Vorlesetag in Emmerich mit verschiedenen Angeboten

Kultur : „Dumm gelaufen“ am Vorlesetag

Autor Erwin Kohl las aus seinem Niederrhein-Krimi „Dumm gelaufen, Martha“ vor. Doch nicht nur in der Buchhandlung „Leselust?Klar!“ gab es Angebote rund um das Thema Buch.

Was hat Martha denn nun wirklich gesehen? Kann man ihr überhaupt glauben, oder ist sie vielleicht dement? Hat die 79-jährige Seniorin den Mörder beobachtet? Diese Fragen wurden in der Lesung von Erwin Kohl, der zum bundesweiten Vorlesetag am 15. November in der Buchhandlung „Leselust?Klar!“ aus seinem Buch „Dumm gelaufen, Martha“ vorlas, natürlich nicht beantwortet. „Was hier gespielt wird? Das können sie alles in meinem Niederrhein-Krimi weiterlesen“, schmunzelte der Autor, der die rund 40 Zuhörer bestens unterhielt und neugierig machte auf das Geschehen. Lydia Klar, Inhaberin der Buchhandlung, und Verena van Niersen von der Wirtschaftsförderung begrüßten die Besucher.

„Dumm gelaufen, Martha“ heißt der neueste und inzwischen 13. Krimi des Gindericher Autoren Erwin Kohl. Lukas Born spielt wieder eine wichtige Rolle. Der suspendierte Hauptkommissar der Krefelder Kripo, der als Dauercamper auf dem Campingplatz „Happy Eiland“ in Labbeck lebt, schlägt sich mehr schlecht als recht als Privatdetektiv durch. Seine aktuelle Aufgabe, für die Freifrau von Saalfeld den entlaufenen Kater Manfred zu suchen, geht ihm tierisch auf den Senkel.

ArchiVfoto: DPA. Foto: dpa/Jens Kalaene

„Über mein Gemüt schwebt seit einer Woche das Tief ‚Manfred‘“, so stieg der Autor in die Lesung ein. Spannend wurde es, als eine Notarsgattin ihn mit der Suche nach ihrem seit sechs Wochen verschwundenen Ehemann beauftragt. Und als er erfährt, dass dieser zuletzt in Begleitung eines Polizisten gesehen wurde - eben von besagter Martha. Schließlich findet Lukas Born auch noch den Vermissten: im Wald verbuddelt, unter einer Schicht Erde und Blätter – mausetot.

Immer wieder unterbrach Erwin Kohl, der 1961 in Alpen geboren wurde, seinen humorvoll und unterhaltsam geschriebenen Krimi, um den Zuhörern kleine Anekdoten und Recherchegeschichten zu erzählen. So beruht dieses Buch auf einen wahren Fall, der sich in einem Dorf bei Frankfurt ereignete. „Da hat ein Ehemann seine Frau umgebracht. Wir nennen das sizilianische Scheidung“, erzählte Kohl. Es gab aber nur Indizien, keine Beweise, bis ein zufällig aufgeschnapptes Gespräch an der Theke auf den Tatort hinwies. Ebenso „geheimnisvoll“ geht es bei „Dumm gelaufen, Martha“ zu. Eine Hütte im Sonsbecker Wald, vom Autor bei einem Spaziergang entdeckt, wurde hier zum Ort des Geschehens.

Lustig war auch die Erzählung über einen kritischen Leser, der bemängelte, dass Erwin Kohl seiner Vorbildwirkung nicht nachkäme, weil er den Hund mit Leberwurstbroten und Wurstzipfel füttere. Er empfahl, das Tier auf vegetarische Kost umzustellen. Wenn der wüsste, das Manolo im neuen Roman sogar einen Napf voll Bier bekommt...

Neben dem Krimi-Schreiben produziert der Autor auch Hörfunkbeiträge und ist als freier Journalist unter anderem für die Rheinische Post tätig. Grundlage seiner Geschichten sind zumeist reale Begebenheiten, darin verarbeitet er die Mentalität der Niederrheiner und ihre vielschichtigen Charaktere. Den Zuhörern gefiel die Lesung, einige kauften sich das Buch und ließen es vom Autoren signieren.

Lesen liege vor allem bei der Generation 50plus immer noch im Trend, sagte Buchhändlerin Lydia Klar. Wegen des großen Medienangebotes sei der Bücherkauf zwar etwas rückläufig, gerade auch bei jüngeren Leuten, aber beispielsweise zu Weihnachten und Geburtstagen werden Bücher – vor allem auch Kinderbücher – immer noch gerne verschenkt.

Er mag vor allem Krimis, meinte Chris ter Voert, mit 33 Jahren einer der jüngeren Gäste. Seine Favoriten sind Niederrhein- und Eifel-Krimis und Thriller. Auch Rebecca Rose liest viel, gerne auch internationale Krimis, beispielsweise aus Skandinavien. Elfi Peters, deren Tochter Nicole selbst Autorin ist und in der nächsten Woche in der Stadtbücherei liest, mag alles querbeet: Kurzgeschichten, Fachbücher und zur Zeit einen Krimi. „Besser als Fernsehgucken“, sagte die Emmericherin.