Urkundenbuch in Emmerich

Emmerich: Alte Urkunden erzählen die Stadtgeschichte

Eine Heidenarbeit war das. Jahre hat eine fleißige Historikerin Urkunden, die für die Stadtgeschichte wichtig sind, zusammengetragen. Und wenn dann noch ein Notar aus dem 14. Jahrhundert eine undeutliche Handschrift hat, macht das die Sache nicht einfacher.

Wenn man auf das vergangene halbe Jahr zurückschaut, kann man sehr stolz sein, weil der Geschichtsverein vier Bücher herausgegeben hat, sagte Herbert Kleipaß, Museumsleiter und Vorsitzender des Geschichtsvereins.  „Neben der Chronik ‚40 Jahre Emmericher Geschichte’ und dem Buch ‚Ek proot Emmereks Platt’ war es das Eduard-Künneke-Buch und jetzt das Urkundenbuch II.“ Diese Aufstellung zeige die Vielseitigkeit des Verlagsprogramms, so Kleipaß, der besonders auch den stellvertretenden Vorsitzenden Hans Friedrichs lobte, der sowohl redaktionell als auch finanziell die Fäden in der Hand hielt.

Am Donnerstag stellte Ulrike Spengler-Reffgen, die das Urkundenbuch II zusammenstellte, im Rheinmuseum Emmerich ihre Arbeit vor. „Wir tun gut daran, diese Schätze für die Nachwelt zu erhalten“, sagte Bürgermeister Peter Hinze.

19 Jahre dauerte die Fertigstellung des zweiten Bandes dieses Standardwerkes für die Stadtgeschichte. Pastor Paul Seesing hat 1984 die ersten Anregungen für Band I gegeben, die Geschichtsvereinsvorsitzenden Hubert Meenen und Walter Axmacher haben die Arbeit unterstützt, bedankte sich Spengler-Reffgen. Das neue Buch umfasst einen kurzen Zeitraum, beginnend mit den ersten Urkunden, die nach der Verpfändung Emmerichs an den Grafen von Kleve – also nach dem 17. März 1355 ausgestellt wurden – bis zum Jahr 1377. In diesen 22 Jahren des 14. Jahrhunderts besaß Emmerich seit mehr als 120 Jahren Stadtrechte, eine funktionierende Verwaltung, hatte mit St. Martini eine Stiftskirche und mit St. Aldegundis eine Pfarrkirche und es gab bereits etliche der heute bekannten Plätze und Straßen, erläuterte die Referentin. Die Urkunden über Emmerich – es gab zu der Zeit eine enorme Fülle – lagern an verschiedenen Orten, unter anderem im Landesarchiv NRW in Duisburg, im Bistumsarchiv Münster, im „Gelders Archief“ in Arnheim und in Huis Bergh in ´s-Heerenberg. „Die Herausforderung bestand darin, dass sie in einer uns nicht vertrauten Schrift und in einer nicht allen verständlichen Sprache, oft in Latein und Niederdeutsch, verfasst sind“, sagte sie. So habe der Emmericher Notar Johannes Mecking sie mit seiner undeutlichen Schrift fast zum Verzweifeln gebracht, aber im Laufe verschiedener Urkunden habe sie diese Schrift immer besser lesen gelernt. „Zum Schluss ist er mein Freund geworden“, sagte Spengler-Reffgen.

  • Emmerich : Geschichtsverein: Kleipaß soll auf Axmacher folgen

Über 300 Urkunden sind in dem Buch beschrieben, es gibt eine Original-Abschrift und eine Übersetzung, zwar nicht wörtlich, sondern eher als Inhaltsangabe. „Der Emmericher Kanoniker Engelbert von Elze bekundet, dass er den Kauf von 18 Schillingen jährlich, die er von Johann von Didam erworben hat für Heinrich Willem, der auf dem Geistmarkt wohnt, mit dessen Geld getätigt hat, so dass weder er noch jemand an seiner Stelle ein Recht an diesem jährlich zu zahlenden Geld noch an dessen Erbgut besitzt“, steht beispielsweise in einer Urkunde vom 4. Juli 1368.

Um das Ganze übersichtlicher zu machen, wurde das Buch mit einem Register mit Personen und Ortsnamen versehen. „Beim Durchblättern können Sie interessante Entdeckungen machen“, sagte Spengler-Reffgen. So liest man in den Urkunden von der Stiftung des Gasthauses, von Überschwemmungen, Rechtsvorgängen, Schenkungen und Testamenten, die drei bis vier Seiten lang sein können, weil bis zum silbernen Löffel und Leinentüchern alles einzeln aufgezählt ist. Auch „irritierendes Verhalten“ von Emmericher Bürgern ist erwähnt, so haben beispielsweise einige Spitzbuben Bauholz auf dem Friedhof zu Bienen geklaut. „Viel Freude bei der Benutzung des Buches“, wünschte die Autorin. Der geplante dritte Band soll die Zeit bis 1402, dem endgültigen Übergang an Kleve, mit rund 300 Urkunden dokumentieren. „Die Fertigstellung wird aber schneller gehen“, versprach Ulrike Spengler-Reffgen.

 Das Buch „Urkundenbuch II“ hat 416 Seiten, ist 1260 Gramm schwer und 3,2 cm dick. 1,1 Millionen Zeichen und fast 200.000 Wörter wurden darin „verarbeitet“. Gedruckt wurde es von der Druckerei J.L.Romen. Es ist im Rheinmuseum und bei der Buchhandlung Ressing erhältlich für 80 Euro, Mitglieder des Geschichtsvereins zahlen 55 Euro.

(moha)