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Emmerich: Verrückter Fall um Knöllchen

Emmerich : Verrückter Fall um Knöllchen

Die Pflegerin von Siegfried Frohs bekommt immer wieder einen Strafzettel. Der 78-Jährige wohnt nämlich in einer Straße, in der es nur Anwohnerparkplätze gibt. Darauf hat der Mann aber ohne Auto keinen Anspruch.

Siegfried Frohs ist schwer krank. Er hat unter anderem Diabetes, ist auf einem Auge fast blind und braucht ständig Sauerstoff. Seit 15 Jahren sitzt der Emmericher jetzt bereits im Rollstuhl und ist täglich auf die Hilfe eines Pflegedienstes angewiesen. Selbst Waschen oder Anziehen ist für ihn alleine nicht möglich.

Der 78-Jährige wohnt in der Königstraße in der Emmericher Innenstadt – und in der sind Parkplätze bekanntlich knapp. Noch schwieriger ist es in der Königstraße: Die Parkplätze sind hier ausschließlich für Anwohner reserviert, ein Problem für den Pflegedienst.

Schon mehrfach habe die Krankenschwester ein Strafprotokoll bekommen, berichtet der 78-Jährige. "Das darf doch nicht sein, die Frau hilft mir doch. Da muss doch eine Ausnahme möglich sein", meint Siegfried Frohs.

Er hat selbst auch schon wegen eines Anwohner-Parkausweises bei der Stadt nachgefragt. Den allerdings bekommt er nicht. "Die Begründung lautet, weil ich ja kein Auto habe. Mein Rollstuhl zählt eben nicht", sagt er sarkastisch und kann die Regelung nicht verstehen. Nachbarn mit mehreren Autos bekämen auch gleich mehrere Ausweise.

Stadtsprecher Herbert Kleipaß kann die Notsituation des Mannes gut verstehen. "Aber es gibt nun einmal die Regelung, dass es einen solchen Anwohner-Parkausweis nur gibt, wenn jemand auch ein Auto hat."

Es sei allerdings möglich, einen Ausnahme-Parkschein zu beantragen.

Der wird etwa an Handwerker ausgegeben, die in der Nähe der Baustelle parken müssen. "Solche Ausweise gibt es auch für Pflegedienste, eine Reihe nutzt diese auch", erläutert Markus Gremann vom Emmericher Bürgerbüro, in dem die Parkausweise für Pflegedienste erhältlich sind. Sie kosten im Jahr 78,50 Euro und werden jeweils für zwei Kennzeichen ausgestellt.

So kann ein Pflegedienst ihn dann auch für zwei Wagen nutzen, wenn unterschiedliche Pfleger eine Person betreuen.

Sie gelten im gesamten Stadtgebiet. Hat ein Pflegedienst hier mehrere Patienten, rechne sich das schnell, heißt es. Unbegrenzt Parken dürfen aber auch die Pflegedienste mit der Ausnahmeregelung nicht. Sie ist nämlich auf zwei Stunden begrenzt. Daher muss eine Parkscheibe gesetzt werden.

Übrigens: Betreut wird Frohs von einem privaten Pflegedienst aus Kleve.

Dort kannten die Verantwortlichen die Möglichkeit dieses Parkausweises noch nicht.

(RP)