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Vor 100 Jahren wurde der Politiker Eduard Lensing in Rees geboren

Vor 100 Jahren : Politiker mit Bodenhaftung

Heute vor 100 Jahren wurde Eduard Lensing geboren. Der Landwirt aus Reeserward saß für die CDU im Bundestag. Bis zu seinem Tod im Jahr 2004 konnte er vieles für Rees bewirken. In seiner Heimatstadt war er beliebt.

Eine der bekanntesten Reeser Persönlichkeiten wäre am Montag, 20. April, 100 Jahre alt geworden: Eduard Lensing. Als der Landwirt und CDU-Politiker aus Reeserward vor 16 Jahren starb, würdigte ihn der damalige Reeser Bürgermeister Dr. Bruno Ketteler: „Eduard Lensing hatte Charme und ein Talent, mit Menschen umzugehen. Das ist ein großer Verlust für die Stadt.“

Der Rheinischen Post hatte Lensing einmal den Grund für sein politisches Engagement genannt: „Wenn man das Elend des Krieges selbst gesehen hat, will man etwas dafür tun, dass das nie wieder passiert“.

Am 20. April 1920 in Reeserward geboren, legte Eduard Lensing 1938 am Emmericher Gymnasium sein Abitur ab und absolvierte eine Landwirtschaftslehre auf dem Gut Eichholz bei Bonn. Dann kam der Zweite Weltkrieg: Von 1940 bis 1945 war Lensing Soldat, zuletzt als Leutnant der Reserve und Batteriechef. Gegen Kriegsende geriet er in britische Gefangenschaft, aus der er 1945 entlassen wurde. Danach kehrte er nach Reeserward zurück, wo er den Bauernhof seiner Familie wiederaufbaute.

1948 trat er in die CDU ein, war ab 1952 Kreistagsmitglied des Kreises Rees und dort ab 1955 Fraktionssprecher der CDU. Ab 1952 war er Bürgermeister von Reeserward, bis der Ortsteil 1969 eingemeindet wurde. Nach der kommunalen Neugliederung wurde er Ratsmitglied der Stadt Rees.

Dem Deutschen Bundestag gehörte Lensing von 1969 bis 1972 an. In Bonn arbeitete er im Innenausschuss und später im Ausschuss für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten. 1969 war er Mitglied der fünften Bundesversammlung, die Gustav Heinemann zum Bundespräsidenten wählte. Dessen Vorgänger Heinrich Lübke begrüßte Lensing ebenso im Reeser Rathaus wie Bundeskanzler Konrad Adenauer und weitere Politprominenz.

Eduard Lensing erhielt 1972 das Bundesverdienstkreuz 1. Klasse, auch für das Engagement in seiner niederrheinischen Heimat. So gehörte er fast 50 Jahre dem Kuratorium des Reeser Maria-Johanna-Hospitals an und förderte mit seinen Kontakten den Wiederaufbau und Ausbau des Krankenhauses. Mit dem ehemaligen Chefarzt Dr. Ludwig Baumann schrieb er die Chronik des Hospitals.

Als die Stadt Rees 1973 das „Rees-Festival“ ausrichtete und Menschen mit dem Familiennamen Rees einlud, wurde der prominenteste Besucher auf dem Hof der Familie Lensing einquartiert: Der deutschstämmige Raketenforscher Eberhard Rees, der maßgeblich an den Saturnraketen und an der ersten Mondlandung beteiligt war, gastierte in Reeserward und schenkte Eduard und Margret Lensing ein Stück Mondgestein.

Den 84. Geburtstag, seinen letzten, verbrachte Eduard Lensing im Kreise seiner CDU-Parteifreunde. An jenem Abend wurde Dr. Bruno Ketteler erneut als Reeser Bürgermeisterkandidat nominiert. Nur vier Monate später starb er am 27. August 2004. Bei der Beerdigung am 2. September 2004 nahmen viele seiner Weggefährten Abschied von „einer der markantesten Persönlichkeiten der Stadt Rees“, wie ihn die Rheinische Post damals in einem Nachruf beschrieb.