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Wegen Corona kann die Wählergemeinschaft in Rees nicht zur Wahl antreten

Kommunalwahl 2020 : Corona stoppt Wählergemeinschaft

Eigentlich wollte eine neu zu gründende Wählergemeinschaft in Rees zur fünften politischen Kraft werden. Doch das Coronavirus hat diese Bestrebungen zunichte gemacht. Ein neuer Anlauf ist nach der Kommunalwahl geplant.

Eigentlich sah es ganz gut aus für die Wählergemeinschaft, die Anfang des Jahres bekannt gab, in Rees im September bei den Kommunalwahlen antreten zu wollen. Frischen Wind wollte sie in den Reeser Rat bringen und für mehr Transparenz und Bürgernähe sorgen. Das hatte sie sich auf die Fahnen geschrieben und damit auch das Interesse einiger Reeser geweckt, die zu den Informationsveranstaltungen der neuen politischen Gruppierung gekommen waren. Doch zu einer Gründung der Reeser Wählergemeinschaft ist es bislang nicht gekommen.

Und das wird vor den im September anstehenden Kommunalwahlen auch definitiv nicht mehr der Fall sein. „Die Gründung stand unmittelbar bevor, aber dann kam Corona“, sagt Patricia Gerlings-Hellmanns. Wie die stellvertretende Vorsitzende der Vereinigten Wählergemeinschaften des Kreises Kleve (VWG) der RP jetzt auf Nachfrage mitteilte, habe es durchaus großes Interesse an einer Wählergemeinschaft in Rees gegeben. Acht Reeser hatten sich schon bereit erklärt, die neue unabhängige Gruppierung ins Leben rufen zu wollen. Doch das für März geplante Gründungstreffen musste wegen der Pandemie ausgesetzt werden.

„Die Sache liegt seitdem brach“, räumt Patricia Gerlings-Hellmanns ein. „Das ist zwar schade, aber wir haben es für richtig erachtet, jetzt nichts mehr übers Knie brechen zu wollen. Auch wenn es jetzt wieder Lockerungen gibt, wäre es für uns sehr schwierig geworden, die nötigen Unterschriften für die Wahlkreise zu holen oder Wahlkampf zu machen. Das ist selbst für die etablierten Parteien nicht einfach und würde für uns jetzt erst recht nicht funktionieren“, erklärt sie.

Aufgehoben ist aber nicht aufgeschoben. Die Wählergemeinschaft will in Rees einen neuen Anlauf nach den Kommunalwahlen unternehmen. „Das werden wir dann ganz in Ruhe angehen“, sagt Patricia Gerlings-Hellmanns.

Politisch verorten sich die Wählergemeinschaften in der Mitte. „Wir sind für alles offen, bis auf rechte Gesinnung“, sagt Patricia Gerlings-Hellmanns. Dabei könne es durchaus sein, dass die politische Gewichtung von Ort zu Ort unterschiedlich ist. Gut möglich also, dass sich eine Wählergemeinschaft eher auf soziale Belange konzentriert, während sich eine andere vielleicht eher „grüne Themen“ vornimmt. Dies hinge von den Protagonisten vor Ort ab. Kinderbetreuung, Schulbusverkehr, Wohnungsbau, Anliegergebühren und Straßenbaubeiträge – all dies könne auf der Agenda stehen.

„In einer Wählergemeinschaft ist es so, dass jeder sich einbringen kann, und dass alle Themen angesprochen werden können. Nicht wie in einer Partei, wo nur die eigenen Parteithemen besprochen werden und andere Themen anderen Parteien überlassen werden“, erklärt die stellvertretende Vorsitzende.

Das Hauptziel der Wählergemeinschaften sei jedoch mehr Transparenz und Mitbestimmung in den Räten und den Stadtverwaltungen. „Wir wollen, dass die Bürger besser mitgenommen werden“, sagt Patricia Gerlings-Hellmanns. In jeder Kommune seien den Bürgern die gleichen Themen wichtig, zum Beispiel die Abschaffung von Seilschaften und die Intransparenz von Parteien, aber auch Themen die zum Beispiel Baurechte oder Kindergartenregulierungen betreffen.

Im Kreis Kleve gibt es bereits 15 Unabhängige Wählergemeinschaften. Die letzte wurde in Kranenburg mit der „Wählergemeinschaft Bürgerdialog“ gegründet, das war noch ganz knapp vor Corona. Die WB wird dort zur Wahl antreten. Und kann sich Hoffnungen machen. Denn in allen Städten des Kreisgebiets, in denen eine Wählergemeinschaft bislang antrat, wurde sie auch in den Rat gewählt. Besonders erfolgreich war sie dabei in Kalkar. Auf Anhieb kam sie dort auf 33 Prozent.