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Rees: Tschernobyl-Verein wirft das Handtuch

Rees : Tschernobyl-Verein wirft das Handtuch

Die Zahl der Gasteltern ist erheblich zurückgegangen. Der Verein zieht Konsequenzen und gibt mangels Unterstützung seine Arbeit auf.

Seit 1993 war es in Rees feste Tradition: Der Verein "Hilfe für Tschernobyl-Kinder" holte regelmäßig Kinder aus der atomar verseuchten Region um Tschernobyl an den Niederrhein, um ihnen einen Erholungsurlaub ermöglichen zu können. Ein abwechslungsreiches Programm war stets garantiert. Der Reeser Bürgermeister fungierte als Schirmherr.

Gut 450 Kinder haben von diesem Engagement in den letzten 22 Jahren profitieren können. Damit wird wohl im kommenden Jahr Schluss sein. Wie der Verein jetzt mitteilte, werden nur noch in diesem Sommer zwölf Kinder nach Rees geholt. Der Verein beendet seine Arbeit.

Grund dafür ist das gesunkene Interesse von Bürgern, die weißrussischen Kinder bei sich aufzunehmen. So sei in den letzten Jahren die Anzahl der Gasteltern erheblich zurückgegangen. 2013 wurden die Kinder bereits mit ihren Betreuern in Ferienwohnungen statt bei Gasteltern untergebracht. Auch das Aufkommen der Spenden wurde geringer. Der Verein um Vorsitzenden Ludger Zimmermann zieht daraus nun die Konsequenzen und gibt sein Engagement auf.

Entstanden war die "Hilfe für Tschernobyl-Kinder" aus einer Privatinitiative aus Emmerich und Rees, die in den Jahren 1993 und 1994 erstmalig Kinder an den Niederrhein holte. 1995 wurde dann der Reeser Ableger des Vereins gegründet, dem seinerzeit unter anderem Erika Eickhoff, Horst Eickhoff, Marianne Boßmann, Ruth Krebel, Barbara Sühling, Margret und Werner Schmücker sowie Agnes und Ludger Zimmermann, angehörten, der heute Vorsitzender des Vereins ist. Das Engagement der Reeser wurde bereits 1996 mit dem Bürgerpreis der Stadtsparkasse Emmerich-Rees gewürdigt.

Neben der Aufnahme von Gastkindern tat der Verein aber auch mit diversen Reisen nach Weißrussland Gutes: Auf eigene Kosten wurden Sachspenden für Krankenhäuser und Schulen überbracht oder Kinder mit Kleidung und Spielzeug ausgestattet.

In diesem Jahr werden also letztmalig zwölf Kinder nach Rees kommen. Gerne würde der Verein noch zwei weitere Kinder in diesem Sommer (13. Juni bis 4. Juli) in die Rheinstadt holen. Alesia und Nadeschda, beides Kinder ehemaliger Gastkinder, sollen mit dieser Einladung überrascht werden. Wer sie bei sich aufnehmen möchte, möge sich bis heute bei Familie Zimmermann (Tel. 02851 - 3427) melden.

(RP)