Waschweiber feiern beim Frauenkarneval Haffen ihr Bühnenjubiläum

Karneval in Haffen : „Waschweiber“ feiern Bühnenjubiläum

Wenn am „zweiundzwanzigsten Zweiten“ die Haffener kfd zum Frauenkarneval einlädt, hat eine Rednertruppe besonderen Grund zum Feiern. Die „Waschweiber“ sorgen schon seit zwei Jahrzehnten für Lacher.

Der Haffener Karneval ist voll im Gange. Büttenabend, Karnevalscafé und Kindersitzung haben die Narren aus dem Dorf schon erfolgreich hinter sich gebracht. Jetzt lädt die Frauengemeinschaft (kfd) unter dem Motto „Vorwärts ins Gestern“ für kommenden Freitag ab 18 Uhr zum Frauenkarneval in die Schützenhalle. Und eine ganz besondere Truppe feiert dabei ihr Bühnenjubiläum.

Der „zweiundzwanzigste Zweite“ als karnevalistisches Datum ist wie gemacht für das 20-jährige Bestehen, dass die „Waschweiber“ feiern. Was 1999 mit einem „Putzfrauen-Sketch“ begann, hat sich mittlerweile zu einer festen Institution im Haffener Frauenkarneval entwickelt. Seit 20 Jahren ist die Rednertruppe bestehend aus Bärbel Hermsen, Beate Bockting und Birgit Stockmann fester Bestandteil der Frauensitzung. Vor acht Jahren löste Anke Schudlich Gründungsmitglied Irmgard Kürwers ab. Als traditionelle Hausfrauen verkleidet „waschen“ die Frauen Jahr für Jahr die dreckige Wäsche des Dorfes. Alles, was in und rund um Haffen passiert, wird beim Frauenkarneval durch den Kakao gezogen.

Das Erfolgsrezept der „Waschweiber“ ist dabei ganz einfach: Sich selbst nicht ganz so ernst nehmen. „Das meiste bekommen immer unsere eigenen Männer und wir selbst ab“, erzählt die 64-jährige Birgit Stockmann, deren Redeanteile auf der Bühne schon so oft mit „Mein Eugen…“ angefangen haben, dass dieser Satzanfang inzwischen schon so etwas wie ihr Markenzeichen ist. Die Männer der „Waschweiber“ kommen natürlich auch regelmäßig bei der Gestaltung der aufwändigen Kostüme für den Rosenmontagszug zum Einsatz, bei dem sich die Frauen regelmäßig an Fußgruppen beteiligen.

Der Witz und die Ironie des Alltags stellen das zweite Standbein der Waschweiber da. „Wir erfinden nichts“, versichert Beate Bockting. Die 54-jährige ist dafür zuständig die „Rohfassung“ der Reden zu verfassen, welche im Anschluss von den anderen Waschweibern abgeändert und zumindest „annäherungsweise“ auf die Bühne gebracht wird. Den Stoff für ihre Dorfgeschichten sammeln die Frauen gemeinsam. „Früher hatten wir immer jede Menge Zettelchen in der Handtasche. Heute gibt es zum Glück Smartphones“, bemerkt Bockting lachend.

Dass es die „Waschweiber“ in ihrer Heutigen Konstellation gibt, ist einem Zufall geschuldet. Denn erstmal hatten die vier Frauen mit der kfd-Sitzung wenig am Hut. Dies änderte sich im Jahr 1997. „Damals bin ich spontan als Vertretung eingesprungen“, erzählt Bärbel Hermsen, die bis heute dem Frauenkarneval treu geblieben ist und nach dem damaligen Gastauftritt zahlreiche Frauen rekrutierte beim Karneval mitzumachen.

Die 58-jährige ist auch mitverantwortlich für zahlreiche Accesoires und Kulissen der „Waschweiber“, die sich in zwei Jahrzehnten nicht verändert haben. Waschbrett, Wannen, Wäscheständer und Bügelbrett sind mit altmodischen „Liebestötern“ verziert, die immer wieder für Lacher sorgen. Die fast schon historischen Wäschestücke sind Spenden einiger älterer Damen, die Hermsen im Rahmen ihrer Arbeit in der häuslichen Pflege betreute. Die „Waschweiber“ liegen der Karnevalistin sogar so am Herzen, dass sie sich 2002 sogar als Karnevalsprinzessin den Kittel über das Prinzessinnenkleid zog.

Die 58-jährige Anke Schudlich stieß nach einem „Probearbeiten“ bei einem Auftritt auf Bärbel Hermsens 50. Geburtstag zu der Gruppe. Für die Fotografin war die Ausstellung „Erinnerung an die Alltagsmenschen“ vor zwei Jahren im Reeser Rathaus ein ganz besonderer Moment in der Geschichte der „Waschweiber“. In ihren Kostümen schossen die Frauen ein Foto mit den Waschweiberfiguren „Am Bär“. Zur Freude der Rednerinnen wurde ihr Schnappschuss für die Fotoausstellung ausgewählt – und direkt neben dem Büro des Bürgermeisters aufgehängt.

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