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Emmerich: Unterführung: Selbst Gauck hilft nicht

Emmerich : Unterführung: Selbst Gauck hilft nicht

Die Stadt lehnt die Hüthumer Unterführungs-Wünsche ab. Der Bundespräsident erklärt sich für nicht zuständig. An anderen Stellen fordert die Stadt Nachbesserungen beim Betuwe-Ausbau, beispielsweise Lärmschutz am Bahnhof.

Emmerich sollte sich auf den Bau einer Unterführung an der Felix-Lensing-Straße nicht einlassen. So lautete die offizielle Empfehlung der Stadtverwaltung. Der Grund: Es wäre zu teuer.Es würden "im Idealfall 4,1 Millionen Euro als allein von der Stadt Emmerich am Rhein zu tragende Kosten verbleiben", heißt es.

Tatsächlich stimmt die Zahl nicht, nach neuen Erkenntnissen würde ein Neubau um einige Hunderttausend billiger. Aber es bleibt beim Fazit: nicht finanzierbar.

Und es kommt noch schlimmer für die Hüthumer: Landwirt Alexander Bossmann hat Antwort von Bundespräsident Joachim Gauck erhalten. Bossmann will einen Unterführungsbau bekanntlich mit Schenkungen unterstützen. Als Gauck im Mai in Kleve war, passte Bossmann ihn ab und drückte ihm ein Schreiben darüber in die Hand.

Der Antwortbrief aus dem Bundespräsidialamt erläutert, dass der Bundespräsident nun mal nicht in Regierungsverantwortung steht. "Er kann Ihre Anregungen nur zur Kenntnis nehmen", und das habe Gauck auch "mit Respekt" getan. Er habe aber "keine Möglichkeit, auf die Deutsche Bahn oder andere zuständige Stellen Einfluss zu nehmen". Bossmanns Schreiben sei dem Bundesverkehrsministerium zugeleitet worden.

Heute Nachmittag noch befasst sich der Ausschuss für Stadtentwicklung des Stadtrates mit dem Betuwe-Ausbau im Abschnitt 3.4 "Emmerich-Hüthum". Die Stadtverwaltung hat einen dicken Packen Papier mit dem Entwurf zur offiziellen Stellungnahme vorgelegt: Es werden Nachbesserungen verlangt.

So fordert die Stadt Lärmschutz auch am Bahnhof. Das ist bislang bekanntlich nicht geplant, weil am Bahnhof selbst nichts umgebaut wird. Nicht akzeptabel, meint die Stadt: "Wir haben viel mehr an Verkehr aufzunehmen, und gerade am Bahnhof haben wir die Brems- und Anfahrtsvorgänge", sagt Bürgermeister Johannes Diks.

Ferner fordert die Stadt einen optimalen Erschütterungsschutz für alle drei Gleise, was deutlich über die Pläne der Bahn hinausgeht. Und sie hätte gerne exakt definiert, was genau den "Konsens" ausmachen soll, der Emmerich von Kosten befreit. Was die Sicherheit betrifft, so plane die Bahn "völlig ungenügenden Vorkehrungen für Rettungseinsätze". Und nicht zuletzt rügt die Stadt, dass es an Transparenz darüber fehle, "wie und vor allen Dingen wann der Einfluss der Blockverdichtung wirksam werden wird".

Die Situation in Hüthum hält Bürgermeister Diks für hinnehmbar, auch, ohne Unterführung an der Felix-Lensing-Straße. Denn die ursprünglichen Bahn-Pläne seien weitaus übler gewesen: "Leider wird alles vergessen, was wir schon erreicht haben, und nur das gesehen, was wir gerne noch zusätzlich hätten." Stecke man nun Millionen in Hüthum, müsste man anderen Ortsteilen ebenso entgegenkommen: "Ich weiß nicht, wer das nachher bezahlen soll."

Insgesamt hat es zum Abschnitt "Emmerich-Hüthum" bis jetzt etwa 300 Einwendungen von Bürgern gegeben. Alexander Bossmann kämpft für mehr. Er hat hunderte Schreiben an Bürger in Hüthum und Borghees verteilt, in denen er sie auffordert, jetzt noch Einsprüche zu erheben. Und er will sich noch mal an den Bundespräsidenten wenden: "Jetzt ist er schließlich schon mal involviert."

(RP)