Rees: Tochter bedroht: Bewährung für Vater

Rees : Tochter bedroht: Bewährung für Vater

Zu einer Freiheitsstrafe von einem Jahr und sieben Monaten auf Bewährung hat gestern die 1. große Strafkammer des Landgerichts Kleve den 46-jährigen Reeser verurteilt, der seine Tochter mit einem Teppichmesser bedroht hatte. Der Angeklagte, deutscher Staatsbürger mit kurdischen Wurzeln, hatte vermutet, dass seine 26 Jahre alte Tochter Beziehungen zu Deutschen unterhielt, mit denen er nicht einverstanden war. Daraufhin zwang er sie, ihr Handy abzugeben, um die Kontaktdaten auszulesen. Die Strafkammer wertete dies jetzt als Nötigung.

"Mittelalterliches Gebaren"

Staatsanwalt Schmäring, der eine zweijährige Freiheitsstrafe wegen schwerer räuberischer Erpressung gefordert hatte, nutzte sein Plädoyer zu einer Generalabrechnung mit der Lebensweise des Vaters.

"Sie legen ein mittelalterliches Gebaren an den Tag, wenn sie über das Leben ihrer 26-jährigen Tochter bestimmen", sagte er. "Sie leben hier in Deutschland. Und Sie sehen die Probleme nicht bei sich selber, sondern immer bei anderen." Eigentlich müsse er eine Therapie machen und hinterfragen, ob das angemessen sei, was er mit seiner Familie mache.

Doch in der mündlichen Urteilsbegründung sagte Richter Jürgen Ruby: "Wir hatten nicht über das Leben des Angeklagten zu befinden, sondern über drei konkrete Taten." Neben der Messerattacke gab es noch zwei Drohanrufe bei Bekannten der Tochter. Einer dieser Bekannten war Polizist: Er erstattete Anzeige und brachte damit den Fall ans Licht.

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Zu der Messerattacke sagte die Kammer: "Wir sehen darin eine Nötigung, nicht hingegen, dass sich der Angeklagte davon einen Vermögensvorteil versprochen hätte." Zu Gunsten des Täters wertete das Gericht die "emotional aufgeladene Situation", in der sich das Geschehen ereignete, sowie das weitgehende Geständnis des Mannes.

Dessen Verteidiger hatte das Geständnis ebenfalls in den Vordergrund gestellt und für eine "milde Strafe" plädiert. Zu den Bewährungsauflagen gehört eine Geldbuße von 2000 Euro, die der Täter in 20 Monatsraten abstottern soll.

(RP/rl)
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