1. NRW
  2. Städte
  3. Emmerich

Kommentar: Überlassen wir es nicht den Primitiven

Kommentar : Überlassen wir es nicht den Primitiven

Hass, Wut und Verachtung - das ist die Grundstimmung in diesen Tagen bei vielen Menschen. Auch in Emmerich, seit klar ist, dass Anis Amri hier gewohnt hat. Dabei sollten wir besonnen sein. Und ein bisschen an Jesus denken. Der hatte eine klare Nachricht für uns: Hass bringt nichts.

Mittwoch war der Terror, die Bedrohung für die Emmericher ganz nah. Anis Amri hat in Emmerich im Flüchtlingsheim gelebt. Im August war er zum letzen Mal in der Stadt.

Er wird durch die Straßen gegangen sein, sich die Menschen angeschaut haben. Was mag er gedacht haben?

Nach allem, was wir von ihm wissen, dürfte er zu dieser Zeit bereits voller Hass gewesen sein. So wie Andere, die glauben, sie hätten das Recht zu töten, weil sie so ihrem Gott gefallen. Oder einfach nur, weil sie Wirrköpfe sind.

Deutlich gemacht hat uns das alles das Aufgebot von Polizei und Presse. Emmerich stand plötzlich im Zentrum des Interesses - und das im Zusammenhang mit Terror. Wer hätte das für möglich gehalten?

Gefährliche Menschen, wie Anis Amri einer war, gehören hinter Schloss und Riegel, bevor sie losschlagen. Das muss und wird die Politik hinkriegen. Und selbstverständlich müssen wir diejenigen bestrafen und nach Hause schicken, die in unser Land kommen, unsere Hilfe annehmen und doch nur Böses im Schilde führen.

Wichtig ist in diesen Zeiten aber auch, das wir in unserem Umfeld der Stimmung entgegentreten, die sich breitmacht und die uns spaltet. Dem Hochmut gegenüber Flüchtlingen, Ausländern, Andersdenkenden, anderen Religionen. Der um sich greifenden Neigung von Migranten, sich abzugrenzen und alte Wurzeln zu suchen, statt die neuen bei uns tiefer werden zu lassen. Der Verachtung sogar im bürgerlichen Milieu für unseren Staat, für Leute in Ämtern, für Polizei, Presse, Mandatsträger.

Längst geht es in politischen Diskussionen nicht mehr um Fakten oder Wissen. Die Emotion zählt: Wut und Hass, gepaart mit Neid und Missgunst. Das lässt sich auch viel besser herausbrüllen oder im Internet mit den dazugehörenden Beschimpfungen verbreiten.

Primitiv ist derzeit normal.

Nicht nur bei uns. Die Vereinfacher und Spalter, die von Nation, Volk und Blut schwadronieren, haben immer leichteres Spiel und regieren teilweise schon. Die Menschen jubeln ihnen sogar zu, wenn sie Bürgerrechte beschneiden. Das sollte uns eine Warnung sein.

Heiligabend fällt die Botschaft in Emmerich deshalb bescheiden aus: Lassen Sie uns wachsam sein, widersprechen wir solchen Leuten in unserem Umfeld. Tun wir es jetzt nicht, kann es vielleicht irgendwann gar nicht mehr möglich sein. Und deshalb lassen Sie uns auch denjenigen, die über unseren Staat schimpfen, in Erinnerung rufen, dass sie in einem Land leben, in dem sie frei sind und Rechte haben und das sich um sie kümmert.

Das ist übrigens bei weitem mehr als Maria und Josef vor 2000 Jahren in ihrem Land erwarten konnten.

Und weil man nicht nur an Heiligabend, aber besonders dann darauf hinweisen sollte: Ihr Sohn, Jesus, hat uns ermahnt, dass Hass der falsche Weg ist. Wir sollten einfach öfter daran denken.

(RP)