Über 300 Gäste verfolgen Ressa-Vortrag "Rees von oben"

Rees von oben: Geschichtsverein hat in Rees die „Lufthoheit“

Besucherrekord für Reeser Geschichtsverein: Zu dem unterhaltsamen und interessanten Ressa-Vortrag „Rees von oben“ kamen über 300 Gäste ins Bürgerhaus.

„Wer wird denn gleich in die Luft gehen?”, fragte Heinz Wellmann, Vorsitzender des Reeser Geschichtsvereins Ressa, in Anlehnung an den Werbeklassiker mit einem nervenschwachen HB-Männchen. Die Antwort gab er im Bürgerhaus gleich selbst: „Wir alle, denn uns erwartet das spannende Thema: Rees von oben”.

Damit schienen die Ressa-Vorstandsmitglieder Michael Scholten und Dirk Kleinwegen den Nerv des Publikums getroffen zu haben: Mehr als 300 Zuhörer kamen ins Bürgerhaus, womit der Geschichtsverein seine bisherigen Besucherrekorde in den Schatten stellen konnte: „Rees in Film und Fernsehen” und der Gastvortrag von Günter Wetzel über seine filmreife Flucht aus der DDR im selbstgebauten Heißluftballon lockten im vergangenen Jahr 260 bzw. 210 Zuhörer an.

Das Junkers Luftbild vom Juli 1926 zeigt die Reeser Altstadt in ihrer Blütezeit. Foto: Stadtarchiv Rees.

„Rees von oben” begann mit Zufallstreffern aus dem Internet: Drohnenaufnahmen des Filmemachers Dustin Lange oder detaillierte Satellitenbilder des Reeser Stadtkerns von Google Maps.

Den holprigen Weg zu ersten gelungenen Luftaufnahmen der Foto- und Flugpioniere zeichnete Michael Scholten anhand historischer Beispiele nach: Allen voran der Apotheker Julius Neubronner, der Brieftauben mit Minikameras ausstattete, die im Ersten Weltkrieg für Aufklärungsflüge im Feindgebiet zum Einsatz kamen. Die zivile Luftbildfotografie wurde in Friedenszeiten durch zwei deutsche Markennamen vorangetrieben: Junkers Flugzeuge in Dessau und Carl Zeiss in Jena. Deren Kooperation lieferte ab 1919 perfekte Bilder von deutschen und internationalen Städten, im Juli 1926 entstand so auch das erste „Junkers Luftbild” von Rees.

Nach Hitlers Machtergreifung regelte das Reichsluftfahrtsministerium von Berlin aus den fotografischen Luftraum und betonte in Bänden wie „Deutschland in 111 Luftbildern” die Schönheit des Reiches. Die malerische Reeser Altstadt war darin nur zwei Seiten hinter dem Kölner Dom zu sehen. Zwischen 1940 und 1945 flogen britische Kriegsflugzeuge des Typs „Spitfire” und „Mosquito” mehr als 60.000 Aufklärungseinsätze über Deutschland. So entstanden 1944 auch gestochen scharfe Luftbilder der kleinen Rheinstadt, die bei der Flussquerung der Alliierten eine strategisch wichtige Rolle spielen sollte. Im Februar 1945 machte die Royal Air Force weitere Luftbilder der nun ausgebombten und abgebrannten Ruinenstadt.

Die umfangreiche Bilderserie des Wiederaufbaus wurde durch einen Ausschnitt aus der Rheinischen Post vom 13. November 1959 eingeläutet. Eine Luftaufnahme zeigt den ersten Bauboom entlang des Reeser Marktplatzes, das Wiedererwachen von Kirchen, Rathaus, Geschäftsleben und Industrie. Beeindruckend geriet die luftige Zeitreise durch die 50er, 60er und 70er Jahre, die dem Publikum ein Wiedersehen mit Fabriken wie Dobbelmann, Oldenkott und Raadts oder Supermärkten wie IB-kauf, Selbego und Groma bescherten.

Die Zeit der 90er Jahre bis zur Gegenwart war und ist geprägt von großen Veränderungen und Großbaustellen: Der Abriss der Futtermittelfabrik Wentges und der Käsefabrik Raadts, die Erschließung des gewaltigen Neubaugebiets Queckvoor, die Verlegung ganzer Dammabschnitte oder die 50 Millionen Euro teure Flutmulde wurden aus Flugzeugen und Hubschraubern, mit Drachen und Drohnen dokumentiert. Als Gesprächspartner berichteten Holger Friedrich vom Deichverband und Wahid Valiei, Inhaber des Kanndu-Fotoshops am Markt, über ihre Arbeit mit der Drohne. Wahid Valiei hatte für den Abschluss des Vortrags Luftaufnahmen der jüngeren Vergangenheit zu einem Video geschnitten. Es ist inzwischen auch auf der Facebook-Seite „sei REESig” abrufbar.

(RP)
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