Rees: Von Rees ans andere Ende der Welt

Rees: Von Rees ans andere Ende der Welt

Bereits vor vier Jahren hat sich in ihr der Wunsch manifestiert, nach dem Abitur ins Ausland zu wollen. Annika Schmitz ist 18 Jahre alt und ist zur Zeit noch mitten im Abiturstress für ihre Prüfungen am Gymnasium Aspel in Rees. "Bevor ich nach Rees kam, habe ich die Anna-Freud-Schule in Köln besucht, dort im Internat gelebt und meinen Realschulabschluss gemacht. Eine Beraterin für Berufswege hat mich auf die Idee gebracht, ein Freiwilliges Soziales Jahr im Ausland zu verbringen", sagt die Gymnasiastin.

Seit ihrer Geburt hat sie eine linksseitige Lähmung, sodass sie nur ihren rechten Arm benutzen kann und eine Gehbehinderung hat. Das habe sie aber nie von ihrem Vorhaben abgehalten, nach der Schule ins Ausland zu wollen. "Ursprünglich wollte ich nach Neuseeland", sagt die selbstbewusste junge Frau, "aber nach einigen Recherchen ist mir ein Projekt in Südafrika ins Auge gefallen, das vom deutsch-südafrikanischen Jugendwerk in Bad-Honnef geleitet wird". In Absprache mit Mitarbeitern des deutsch-südafrikanischen Jugendwerks (DSJW) wurde sie einem Projekt in Johannesburg zugeteilt, denn in der Großstadt sei die medizinische Versorgung einfach besser, sagt Annika.

Am 15. August diesen Jahres startet sie ihren Freiwilligendienst beim Projekt der West Lutheran Community Church. Auf dem Gelände der Community Church gibt es einen Kindergarten, eine Vorschule und eine Schule für die südafrikanischen Kinder sowie eine Kirche. "Ich werde den Kindern bei den Hausaufgaben helfen, Schwimmunterricht geben und an gemeinsamem Spiel und Spaß darf es natürlich nicht fehlen", sagt die 18-Jährige. "Außerdem gibt es in der Kirche jeden Sonntag drei Gottesdienste: einen auf Englisch, einen auf Deutsch und einen in der Heimatsprache der Region, bei deren Vorbereitung ich mithelfen darf."

In diesem Monat habe Annika ihr erstes Vorbereitungsseminar, wo sie die anderen Freiwilligen treffe und zum Beispiel auf die Situation im Land, typische kulturelle Eigenarten, aber auch Gefahren wie AIDS und andere Risiken vorbereitet werde. Auch in der ersten Woche in Afrika durchlaufen die Freiwilligen ein Vorbereitungsseminar, es gibt Zwischenseminare in Afrika und ein Rückkehrseminar in Deutschland, die dafür sorgen, dass keiner der Freiwilligen mit Sorgen, Wünschen oder Ängsten alleine bleibt. Annika ist glücklich, beim DSJW angenommen worden zu sein, den sie zeigten sich sehr offen und hilfsbereit.

"Alles in allem wird der Mai sehr stressig für mich", sagt Annika. Neben Impfterminen, der Abholung ihres Visums in Berlin, der Beantragung von Dokumenten und dem Seminar warten noch eine Abiturprüfung und ein Einstellungstest an der Universität auf die vielbeschäftigte Frau. Logopädie möchte sie studieren, sobald sie im August 2019 aus Südafrika zurückkehrt.

Aber das Freiwillige Soziale Jahr erfordert nicht nur viel Organisation, sondern es kostet auch viel Geld. Das DSJW untersteht dem Weltwärts-Programm der Bundesregierung, das jedes Jahr viele Jugendliche ins Ausland vermittelt. Weltwärts übernimmt 75 Prozent der Kosten für Annikas Auslandsjahr, 25 Prozent muss sie selber zahlen. "Mit meinem Anteil werden das Bestehen der Kirche vor Ort und die Kinderprojekte gefördert", sagt Annika. "Obwohl die Bundesregierung schon einen großen Teil übernimmt, muss ich noch sehr viel zahlen und ich würde mich freuen, wenn viele Leute bereit sind, mich bei meinem Traum vom Auslandsjahr finanziell zu unterstützen". Auch von den Entsendeorganisationen wird empfohlen, dass die Freiwilligen sich durch Spendeneinnahmen unterstützen lassen.

Ob es ihr Sorgen bereitet, ein Jahr in einem fremden Land zu verbringen? "Nein. Warum sollte ich nicht Dinge machen können, die gesunde Menschen auch machen? Immerhin ist mir die Möglichkeit gegeben und ich erhalte tatkräftige Unterstützung, vor allem von meiner Familie. Mehr Sorgen mache ich mir darum, mir all die afrikanischen Namen der Kinder nicht merken zu können", sagt sie. Nun sei sie gespannt auf das Land, die Kultur und Musik, die Politik und vor allem auf die Kinder.

Wer Annika unterstützen möchte, kann spenden: Annika Schmitz IBAN: DE 24 3246 0422 0023 2614 21

(RP)