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Vortrag zu Leiharbeit: Prälat Peter Kossen kommt nach Emmerich

Prälat Peter Kossen fordert : „Kien Billigfleisch inne Fassentied!“

Am Aschermittwoch beginnt die Fastenzeit. Emmerichs ehemaliger Stadtpfarrer Peter Kossen, jetzt in Lengerich tätig, fordert Christen zum Verzicht auf Billigfleisch auf. Am 15. März spricht er auch darüber im Aldegundis-Heim.

Am heutigen Aschermittwoch beginnt die Fastenzeit, die bis Ostern andauert. Viele Menschen nehmen diesen Zeitraum zum Anlass, lieb gewonnenen Lebens- und Genussmitteln zu entsagen. Der ehemalige Emmericher Stadtpfarrer Peter Kossen, jetzt tätig als Pfarrer in Lengerich, fordert Christen in der Fastenzeit zu einem Verzicht auf, der auch einen sozialen Hintergrund hat, nämlich zum Verzicht auf Billigfleisch.

„Ich meine das Kilo Hackfleisch für 2,77 Euro, die Hähnchenschenkel für 17 Cent zu 100 Gramm und die Bratwurst für 89 Cent“, so Kossen. In der Fastenzeit bewusst hinzuschauen, wo das Fleisch herkommt und wie es produziert wurde – dafür will Emmerichs ehemaliger Stadtpfarrer möglichst viele Menschen gewinnen.

Die Zustände in der Fleischindustrie hat Kossen schon seit langem aufs Korn genommen. Seit seinem Wechsel von Emmerich ins Oldenburger Land – eine Hochburg der Fleischindustrie und Viehzucht – prangert er sie immer wieder an. Sind Menschen und Tiere für „Billig! Billig! Billig!“ gequält worden? Sind die Landwirte für ihre Arbeit angemessen bezahlt worden und die Arbeitsmigranten in den Großschlachthöfen auch? Das sind Fragen, die Kossen derzeit auch im Radio bei den „plattdeutschen Andachten“ stellt. NDR1/Radio Niedersachsen sendet sie momentan noch bis zum 8. März jeweils um 14.20 Uhr unter dem Titel „Dat kannst mi glöven“.

 „Das billige Fleisch hat einen hohen Preis“, sagt Kossen. Einen Preis, den die Landwirte mit ihrer Existenz, die Leiharbeiter aus Rumänien und Bulgarien mit ihrer Gesundheit und die Natur mit der Artenvielfalt und dem ökologischen Gleichgewicht bezahlen würden. „Der Hunger in der Welt hat mit dem verramschten Fleisch hier bei uns zu tun“, ist sich Kossen sicher, der in seinen plattdeutschen Andachten im NDR-Radio auch an die jüdisch-christliche Tradition erinnert, dass „Fasten“ auch Solidarität mit den Kleinen und Schwachen und Einstehen für Gerechtigkeit bedeutet. „Was Menschen, Tieren und der Natur angetan wird für die billige Wurst und das billige Putenfleisch, das kann man nicht wieder gutmachen“, ist sich der engagierte Geistliche sicher. „Fastenzeit ist eine Zeit der Befreiung, der geschärften Aufmerksamkeit für die Wahrheit. Fasten bedeutet Aufwachen, Aufstehen und Eingreifen. Jetzt ist die Zeit, in der sich etwas verändert durch Menschen, die etwas verändern! Es gibt Alternativen zum Verschleiß von Menschen, Tieren und Umwelt!“ „Laot us wat bäter maoken“, so Prälat Peter Kossen in seiner Muttersprache: „Kien Billigfleisch inne Fassentied!“

Interessierte Emmericher können sich am Freitag, 15. März, auf ein Wiedersehen mit Peter Kossen freuen und sich bei dieser Gelegenheit auch gleich persönlich mit dem Prälaten über das Thema unterhalten. Dann nämlich kommt er in die St.-Aldegundis-Kirche, um an seiner alten Wirkungsstätte um 18 Uhr den Gottesdienst gemeinsam mit der Seelsorgeeinheit St. Christophorus/St. Johannes, der Täufer zu feiern. Und da „Leiharbeiter und deren Lebensbedingungen“ ganz aktuell auch ein viel diskutiertes Thema hier in Emmerich ist, hat Stadtpfarrer Bernd de Baey Prälat Peter Kossen dazu eingeladen, über die Situation der Wanderarbeiter zu sprechen.

Im Anschluss an den Gottesdienst hält er einen Vortrag im Aldegundis-Pfarrheim. Danach gibt es auch noch Gelegenheit zum Austausch und zur Diskussion mit Emmerichs ehemaligen Pfarrer.