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Ulrike Büker ist die neue Kämmerin der Stadt Emmerich

Emmerich : Ulrike Büker - Das denkt die Frau, die sich um das Geld im Rathaus kümmert

Ulrike Büker, bis zuletzt in Solingen beschäftigt, zeichnet ab sofort für die Emmericher Finanzen verantwortlich. Die 59-Jährige sieht den städtischen Haushalt trotz Greensill in einer komfortablen Situation.

Aufgeräumt, eloquent und zuversichtlich – Ulrike Büker hinterließ bei ihrer Vorstellung im Emmericher Ratssaal am Donnerstagmittag einen erfrischenden Eindruck. Die 59-Jährige hat in der vergangenen Woche den Posten als Stadtkämmerin übernommen. Ihre Aufgaben hatte zuletzt Melanie Goertz kommissarisch ausgefüllt, nachdem Ulrich Siebers im August 2019 verstorben war.

„Im Vergleich zu anderen Kommunen steht Emmerich komfortabel da. Es ist meine Aufgabe, verantwortungsvoll mit dem Steuergeld, das fremdes Geld ist, umzugehen“, sagt Büker. Den Vergleich mit anderen Haushaltslagen darf sie ziehen. Ulrike Büker zeichnete schließlich bis Ende Mai für das Finanzmanagement in Solingen verantwortlich. Eine Stadt, die hunderte Millionen Euro Schulden hat. „Noch mehr pleite als Solingen geht gar nicht. Als Unternehmen wäre Solingen pleite“, sagt sie. In Emmerich sieht sie deutlich mehr Spielraum, immerhin umfasste die Ausgleichsrücklage zum Jahreswechsel noch 26,5 Millionen Euro.

Zum Hintergrund: Von 2016 bis 2019 hatte die Stadt einen Jahresüberschuss erwirtschaftet. Die mittelfristige Finanzplanung aber sieht vor, dass dieser Betrag in den kommenden Jahren schmilzt – und zwar recht deutlich.

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Nach Jahren in Solingen sei Büker nun reif für eine andere Aufgabe gewesen. „Ich mag Veränderung“, sagt sie. In Emmerich geht es für Ulrike Büker zwar um kleinere Summen als in Solingen, dafür steht sie nun aber an der Spitze der Kämmerei, des Fachbereichs zwei im Rathaus. Vor ihrer Zeit in der nordrhein-westfälischen Großstadt war Ulrike Büker bei der Kämmerei der Stadt Detmold und der Gemeindeprüfanstalt tätig. „Ich habe die Arbeit von knapp 60 Kommunen aller Größenordnungen geprüft. Die Tätigkeit hat den Vorteil, dass man in eine Verwaltung kommt, erzählt, was alles anders gemacht werden sollte und dann wieder geht“, sagt Büker. Nun aber wolle sie selbst an der Spitze Verantwortung übernehmen, die Früchte ihrer Arbeit ernten. Und da sie ihren Arbeitsplatz bislang immer nach etwa neun Jahren gewechselt hat, ist damit zu rechnen, dass die Stadtkämmerin in Emmerich in den Ruhestand geht.

Dafür zog es die erfahrene Verwaltungskraft gleich auch in die Region, Ulrike Büker hat sich im Reeser Ortsteil Bienen niedergelassen. „Ich fühle mich unglaublich wohl hier. Ich genieße das Privileg, dort zu leben, wo andere Urlaub machen, wofür andere Geld zahlen“, sagt sie.

In den kommenden Wochen bestünde ihre Aufgabe noch zuvorderst darin, sich einen Überblick über die Finanzlage zu verschaffen und die Mitarbeiter kennenzulernen. „In den nächsten zwei Wochen möchte ich mir noch die Zeit nehmen, mit allen Kollegen Einzelgespräche zu führen“, sagt Ulrike Büker. Froh sei sie darüber, dass Melanie Goertz und Vize-Fachbereichsleiter Niklas Kehren sie in den vergangenen Monaten bereits weitreichend eingearbeitet hätten, regelmäßig hätten Telefonate stattgefunden.

Um die Emmericher Stadtfinanzen war es in den vergangenen Monaten unruhig. Immerhin hatte die Verwaltung sechs Millionen Euro bei der Greensill Bank angelegt. Das Steuergeld aber dürfte durch deren Pleite verloren sein. Die Lokalpolitik ist nun mit einem kommunalen „Untersuchungsausschuss“ drauf und dran, herauszufinden, wie es zu der Geldanlage kommen konnte – und ob die Kämmerei diese bei verständiger Abwägung aller Umstände rund um das Kreditinstitut hätte unterlassen sollen. Die Chance, dass Kommunen Geld aus der Insolvenzmasse zurückbekommen, ist Stand jetzt schwindend gering.

Bei der Stadt Solingen sei sie nie mit der Frage konfrontiert worden, ob eine Geldanlage bei Greensill sinnvoll wäre, so Büker auf Nachfrage unserer Redaktion. Immerhin hatte die öffentliche Hand dort keine Überschüsse, die man hätte anlegen können. Mit der Untersuchung der Causa Greensill werde sie sich auch nicht weitergehend befassen, wie sie bei ihrer Vorstellung erklärte. „Eine 13. Expertin braucht es da nicht, die Prüfung ist in guten Händen“, sagt sie.

Als Kämmerin sieht sich Ulrike Büker künftig auch in der Position, einen gewissen Pessimismus auszustrahlen. Immerhin wacht die Kämmerin, die einen engen Draht zur Politik suchen will, über das Geld anderer. Mit Steuergeld müsse man behutsam umgehen. Hinzu kommt: Wo man auch hinblickt, stünden die kommunalen Finanzen unter Druck, so Emmerichs neue Kämmerin. „Es ist nun einmal so, dass Bund und Land die Kommunen nicht mit genügend Geld ausstatten.“