Emmerich: Wenn Mann zum Baum wird

Emmerich : Wenn Mann zum Baum wird

Einen ganzen Tag feiert Museum Schloss Moyland zum letzten Mal die besondere Ausstellung "Die zweite Haut". Und das im Sinne des Wortes: Corinna Lenzen lädt für Sonntag von 11 bis 18 Uhr zum Live-Body-Painting ein.

Wenn der Baum am Sonntag im Schlosspark von Moyland die Augen öffnet und sich bewegt, vielleicht mal eben salopp zum Tapetenwechsel wie einst die Birke sich in der Dämmerung auf den Weg macht, dann ist das völlig normal. Dieser Baum darf das: Denn Corinna Lenzen wird ihr Body-Paiting-Model am kommenden Sonntag, 27. Mai, 11 bis 18 Uhr, in Schloss Moyland zur Finissage der Ausstellung "Die Zweite Haut" in einen Baum verwandeln und durch den Park schicken. Die junge Frau wird als Model eins werden mit der Natur, so wie sie zur Eröffnung der Ausstellung eins mit den Bildern, regelrecht unsichtbar wurde in ihrer Bemalung. Also nicht erschrecken, wenn einer der Bäume im Schloss plötzlich die Augen öffnet und sich bewegt . . .

"Ich werde das Model, das zum Baum wird, vorher stylen, so dass sie sich frei durch den Park bewegen kann, mal hierhin, mal dorthin", sagt Corinna Lenzen, Bodypainterin aus Sonsbeck, die seit Jahren zum museumspädagogischen Team von Museum Schloss Moyland gehört und bundesweit Bodypainting-Aktionen veranstaltet. Was sie genau macht, damit aus der jungen Frau ein Baum wird, will Lenzen aber nicht offenlegen. "Das ist mein Geheimnis", sagt sie, lacht und erklärt, es gäbe Trägermaterial, es gäbe natürlich auch Moos und Naturmaterialien. Oder Dinge, die eben so aussehen. Nur eines verrät die Haut-Künstlerin definitiv: Alle Materialien sind dermatologisch getestet und einwandfrei, damit sie zur zweiten Haut werden können, ohne dass die erste Haut Schaden nimmt. Doch Lenzen wird Sonntag nicht nur eine Frau zum Baum machen, so wie sie jüngst bei einem Workshop in Moyland schon einen Mann verwandelte. Diesen Mann will sie dem Schloss eins werden lassen. "Er wird auf der Brüstung am Kutschenrondell sitzen, und ich werde vorführen, wie er sich nach und nach verändert", sagt Lenzen.

Man darf zuschauen, wie sie mit der Airbrush-Pistole, die sie locker zwischen Zeige-, Mittelfinger und Daumen hält, Farbschichten aufträgt - vielleicht die Farbe des das Schloss umgebenden Feldbrandklinkers, man darf zuschauen, wie sie aus ihrer ganzen Batterie von Pinseln die passenden herausholt, um feine Linie zu ziehen oder dicke Farbstreifen aufzutragen.

Die Besucher sehen schließlich, wie das eine oder Utensil zum Teil dieser zweiten Haut wird und der Mensch nach und nach zur Schlosswand wird. "Ich habe alle Pinsel dabei, vom ganz feinen 0.1 bis hin zu den Kabukis", sagt sie. Kabukis sind ganz dicke Pinsel-Puschel, die manche auch zum Schminken nimmt. "Man sieht nicht nur, wie eine kunstvolle Tarnhaut entsteht", verspricht Moyland-Sprecherin Sofia Tuchard. Passend zu Ausstellung, die an diesem Sonntag das letzte Mal im Schloss zu sehen sein wird.

Die Schau hatte anhand von 20 künstlerischen Positionen aus Fotografie, Skulptur und Installation untersucht, was es bedeuten kann, sich eine "zweite Haut" überzustreifen, um sich von der Natur abzugrenzen oder mit ihr zu verbinden, wie Alexander Grönert, Kurator der Ausstellung, die Schau vorgestellt hatte. Im Mittelpunkt standen die Fragen: Welche Geschichten lassen sich mit Kleidungsstücken erzählen? Können wir unsere Vergangenheit wie ein Stück Kleidung ablegen und wie ist es, die eigene Haut als Kleidung zu tragen?

Grönert wird am Sonntag von 14 bis 15 Uhr auch eine Kuratorenführung durch die Ausstellung anbieten. "Die Kunst hat sich immer wieder jenseits der Mode mit Kleidung als der ,zweiten Haut' des Menschen befasst und ausdrucksstarke Bilder und Projekte entwickelt, in denen mithilfe von Kleidung die Befindlichkeit des Menschen sowie seine Stellung in der Natur und der Gesellschaft angesprochen werden", sagt der Kunsthistoriker.

Info-Telefon: 02824 951068.

(mgr)