Emmerich: Unwürdiger Abschied vom Wirtschaftsförderer

Emmerich : Unwürdiger Abschied vom Wirtschaftsförderer

Dr. Hans-Christian Lindner verstarb in der vergangenen Woche. Stadt-Nachruf in einem Anzeigenblättchen.

Mit einem Nachruf in Nachbarschaft zu Bordellwerbung und Kleinanzeigen hat sich die Stadt Emmerich von ihrem langjährigen Wirtschaftsförderer Dr. Hans-Christian Lindner verabschiedet. Er starb am 28. Februar im Alter von 80 Jahren. Unterzeichnet ist der Nachruf von Bürgermeister Peter Hinze und dem Personalratsvorsitzenden André Pommerin.

Lindner trat 1989 in den Dienst der Stadt Emmerich ein, bei der er die Stelle des Leiters der Stabsstelle Wirtschaftsförderung bekleidete.

Zu den Schwerpunkten seiner Arbeit zählt die Stadtverwaltung insbesondere die Initiierung und Förderung grenzüberschreitender Projekte in den Bereichen Wirtschaft und Tourismus. Dr. Lindner schied im Jahr 2000 aus dem Dienst aus.

Der Verstorbene war neben seiner Tätigkeit im Rathaus in Emmerich ein bekannter Mann. Warum die Stadtverwaltung ihn lediglich mit einer Annonce in einem Anzeigenblatt würdigt, verwundert daher umso mehr. Üblicherweise würde im Falle des Ablebens einer bekannten Person aus dem Rathaus oder dem politischen Leben der Stadt die Verwaltung darauf mit einer Notiz an die Tageszeitungen reagieren, falls diese nicht schon selbst davon erfahren hätten. Falls das nicht erfolgt, so ist der Nachruf der Kommune in der Tageszeitung ein normales Vorgehen.

In den vergangenen Wochen hat die Stadtverwaltung bereits in anderen Fällen, bei denen es sich um weniger bekannte Personen handelte, auf einen angemessenen Nachruf verzichtet.

Unabhängig von der fragwürdigen Wertung, die die Stadtverwaltung durch dieses Vorgehen zum Ausdruck bringt, gibt sie auch noch öffentlich zu verstehen, dass sie die letzte Ehre für ihre Mitarbeiter in erster Linie als eine finanzielle Belastung betrachtet.

(ha)
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