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Was 2018 in Rees und Isselburg für Gesprächsstoff sorgte

Ein Rückblick auf 2018 : Das war das Jahr in Rees und Isselburg

Ein Mann mit Beil, die Reeser Welle und eine Heldentat sorgten in 2018 für viel Gesprächsstoff.

Anfang des Jahres hielt dieser Kriminalfall viele Reeser in Atem: Binnen weniger Stunden hatte ein Unbekannter zunächst auf dem Bahnhof in Haldern und dann an einer Straße in Empel drei Menschen überfallen und mit einem Beil bedroht. Unter anderem hatte er auf die Scheibe eines Autos eingeschlagen, ein Mann wurde dabei leicht verletzt. Der Täter war zunächst entkommen, doch stellte es sich schnell heraus, dass es sich bei ihm um einen Marokkaner aus einer Flüchtlingsunterkunft handelte. Knapp vier Wochen nach der Tat konnte der 29-Jährige in Koekelberg bei Brüssel festgenommen werden.

Im Januar wurde in Isselburg ein neuer Bürgermeister gewählt. Der bisherige Bauamtsleiter Michael Carbanje (parteilos) setzte sich deutlich gegen den CDU-Kandidaten Olaf Roßmüller durch. Amtsvorgänger Rudi Geukes war nicht mehr angetreten. Die SPD, der er angehört, hatte eine Wahlempfehlung für Carbanje ausgesprochen. Ein Flyer der CDU, verteilt kurz vor dem Wahltag, hatte noch einmal für tüchtig Aufregung gesorgt. Das Blatt erweckte den Anschein, die Kandidaten objektiv zu vergleichen, erst am Ende stellte sich heraus, dass es von der Union stammte. Aussagen Carbanjes, so die Kritik, seien dabei entstellt wiedergegeben worden. Trotzdem – oder vielleicht gerade deshalb – kam Carbanje auf 67,8 Prozent, Roßmüller nur auf enttäuschende 28,8 Prozent. Der Dritte im Bunde, Johannes Epping von der FDP, erhielt 5,4 Prozent der Stimmen.

Typisches Haldern-Wetter: Philipp Poisel trotzte dem Regen beim Festival. Foto: Latzel/Sebastian Latzel

Ein neues Gesicht zeigte sich im Januar den Gemeindegliedern der Evangelischen Kirchengemeinden in Rees und Haldern. Sabina Berner-Pip wurde als neue Pfarrerin vorgestellt. Sie ist für beide Gemeinden zuständig, die aber nicht fusionieren. In Rees folgte sie auf Pastor Norbert Stephan, der in den Ruhestand ging.

Neue Pfarrerin: Sabina Berner-Pip mit Superintendent Thomas Brödenfeld und ihrem Amtsvorgänger Pastor Norbert Stephan Foto: Markus Van Offern/Markus van Offern

Nochmal zur Kirche, diesmal aber zur katholischen: Im März wurde bekanntgegeben, dass die Fusion der Reeser Gemeinden auf Eis gelegt wird. Für die Zusammenführung von St. Irmgardis in Rees, St. Georg in Haldern und St. Quirinus in Millingen, die irgendwann erfolgen soll, gibt es keinen festen Zeitpunkt, teilte das Bistum mit.

Wolf in Haffen-Mehr gesichtet. Christian Wellmann gelang diese Aufnahme, die für Aufsehen sorgte. Foto: Christian Wellmann

Einen Etappensieg konnten die Gegner der Reeser Welle in diesem Jahr erringen. Nachdem publik geworden war, dass die beiden Kiesunternehmen Holemans und Hülskens das Abgrabunsgvorhaben neu beantragt haben, formierte sich in Esserden Widerstand. Hoch her ging es auf einer Diskussionsrunde des WDR. Aber auch in der Reeser Politik. Helmut Wesser von den Grünen hatte öffentlich gemacht, dass die Stadt im Falle der Genehmigung des Vorhabens durch den Kreis Kleve zwei städtische Wege im Abgrabungsgebiet an die Unternehmen verkaufen wollte. Der Rat lehnte das ab. Weil die Information allerdings nur für den nicht-öffentlichen Teil der zuständigen Sitzung gedacht war, wurde dem Ratsherrn von SPD und CDU ein Verstoß gegen die Verschwiegenheitspflicht vorgeworfen. Wesser musste ein Ordnungsgeld von 200 Euro berappen. Da nun allerdings die Planungen geändert werden mussten, verfügte der Kreis Kleve, dass das Antragsverfahren noch einmal völlig neu aufgerollt werden muss. Die Unternehmen haben die Planungen in abgespeckter Form neu eingereicht. Der Ball liegt jetzt beim Kreis Kleve.

Im März sorgte das Foto eines Privatmannes in Mehr für Aufsehen. Er hatte einen umherstreifenden Wolf fotografieren können. Damit bestätigte sich ein Verdacht, den es schon längere Zeit gab, nämlich dass sich die Tiere auch am Niederrhein ausgebreitet haben. Was Naturverbände freut, ärgert Schäfer. Denn in der Folgezeit wurden in der Region immer wieder Schafe gerissen, erwiesenermaßen von einem oder mehreren Wölfen.

In Grietherort entstand die Idee, die erste Waldorfschule für den Kreis Kleve zu gründen. Viele Eltern aus dem Raum Rees, Emmerich, Kalkar und Kleve haben ihre Kinder bereits für die neue Schule angemeldet, die zum Schuljahr 2019/20 an den Start gehen soll. Die Eltern der Initiative führten in diesem Jahr viele Gespräche mit Kommunen und Privatleuten über den Standort, der in Kürze bekannt gegeben werden soll.

Eine für viele Freunde des Biotopwildparks Anholter Schweiz traurige Nachricht gab es in diesem Jahr: Der Bärenwald wird von dem Gelände in Vehlingen wegziehen. Der Vertrag mit den Pächtern wurde nicht mehr verlängert. Die Tiere sollen im kommenden Jahr nach Schleswig-Holstein gebracht werden, um dort an der Ostsee ein neues Domizil zu finden.

Einen schweren Brand verursachte im Juli währen der Trockenperiode der Mitarbeiter eines Betriebs im Gewerbegebiet auf der Rudol-Diesel-Straße in Rees. Bei Abflämmarbeiten war eine Hecke in Brand geraten, das Feuer griff dann auf sieben Garagen über, in denen unter anderem Boote und Fahrzeuge untergestellt waren. Die Reeser Feuerwehr war mit sämtlichen Löschzügen vor Ort, um den Brand zu bekämpfen und ein Übergreifen der Flammen auf andere Gebäude zu verhindern. Der Schaden war immens.

Eine heldenhafte Rettungstat vollbrachten im September Autofahrer, die einen verunglückten Bocholter in Isselburg aus seinem brennenden Fahrzeug befreien wollten. Der 63-Jährige war zuvor auf der B 67 mit mehreren Fahrzeugen kollidiert, sein Wagen fing sofort Feuer. Mehrere couragierte Ersthelfer versuchten sofort, den Mann aus seinem Wagen zu befreien. Es gelang ihnen, ihn zumindest neben seinen Pkw ins Freie zu ziehen. Mit einem Bein blieb der Bocholter jedoch im Wagen eingeklemmt. Mit einer Menschenkette holten die Helfer Wasser aus dem nahe gelegenen Bachlauf und mit dem zusätzlichen Einsatz von Feuerlöschern konnte der Pkw gelöscht werden. Wenige Tage später erlag der Mann im Krankenhaus seinen Verletzungen.

Alter Titel, neues Verfahren: Die Rheinkönigin in Rees, präsentiert von der Reeser Werbegemeinschaft und der Rheinischen Post, wird nicht mehr gewählt, sondern auf dem Rheinfest der Öffentlichkeit als neue Majestät vorgestellt. Soziales Engagement oder der Einsatz für die Stadt berechtigen zum Tragen des Titels. Zum ersten Mal kam das neue Procedere in diesem Jahr zum Tragen. Heike Beyer von der Reeser kfd ist die erste Rheinkönigin, die nach diesem Verfahren Schärpe und Krönchen erlangte.

Lange Zeit schien es völlig ausgeschlossen, dass es in Rees noch einmal ein neues Freibad geben könnte. Zu hoch waren der Stadtverwaltung die Kosten und Defizite, die mit einer einer solchen Einrichtung verbunden sind. Doch bereits im vergangenen Jahr zeichnete sich nach vielen Protesten eine Trendwende ab. Voraussetzung dafür war allerdings, dass das Finanzamt den steuerlichen Querverbund, wie es ihn schon für die Stadtwerke und das neue Hallenbad gibt, genehmigt. Und genau so kam es. Daraufhin votierte der Rat einstimmig für einen Neubau, für den die Politik auch auf Fördergelder hofft. Die Bauarbeiten werden frühestens Anfang 2021 starten, (Bauzeit: knapp zwei Jahre). Die Kosten werden auf 4,5 Millionen Euro gedeckelt.

Für die einen verbinden sich damit Kindheitserinnerungen, für die anderen ist es nur ein hässlicher Klotz, der möglichst schnell verschwinden sollte – die Turnhalle an der alten Grundschule in Rees. Als bekannt wurde, dass die Halle, die als baufällig gilt, abgerissen werden soll, gab es Widerstand. 1200 Menschen setzten ihren Namen unter eine Unterschriftenaktion, die das Gebäude aus den 1930er-Jahren retten soll. Wahrscheinlich wird sie über kurz oder lang dennoch weichen müssen. Nachdem ein Vorschlag der Stadtverwaltung, das Areal unter anderem für die Stadtwerke und Vereine zu nutzen scheiterte, weil die Stadtwerke lieber ein neues Domizil bauen wollen als ein altes teuer zu sanieren, sollen jetzt andere Ideen geprüft werden. Die Turnhalle aber würde abgerissen werden.

Gute Nerven brauchten Autofahrer zwischen September und November in Rees. Arbeiten an der Rheinbrücke und den umliegenden Straßen sorgten vor allem zu den Hauptverkehrszeiten für lange Staus. Zum Glück konnte Straßen NRW die Arbeiten sogar etwas früher abschließen als geplant.

(bal)