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Emmerich: Wahlkampf immer verrückter

Emmerich : Wahlkampf immer verrückter

Bereits am 13. Mai wird der neue Landtag gewählt. Offenbar trägt dieser Termindruck dazu bei, dass der Wahlkampf im Kreis Kleve kuriose Züge annimmt. CDU und SPD streiten um Kreide statt um Themen.

EMMERICH / REES Auf Landesebene bekamen Grüne und SPD Streit miteinander, weil die Grünen einfach "Zweitstimme Grün" in eine Sprechblase direkt neben das Konterfei von SPD-Ministerpräsidentin Hannelore Kraft geschrieben hatten. Die Genossen protestierten, sogar Kraft persönlich schaltete sich ein. Die umstrittene Sprechblase kam weg.

Im Kreis Kleve wird es jetzt beim Streit um Wahlkampfmethoden noch abstruser. Nachdem die Jusos dazu aufgerufen hatten, mit Kreide kunterbunte Wahlwerbung auf die Straße zu malen, konterte die CDU direkt: So etwas sei nicht hinzunehmen, meinte Landtagskandidat Dr. Günther Bergmann (CDU). Über Kreide würden Kinder in den Wahlkampf einbezogen, zudem errichteten die Genossen so Stolperfallen. Und überhaupt: Graffiti-Sprayer könnten sich ermuntert fühlen, kritisiert der Kreisverband.

Kreide als Stolperfalle?

Das Wort "Stolperfalle" rief gleich wieder die SPD auf den Plan. Die Politiker machten am Wochenende den Selbsttest "unter Missachtung größter Gefahren für Leib und Leben", wie die Genossen süffisant in einer Pressemitteilung schreiben. Mit großen Buchstaben malten die SPD-Wahlkämpfer "Bitte nicht stolpern" auf die Straße und ließen sich dabei mit dicker Malkreide in der Hand ablichten.

"Ernste Befürchtungen der Kreis-CDU, die Verwendung von Straßenkreide könne die Verkehrssicherheit gefährden, da sie sich als Stolperfalle erweisen würde, konnten ausgeräumt werden", teilte die SPD danach mit, und die Kreis Klever SPD-Bundestagsabgeordnete Dr. Barbara Hendricks ergänzt ironisch: "Ich habe mich intensiv mit dem Thema beschäftigt und herausgefunden, dass man über Straßenkreide nicht stolpert."

Auch der Halderner SPD-Landtagskandidat Bodo Wißen mischte bei der Kreideaktion am Wochenende mit. Fürs Foto imitierte er sogar einen Biss in die Kreide. "Es ist schon erstaunlich, dass der CDU-Spitzenkandidat Norbert Röttgen mit dem Slogan wirbt, er wolle die Welt aus den Augen der Kinder sehen und die Kreis Klever CDU Straßenkreide verbieten will", sagt er. "Ich freue mich immer, wenn vor meiner Haustüre am Apfeldornweg in Haldern Kinder die Straße mit Kreide bemalt haben."

"Uns ging es nicht darum, Kindern die Straßenkreide zu verbieten", erklärt CDU-Kreisgeschäftsführer Manfred Lorenz. Politische Botschaften überall zu versprühen, habe eine ganz andere Qualität.

(RP)