeintliche "Hoffnungsträger" versagen oder den an Sie gestellten Anspruch einfach nicht erfüllen können, tut es mir auch um die Sache leid. "Wenn Hoffnungsträger versagen, ist es auch schade um die Sache."

Sind Sie gerne Rheinländerin? Sagen Sie, es hätte schlimmer kommen können, oder haben Sie viel am rheinischen Menschschlag auszusetzen?

Zink Ich bin gerne Rheinländerin und stehe zu meiner Herkunft. Der Rheinländer ist ein Produkt aus jahrhundertelanger Kreuzung vieler Völker. Deswegen ist der Rheinländer so tolerant "Laut Tucholsky ist Toleranz das Gefühl, dass der andere Recht haben könnte."

Wen würden Sie gerne auf einen langen Urlaub mitnehmen, wo es nichts zu lesen gibt?

Zink Helmut Karasek - denn dann braucht man kein Radio und auch nichts zu lesen.

Wie probieren Sie Gags aus?

Zink Meine Oneliner, also die kleinen Scherze mit weniger als zehn Worten, probiere ich gerne im persönlichen Gespräch aus. Für größere Gags sollte man textsicher sein und daher probiere ich diese Sachen lieber vor kleinem, aber zahlendem Publikum.